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Charis: rhein. Morgenzeitung für gebildete Leser (1) — 1821

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https://doi.org/10.11588/diglit.20602#0331

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Woher kommt der Ausdruck Groteſk?

Unter Papſt Leo X. wurden zuerſt in den Ruinen

des Pallaſtes und der Baͤder des Titus, die mit en-
kauſtiſchen Malereien verzierten Waͤnde wieder aufge-

funden. Alles lief zu und bewunderte. Rafael mit
ſeinem Schuͤler Johann von Udine kam auch dahin,

und man giebt ihm Schuld, daß er hier von der al-

ten Malerei verſchiedenes vernichtet habe, um ſich
das Verdienſt der neuen Erfindung davon zuzueignen.
Dies'war nun fuͤr die Neuerungsſucht, und fuͤr
den ſplelenden Geſchmack, ein erwuͤnſchter Sund —
es waren Arabesken. —
Jezt entſtand ein neuer Zweig der Kunſt, der
durch den Zufall, daß in verſchuͤtteten unterirdiſchen
Wohnungen, oder Grotten, dieſe muthwilligen
Spicle der Phantaſie wieder aufgefunden wurden,
ſeine Benennung des Grotesken erhielt, welche
Benennung nachher zu einem allgemeinen Kunſtwort
u einer beſondern Unterſcheidung,
aupt, dienen mußte, das man
oſſierliche und Phantaſtiſche faͤll,
iſche nennt.
ſer auswendig gewoͤlbten Gaͤnge,
n Hofe des vatikaniſchen Pallaſtes
ck laufen, waren von Bramante
„ und Rafael verzierte nun die
13 Gewoͤlbe in dieſen Logen

chen, Laubwerk, Kameen, Va-
ſrke, Pavillons, Waffen, Inſek-

n ſich in der wunderbarſten Mi-
mmenſetzung.

irenen, Termen, Satyren, kleine

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ling auf dent Kirchhof unter einer Linde, murmelte

dabei eine Art von Standrede, und ſezte ihm ſogar
bald darauf einen Leichenſtein mit Verſen/ die er ſel-
ber gemacht hatte.
Die Sache kam vor den Biſchof des Kirchſpren-
gels, einen Geizhals, der ſeine Untergebenen gar zu
gern ſchroͤpfte. Sogleich ließ dieſer unſern Geiſtlichen

vorfodern, und empfing ihn in Gegenwart des Of-

fizials, der Fiskaͤle, Schreiber, Notare und Sachwal-
ter, lauter ſchadenfrohen Volkes, mit einer Miene,
in der auch kein Zug von Nachſicht und Erbarmen zu
finden war. Es begann eine donnernde Filippika
uͤber die Beerdigung eines Hundes an geweihter Staͤt⸗
te unter Kriſtengebeinen. Die Schreckensworte Ent-
heiligung, Gotteslaͤſterung, Ketzerel, Todſuͤnde, zeit-

liche und ewige Strafen, betaͤubten das Ohr des ar-

men Pfarrers, und ſchon ſah er ſich in einem tiefen

Abgrund von Inquiſi rionsgefaͤngniß, wo Heulen und

Zaͤhnklappen ihn erwartete.
Dennoch verlor er die Faſſung nicht, ſondern be-
gann, da er Erlaubniß zu reden hatte, folgenderge-
ſtalt: „Hochwuͤrdiger Herr Biſchof, ich weiß gewiß,

yhuaͤtten Sie meinen Hund, dem Gott vergeben wolle,
„ſo gut gekannt, wie ich ihn gekannt habe, Sie wuͤr⸗
„den ſich uͤber ſein Begraͤbniß nicht ſo verwundern.

„In der That er verdiente es nach meiner demuͤthigen
„Meinung:
vals mancher Menſch, und ihat es an Menſchenliebe

vund Treue unzaͤhligen zuvor, die billiger Hunde als
5Kriſten waͤren.

Auch zeigte er nicht allein das beſte
„Herz; auch klug war er, Hochwuͤrdiger Herr, klug
„wie ein Salomon, und wenn er das ſein ganzes Le-
„belang bewies, ſo offenbart es ſich noch biel deut-
ylicher bei ſeinem Tode, denn da macht' er ein ſehr.

denn dieſer Hund war weniger Hund

vſchöͤnes Teſtament, worin er unter andern Ew. Hoch-
„wuͤrden funfzig vollwichtige Dukaten ausſezte. Rer
ybringꝰ ich ſie.
Und ſo reichte er dem Biſchofe das Gold, das
auch hier ſeine bekannte Kraft bewaͤhrte, indem es den
Tadel in Lob, die Schmaͤhworte in Segnungen/ und
den. gefuͤrchteten Verhaftbefehl des. Pſarrers in die
gnaͤdige Erlaubniß verwandelte/ ruhig nach der Hei-
math Ennlentehrrn

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Teſt am emt.

indpfarrer in Elſaß, deſſen Dorf
zee lag, hatte einen Hund, der
„ und die wilden Enten, die der
ſchoß, mit großer Geſchicklichkeit
vorholte. Dieſer Hund nun, ſey
er Erkaͤltung, das weiß ich nicht,
dpeuc Pfarrer rearub. ſeinen? Leb-

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