ders in der erſten Szene mit der Czaarewna Maria und
der darauf folgenden mit der Regentin Sophia, mehr Be-
deutung. Zum Schluß des vierten Akts entwickelte Herr
Lö we ein meiſterhaftes Spiel.
Dienſtag, den 7. Mai, 1822.
Der Freiſchuͤtz. Romantiſche Oper, von Fr.
Kin d. Muſik von C. M. von Weber.
(Siehe Nro. 39 und 40.)
Die ſchnelle Wiederholung und ausführliche Anzeige dieſer
Oper in den kurz vorangegangenen Nummern dieſes Blattes,
erlaͤuben mir wohl weitere Bemerkungen und Andeutungen
für eine der nächſten Darſtellungen aufzuſparen, wenn ſich die
Eindrücke beſtimmter werden konſolidirt haben, die dieſes Werk
auf das kunſtliebende Publikum gemacht hat. —
Donnerſtag, den 9. Mai, 1822.
Deutſche Treue. Ritterſchauſpiel, von Kinge-
man n.
(Siehe Nro. 25.)
Ein hochtrabender Wörterſchwall und ein meiſt mühſames,
wenn auch nicht überall unglückliches Haſchen nach ſzeniſchem
Effekt, können den Mangel an Poeſie nicht erſetzen. Die
männlichen Hauptrollen wurden mit Auszeichnung gegeben,
die weiblichen aber hat der Dichter ſo mager ausgefattet,
daß ſich von ihnen nichts weiter ſagen läßt, als: ſie figurir-
ten artig. Unter den kleineren Nollen ward die des Magiſter
Heinrich von Prag durch Hrn. Struve recht brav und an-
ſprechend behandelt.
Freitag, den 10. Mai, 1822.
Konzert der Frau Roſa Beauval, geborne
Kraͤmer.
Mit Vergnügen bemerkte ich im Geſange der Kontertgeberin
eine angenehme Veränderung ihrer Stimme, welche, ſeit ſie
nicht mehr Mitglied unſerer Oper iſt, bedeutend an Stärke
gewonnen hat. Sie ſang eine Arie aus „l'inganno felice &
von Roſſini, mit Fleiß und Geſangfertigkeit, wiewohl eine
kleine Aengſtlichkeit ihr nicht ganz günſtig war. Gewiſſe Sü-
heleien und ein Ziehen der Töne abgerechnet, iſt Frau Beau-
val noch immer eine, mit nicht unbedeutenden Geſangmit-
teln, ausgebildete Sängerin, welche, wenn ſie gehörig an-
gehracht werden, ihr einen ſtets gerechten Beifall, wie es
auch heute, trotz der kleinen Berſammlung, der Fall war,
ſichern müſſen. Zum Beſchluß ſang ſie noch aus Paer's
„Sargines“ mit Fräulein Ringelmann das bekannte
liebliche Duett der Liebeserklärung zur allgemeinen Zufrie-
denheit. — Hr. Wiſeneder trug eine Kavatina aus der
Oper „il Torvaldo“ gleichfalls von Roſſini, mit Anmuth
und Lieblichkeit vor. Daß unſere Sänger und Sängerinnen,
ſogar in Konzerten, uns mit Roſſiniſcher Muſik ſäͤttigen,
kann ich nicht billigen, denn wir haben des Zuckerwerks ſchon
ſo viel genoſſen, daß der Magen wahrlich einer Stärkung
bedarf, und wir uns billig nach klaſfiſcher Koſt ſehnen dürfen.
AÆ- +
Verleger: Karl Groos, N. Akad. Buchh. in Heeerg.
Redakteur: Friedr. Kayl Freiberr von Erlach.
Dem Sänger, mit bedeutender Geſangsfertigkeit zegabt, giebt
Roſſini allerdings Gelegenheit, ſich vortheilhaft auszuzeich-
nen, jedoch bin ich der Meinung, daß ſolches weder von
Dauer ſeyn, noch dem Sänger zum Nutzen gereichen kann.
