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Christlicher Kunstverein der Erzdiözese Freiburg [Editor]
Christliche Kunstblätter: Organ des Christlichen Kunstvereins der Erzdiözese Freiburg — 11.1872

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https://doi.org/10.11588/diglit.7189#0018
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— 204 —

Nur noch Weniges iſt uns zu ſagen übrig. — Alle Bilder
bilden ein zuſammenhängendes Ganze, eine ſtille und doch ſo
eindringliche Predigt für jeden der in die Kirche tritt und
ſtellen ſie Hauptmomente aus der Erlöſung dar. Um die-
ſes Ganze ſich anſchaulich zu machen, betrachte man dieſelben
von der linken Seite im Langhauſe angefangen, fortſchreitend
durch den Chor und rechts im Langhaus mit dem letzten Bilde
endigend.

Auf der linken Seite im Langhaus in der Mitte desſelben
fällt der Blick auf das ſehr ſchöne Glasgemälde, von Helmle
von Freiburg gefertigt; es ſtellt die Geburt des Heilandes
— Weihnachten dar. Ueber dem Mutter-Gottesaltar, wie
ſchon erwähnt, der zwölfjährige Jeſus im Tempel;
Eltern und Kinder wird dadurch ſo klar und ſchön das vierte
Gebot zur Anſchauung gebracht. Jm Chor die Grablegung
Chriſti, das vollendete blutige Opfer — Charfreitag
Auf dem Hochaltar die Auferſtehung, der ſchöne Preis des
blutigen Opfers — Oſtern. Links im Chor die Sünger
in Emaus, das unblutige Opfer — veranſchaulicht das
herrliche Evangelium des Oſtermontags. Ueber dem Joſefs-
altar die Schlüſſelübergabe. Nachklang des Pfingſtfeſtes.
Die Gläubigen ſollen wiſſen, wer die Erlöſungsgnade ihnen über-
mittelt; es iſt die Kirche, Petrus und ſeine Nachfolger an der
Spitze. Jm Langhaus ſodann, gegenüber der Geburt Chriſti
iſt das Glasgemälde Jeſus am Oelberg, ebenfalls von
Helmle. Jeſus ſagt zu den Jüngern: ,,Wachet und betet''.
Das Gebet und die hl. Sakramente ſind die vorzüglichſten
Mittel der Erlöſungsgnade theilhaftig zu werden.

Links und rechts vom Hochaltar ſind zwei Standbilder,
der heilige Benediktus, weil ehemals hier ein Benediktiner-
Priorat, und der heil. Nikolaus, Patron der hieſigen Kirche.
Dieſe zwei etwas mehr als lebensgroße Standbilder füllen die
Chorniſche wohlthuend aus, ſind ebenfalls wie die vier Kirchen-
väter von Meiſter Reich in Hüfingen in Holz und farbiger
Faſſung ausgeführt und reihen ſich in künſtleriſch-tüchtiger Aus-
führung den oben erwähnten vier Standbildern im Langhaus
würdig an.
Jn der Mittelhöhe der linken Chorwand tritt dem Beſchauer
die Darſtellung der Grablegung Chriſti entgegen. Dieſes
Bild wie das gegenüber befindliche iſt von Hofmaler Dürr in
Freiburg ausgeführt und von wahrhaft ergreifender Wirkung.
Die Compoſition iſt großartig, ohne irgendwie geſucht zu ſein,
und reiht ſich dem ernſten Style der alten Meiſter des 16.
Jahrhunderts an. Die Geſtalt des todten Heilandes, die
plaſtiſch hervortritt, von Nikodemus, ſeinem Diener, und vou
Johannes getragen, iſt durchaus edel und, wie alle Geſtalten
dieſer ernſten Darſtellung, tief gedacht und empfunden. Es
iſt dies das volle Ergebniß eines gläubigen Herzens,, das vom
darzuſtellenden Stoff ganz durchdrungen iſt. Hinter Nikodemus
kommt deſſen Freund mit dem Gefäß zur Salbung des heil.
Leichnams. Gegen die rechte Seite des Bildes ſteht die heil.
Jungfrau in ſtummem, aber doch ſtandhaftem Schmerz, welche
die neben ihr ſtehende Magdalena, obgleich ſelbſt von Trauer
niedergebeugt, zu tröſten ſucht. Wir haben ſchon viele Gemälde
geſehen, aber dieſe beiden Frauengeſtalten können den ſchönſten
alter und neuer Zeit an die Seite geſtellt werden. Unerſchütter-
liches Gottvertrauen leuchtet zugleich aus dem Auge Mariens,
hoffnungsvoll hinblickend auf die große heilige Sache, die nun
durch die Apoſtel und ihre Nachfolger ausgeführt werden ſoll.
Den Schluß dieſer Gruppe bildet Joſeph von Arimathäa, der
tieftrauernd mit der Fackel in der Hand der dunkeln Grabes-
gruft zuſchreitet, die den hl. Leichnam aufnehmen ſoll. Com-
poſition, Zeichnung und Färbung in dieſem Bilde machen ſich
den Vorrang ſtreitig und doch iſt bei aller Kraft und markiger
Behandlung Ruhe und Harmonie. Die Luft, vielmehr der
Himmel, iſt zum Ganzen geſtimmt und hilft unwillkürlich eine
düſter⸗traurige Stimmung in das Herz ſenken. Unſtreitig iſt
dies das ſchönſte Bild von allen und ſpricht jeden Beſchauer
ſo ſehr an, weil es zugleich einen Vorgang ſchildert, der bei
jedem Menſchen ſo oder anders gewiß einmal ſein wird, nämlich
den Tod und die Grablegung.
Das Bild zur rechten Seite im Chor ſtellt das Wieder-
erkennen Jeſu am Brodbrechen durch die beiden Jünger
zu Emaus dar. Wie bei der Grablegung ſind die Figuren auch
dieſes Bildes lebensgroß. Jn der Mitte des Bildes (am Tiſch)
erſcheint Jeſus mit zum Himmel erhobenen Augen, das Brod
brechend; Ernſt und Milde thronen auf dem verklärten Antlitze.
Einer der Jünger, wohl Johannes, fällt vor Erſtaunen, die
Arme ausſtreckend, auf die Kniee. Man glaubt in ſeinem Geſicht
zu leſen, als wollte er begeiſternd ausrufen: ,,Mein Herr
und mein Meiſter!'' Hinter dieſem tritt die junge Wirthin,
Speiſe bringend, heran in anmuthigem Niederſchauen auf den
ſtaunenden Johannes, während der hinter ihr ſtehende Wirth
ganz verwirrt ſich die Scene nicht zu erklären weiß, da ihm
das geiſtige Auge zum Verſtändniß des großen Momentes noch
nicht erſchloſſen zu ſein ſcheint. Mehr im Vordergrund links
vom Heiland ſchlingt der von dieſer Scene tief ergriffene Jünger
Cleophas die Hände wie zum Gebet, mit ernſtem Staunen den
Heiland anſchauend, im Begriffe, ſich von ſeinem Sitze zu er-
heben und dem Auferſtandenen ſich zu nähern. Die Rückwand
der gaſtlichen Stube zeigt zwei Fenſteröffnungen, durch welche
man in eine freundliche Abendlandſchaft hinausſchaut, deren
letzte Sonnenſtrahlen die Gruppe der Figuren beleuchten.

