Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 3.1860

Seite: 96
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Strahl zu soimen. Dann kommen die Kinder nnter den Blumen anf der Wiese,
dann dfls Mährchen geheimnißvoll im Walde sitzend; der Storch, von deni, nach
Hebels alemanischem Liede, die Aeltern dem Knaben sagen: „Blick in die weite
Welt," wo aus eine im Regenbogenglanze leuchtende Gegend das ältere Mädchen
die kleine Schwester über den Gartenzaun hinaussehen läßt nnd die kleine ebenso
ihre Pnppe vorhält, mit dem Knaben der Haushund an dem Schauspiele der
erfrischten Landschast theilnimnit. Bedentsam reiht sich daran der „Blinde im
Frnhling," von seiner Enkelin über die Schönheit der Dinge unterhalten, von
seinem treuen Hunde bewacht. Drauf kommen die Kinder, die im Mai den
Reigen tanzen; die Wanderschast zweier Gesellen dnrch Thäler nnd über Berge,
wahrend unter ihnen im Käfig „die Trägen, die im Hause liegen" im Schlaf-
rock, mit Tabak und Kassee und an der Wiege sitzen. Sodann ein Vokal- nnd
Jnstrumentalconcert der Kinder im Freien mit Hausgeräthen, die zum Orchester
dienen; liebende Paare in der Stube und unterm Baume; des Einsiedlers
Abenvlied; endlich der Brautzug, der aus dem Walde hervortritt, und dem die
Kinder über den schmalen Brückensteg vorausgehen. Möge auch dieses reiche
Heft allenthalben viel Freude bringen und die Theilnahme vorbereiten sür die
Folge, die noch im Schoße des künstlerischen Grisfels ihrer Erweckung ins
sommerliche Leben harrt. G.

Ehromk.

Lirchcnbaucntwiirfc. Berlin im Mai. Jn dcr letztcn Vorstandssitzung des Vereins für religiöse
Knnst wnrde unv ein erfreulicher Bcweis warmer Theilnahme für die anch in nnsern Blättern viel
besprochenc Frage des evangelischen KirchenbaueS. Es lagen nns näinlich anf 24 vvrtrefflich gc-
zeichneten Taseln die Entwürfe zu zehn evangelischen Kirchen versehiedener Grvße nnd Art vvr,
welche bewiesen, wie ernst sich der Verfasser mit dieser Ausgabe beschäftiget hatte. Tie waren lheils
auf kleinere Gemeinden und beschränkte Mittel berechnet, theils grvßer nnd von mvnnmentaler Er-
scheinnng, die meisten rvmanisch, in bescheidener Haltnng und mit vffenem Tachraume, einige iu
sehr wvhl verstandenem gvthischen Stile und mit Gewvlben, manche mit blvßem Glvckcnstnhle, andre
mit mehr vder weniger bedentenden Thürmen, alle mit Empvren vvn sehr gelungener Anlage, sei
es, daß sie die Breite wirklicher Seitenschisse cinnahmen nnd alsv mit den anfsteigenden Pfeilern
verbnnden waren, vdcr nur im einschiffigen Naume auf leichteren Srützen rnhcten, die meisten ans
einem Langhause mit halbkreisfvrmigem vder pvlvgvnem Ehvre bestehend, zwei als Centralbanten
mit achteckiger Knppel. Die Zeichnungen, gevmetrisch, mit Details selbst der Kanzel, Drgel n. s. w.,
doch neben perspektivischcn Ansichten des Aeußeren nnd Inneren, gaben vvllkvmmene Anschauung
nnd schienen, abgesehen vvn dem fehlenden Kvstenanschlage, im Wesentlichen znr Ansführnng reis, nnd
die Entwürse erfrenten durch eine, mit dem Anschlnß an traditivnelle Fvrmen wvhl vereinigte Frische
nnd Driginalität der Ausfassung und besvnders dnrch die lcbensvvlle Dnrck'führnng. Dennvch waren
sie nicht die Arbeit eines schnlmäßig herangebitdeten Architekten, svndern eines jnngen Landscbafts-
malers, der sich neben diesem seincin Bernfe rein ans Liebe znr Sache mit dieser Ansgabe sv gründ-
lich nnd erfvlgreich beschäftiget hatte. Der Verfasser, Herr Bernhard Schmidt, gegenwartig in
Schwerin, hatte sie uns zur Prüfung ihrer Braucbbarkeit nnd ctwaigen Benutznng vvrgelegt, nnd
wir kvnnen für ihn und für die Sache selbst iiur wünschen, daß ibm eine Gelegenheit znr Ver-
öffentlichung dieser anregenden Entwürfe werden mvge. K- S.

VerantwDrtciche Rcdaction und Verlng von Ebncr L Seubcrt in Stuttgurl.

Schnellpresscndruck der I. G. Sprcindcl'schcn Buchdruckerci dusellist.
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