Des Künſtlers Pflicht iſt, dem beſſern Geſchmack zu huldigen,
und den von der wahren Höhe herabgeſunkenen, ſtufenweiſe
wieder zu erheben. Ich will hierdurch Hrn. Wiſeneder
keinesweges einen Vorwurf machen, ſondern bemerke aus-
drücklich, daß ſeine Kunſtfertigkeit, für dieſe Abweichung von
der rechten Bahn, reichlichen Erſatz gab. — Hr. Schmitt
ſpielte eine ſchöne Polonaiſe für die Violine von Mayſeder
mit Fertigkeit und Ausdruck, denn öobgleich ſein Inſttument
noch etwas ſchwach iſt, ſo iſt doch ſein Ton wohllautend und
angenehm. Die nicht unbedeutenden Schwierigkeiten dieſes Mu-
ſikſücks, welche Hr. Schmitt auch meiſt glücklich überwand,
zeigen von Fleiß und Liebe zu ſeiner Kunſt. — Der Glanz-
punkt der heutigen muſikaliſchen Abendunterhaltung aber war
das von Hrn. Hofmuſikus Maas vorgetragene Konzert Win-
ters für die Oboe, denn von all meinen Bekaͤnnten hörte
ich einſtimmig, daß ſie nur, um den lieblichen Tönen zu lau-
ſchen, die unſer Künſler ſeinem Inſtrumente entlockt, den
Theaterſaal beſucht hätten. Dieſes Winterſche Konzert giebt
einem Oboiſten Gelegenbeit, Kraft, Feſtigkeit, Zartheit und
Ausdauer des Tons zu beurkunden. Das erſte Allegro iſt be-
ſonders brillant, und von nicht unbedeutendem Kompoſitions-
werth. Das Adagio zeichnet ſich durch einen ſchoͤnen Geſang
aus. Von großer Schwierigkeit war eine von Hrn. Maas
angebrachte Kadenze, zwiſchen dem Adagio und Rondo, wo
er einen Ton mit ungeheuer langem Athem viele Takte hin-
durch anhielt, piano anfangend, bis zur größten Stärke wach-
ſend, dann wieder verſchwindend, mit demſelben Athem
mehrere wohlgelungene Läufe durch die Semitöne machte,
und ſo den künſtlichſen Uebergang zum netten Rondo bilde-
te. Schon bei Beurtheilung des erſten Abonnements⸗Kon-
zerts von 28. Nov. d. v. J. (Siehe Nro. 72 der vorjährigen
Charis) iſt das bedeutende Talent dieſes jungen Mannes ge-
würdigt worden, und Jeder, der ihn heute wieder hörte, wird
ſich überzeugt haben, daß ſein raſtloſes Studium, und ſeine
hohe Liede für dieſes ſchwere Inſtrument, ihn bald zu jener
Vollendung fuͤhren müſſen, die man nur immer darauf errei-
chen kann/ und ſeinen Namen jenen Künſtlern beigeſellen wer-
den, die einſt auf der Oboe Evoche machten/ und noch machen.
Von der Ausführung der Mozart' ſchen Erö ffnungsſym-
phonie, und der Weigl'ſchen Ouvertüre zu „Peters
des Großen Jugendfahren“ kann ich nicht viel Günſtiges ſa-
gen, da mehrere Orcheſtermitglieder abweſend waren, und
es mir vorkam, als würden beide Stücke allzuſchnell wegbe-
handelt. ö Erlach.
(iazu die — * Nro. 4.)
Nro. 40. Sp. 6. Z. 3. v. u. lies: Viole, ſtatt: Violine.
—— ———
Druckerei voen Kaufmann.
der darauf folgenden mit der Regentin Sophia, mehr Be-
deutung. Zum Schluß des vierten Akts entwickelte Herr
Lö we ein meiſterhaftes Spiel.
Dienſtag, den 7. Mai, 1822.
Der Freiſchuͤtz. Romantiſche Oper, von Fr.
Kin d. Muſik von C. M. von Weber.
(Siehe Nro. 39 und 40.)
Die ſchnelle Wiederholung und ausführliche Anzeige dieſer
Oper in den kurz vorangegangenen Nummern dieſes Blattes,
erlaͤuben mir wohl weitere Bemerkungen und Andeutungen
für eine der nächſten Darſtellungen aufzuſparen, wenn ſich die
Eindrücke beſtimmter werden konſolidirt haben, die dieſes Werk
auf das kunſtliebende Publikum gemacht hat. —
Donnerſtag, den 9. Mai, 1822.
Deutſche Treue. Ritterſchauſpiel, von Kinge-
man n.
(Siehe Nro. 25.)
Ein hochtrabender Wörterſchwall und ein meiſt mühſames,
wenn auch nicht überall unglückliches Haſchen nach ſzeniſchem
Effekt, können den Mangel an Poeſie nicht erſetzen. Die
männlichen Hauptrollen wurden mit Auszeichnung gegeben,
die weiblichen aber hat der Dichter ſo mager ausgefattet,
daß ſich von ihnen nichts weiter ſagen läßt, als: ſie figurir-
ten artig. Unter den kleineren Nollen ward die des Magiſter
Heinrich von Prag durch Hrn. Struve recht brav und an-
ſprechend behandelt.
Freitag, den 10. Mai, 1822.
Konzert der Frau Roſa Beauval, geborne
Kraͤmer.