Schließlich ſind im Chor die vier Kirchenväter, die ſo vieles
thaten, um das Schiff der Kirche über den Fluthen des un-
ruhigen Völkerlebens aufrecht zu halten. — Schön und würdig,
aber einfach zugleich iſt ſo das Jnnere ausgeſchmückt, beſonders
wenn die Medaillons auf Goldgrund unter dem Architrav noch
vollendet ſein werden. Wir glauben gerne, daß dann die Kirche
von hier, was die innere Ausſchmückung betrifft, eine der ſchön-
ſter des Landes ſein wird und die Einheimiſchen und Fremden
zumal in belebter Sommerszeit einladet einzutreten und ein wenig
auszuruhen bei dem, der geſprochen: ,,Kommet her, zu mir,
die ihr mühſelig und beladen ſind, ich will euch
erquicken und ihr werdet Ruhefinden für eure
Seele.''

Ein kunſtliebender, ſtrebſamer ehrer.

Am 17. September d. J. ſtarb in Schramberg Oberlehrer
und Organiſt J. B. Braun, der als ausgezeichneter Kenner
und Lehrer der klaſſiſchen Kirchenmuſik, ſowie als vorzüglicher
Orgelſpieler auch in weiteren Kreiſen bekannt war. Geboren
zu Spaichingen den 1. Januar 1808, machte er ſein erſtes
Examen im Jahr 1826 in Stuttgart mit der Note ,,ſehr fähig'',
worauf er ſofort Amtsverweſer fur den altersſchwachen Muſter-
lehrer Bühler in Wieſenſteig und i. J. 1828 Amtsverweſer
für den kranken Lehrer Wurſt in Spaichingen wurde, wo ihm
zugleich die Aufſicht über deſſen Präparanden-Juſtitut vom kgl.
kathol. Kirchenrathe übertragen wurde. Jm Jahr 1832 erſtand
Braun ſein Dienſtexamen mit der Note ,,fähig für Stadtſchul-
und Organiſtendienſt '. Jm Sommer 1835 erhielt B. Urlaub
zu einer wiſſenſchaftlichen Reiſe behufs ſeiner muſikaliſchen Aus-
bildung und nahm in demſelben Jahre 4 Monate lang Unter-
richt bei Hoforganiſt Rink in Darmſtadt in der Harmonie-
Compoſition und im Orgelſpiel — mit bezeugtem bedeutendem
Erfolge. Jm September 1836 erhielt B. von Sr. Excellenz
dem Herrn Graf von Biſſingen den erledigten zweiten Schul-
 
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