Mit Vergnügen bemerkte ich im Geſange der Kontertgeberin
eine angenehme Veränderung ihrer Stimme, welche, ſeit ſie
nicht mehr Mitglied unſerer Oper iſt, bedeutend an Stärke
gewonnen hat. Sie ſang eine Arie aus „l'inganno felice &
von Roſſini, mit Fleiß und Geſangfertigkeit, wiewohl eine
kleine Aengſtlichkeit ihr nicht ganz günſtig war. Gewiſſe Sü-
heleien und ein Ziehen der Töne abgerechnet, iſt Frau Beau-
val noch immer eine, mit nicht unbedeutenden Geſangmit-
teln, ausgebildete Sängerin, welche, wenn ſie gehörig an-
gehracht werden, ihr einen ſtets gerechten Beifall, wie es
auch heute, trotz der kleinen Berſammlung, der Fall war,
ſichern müſſen. Zum Beſchluß ſang ſie noch aus Paer's
„Sargines“ mit Fräulein Ringelmann das bekannte
liebliche Duett der Liebeserklärung zur allgemeinen Zufrie-
denheit. — Hr. Wiſeneder trug eine Kavatina aus der
Oper „il Torvaldo“ gleichfalls von Roſſini, mit Anmuth
und Lieblichkeit vor. Daß unſere Sänger und Sängerinnen,
ſogar in Konzerten, uns mit Roſſiniſcher Muſik ſäͤttigen,
kann ich nicht billigen, denn wir haben des Zuckerwerks ſchon
ſo viel genoſſen, daß der Magen wahrlich einer Stärkung
bedarf, und wir uns billig nach klaſfiſcher Koſt ſehnen dürfen.
AÆ- +
Verleger: Karl Groos, N. Akad. Buchh. in Heeerg.
Redakteur: Friedr. Kayl Freiberr von Erlach.
Dem Sänger, mit bedeutender Geſangsfertigkeit zegabt, giebt
Roſſini allerdings Gelegenheit, ſich vortheilhaft auszuzeich-
nen, jedoch bin ich der Meinung, daß ſolches weder von
Dauer ſeyn, noch dem Sänger zum Nutzen gereichen kann.
Des Künſtlers Pflicht iſt, dem beſſern Geſchmack zu huldigen,
und den von der wahren Höhe herabgeſunkenen, ſtufenweiſe
wieder zu erheben. Ich will hierdurch Hrn. Wiſeneder
keinesweges einen Vorwurf machen, ſondern bemerke aus-
drücklich, daß ſeine Kunſtfertigkeit, für dieſe Abweichung von
der rechten Bahn, reichlichen Erſatz gab. — Hr. Schmitt
ſpielte eine ſchöne Polonaiſe für die Violine von Mayſeder
mit Fertigkeit und Ausdruck, denn öobgleich ſein Inſttument
noch etwas ſchwach iſt, ſo iſt doch ſein Ton wohllautend und
angenehm. Die nicht unbedeutenden Schwierigkeiten dieſes Mu-
ſikſücks, welche Hr. Schmitt auch meiſt glücklich überwand,
zeigen von Fleiß und Liebe zu ſeiner Kunſt. — Der Glanz-
punkt der heutigen muſikaliſchen Abendunterhaltung aber war
das von Hrn. Hofmuſikus Maas vorgetragene Konzert Win-
ters für die Oboe, denn von all meinen Bekaͤnnten hörte
ich einſtimmig, daß ſie nur, um den lieblichen Tönen zu lau-
ſchen, die unſer Künſler ſeinem Inſtrumente entlockt, den
Theaterſaal beſucht hätten. Dieſes Winterſche Konzert giebt
einem Oboiſten Gelegenbeit, Kraft, Feſtigkeit, Zartheit und
Ausdauer des Tons zu beurkunden. Das erſte Allegro iſt be-
ſonders brillant, und von nicht unbedeutendem Kompoſitions-
werth. Das Adagio zeichnet ſich durch einen ſchoͤnen Geſang
aus. Von großer Schwierigkeit war eine von Hrn. Maas
angebrachte Kadenze, zwiſchen dem Adagio und Rondo, wo
er einen Ton mit ungeheuer langem Athem viele Takte hin-
durch anhielt, piano anfangend, bis zur größten Stärke wach-
ſend, dann wieder verſchwindend, mit demſelben Athem
mehrere wohlgelungene Läufe durch die Semitöne machte,
und ſo den künſtlichſen Uebergang zum netten Rondo bilde-
te. Schon bei Beurtheilung des erſten Abonnements⸗Kon-
zerts von 28. Nov. d. v. J. (Siehe Nro. 72 der vorjährigen
Charis) iſt das bedeutende Talent dieſes jungen Mannes ge-
würdigt worden, und Jeder, der ihn heute wieder hörte, wird
ſich überzeugt haben, daß ſein raſtloſes Studium, und ſeine
hohe Liede für dieſes ſchwere Inſtrument, ihn bald zu jener
Vollendung fuͤhren müſſen, die man nur immer darauf errei-
chen kann/ und ſeinen Namen jenen Künſtlern beigeſellen wer-
den, die einſt auf der Oboe Evoche machten/ und noch machen.
Von der Ausführung der Mozart' ſchen Erö ffnungsſym-
phonie, und der Weigl'ſchen Ouvertüre zu „Peters
des Großen Jugendfahren“ kann ich nicht viel Günſtiges ſa-
gen, da mehrere Orcheſtermitglieder abweſend waren, und
es mir vorkam, als würden beide Stücke allzuſchnell wegbe-
handelt. ö Erlach.
(iazu die — * Nro. 4.)
Nro. 40. Sp. 6. Z. 3. v. u. lies: Viole, ſtatt: Violine.
—— ———
Druckerei voen Kaufmann.



