Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 10.1868

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Messens und Zeichnens sehr kundige Freund ausgeführt. Die Erinnerung an
diese gemeinschaftliche Arbeit ist uns Beiden bis auf diesen Tag eine besonders
liebliche und erhebende geblieben. Vielfach waren dabei die Augen muhamme-
danischer Zuschauer auf uns gerichtet gewesen, aber nur einmal ist der Versuch
gemacht worden, uns in derselben zu stören oder davon zu vertreiben, indem
ein paar arabische Jungen — es war in der Nähe des Stephanusthores —
sich anschickten, Steine nach uns zu werfen. Eine ernste drohende Hinweisung
auf den Consul von Brusia (Preußen) hatte genügt, die kleinen Fanatiker von
der Verfolgung ihrer Absicht abzubringen. Die Hauptresultate jener Unter-
suchungen habe ich zunächst in meiner Reisebeschreibung (S. 64—68) und dann
in der Schrift über Jerusalem (S. 28—34 der zweiten Auflage) niedergelegt.
In der letzteren befinden sich zwei Stücke der betreffenden Mauer abgebildet.
Gadow hat schöne Zeichnungen der verschiedeneren Mauerläufe ausgeführt und
ein eingehendes Memoir dazu verfaßt. Carl Ritter in Berlin hat die Ver-
öffentlichung des Ganzen sehr gewünscht und empfohlen. Durch Ungunst der
Zeit zunächst ist die Sache verhindert worden. Später Hai der Domherr vr.
F. Tuch, Kirchenrath und Professor der Theologie in Leipzig, die Publication
der Gadow'schen Arbeiten iM die Hand genommen, aber sie ist nie zur Aus-
führung gekommen. Jetzt sind dieselben zu Halle in der Bibliothek der deutschen
morgenländischen Gesellschaft aufbewahrt und warten dort eines andern Heraus-
gebers.
Wenn ich nun auf die verflossenen zwei Decennien zurückblicke, kann ich
nur eine lebhafte Befriedigung darüber empfinden, daß innerhalb dieser Zeit
sich so Vieler Blicke und Schritte nach der Juden, Christen und Moslimen
gleich heiligen Stätte, nach dem Tempelberge von Jerusalem, „der für die
Weltgeschichte so bedeutsam ist wie die Akropolis zu Athen und das Capitol
in Rom", gerichtet haben, eine schöne Befriedigung über den edeln Rangstreit,
den Angehörige verschiedener Nationen und Confessionen in Betreff genauerer
Erforschung dieser Stätte an den Tag gelegt haben.
Es möge mir nun gestattet sein, in diesen Blättern darüber eine Ueber-
ficht zu liefern, was in jüngster Zeit sowohl von Reisenden oder Augenzeugen
als von Gelehrten für die topographische Aufhellung des Haram nach außen,
innen und unten hin geleistet worden ist: denn in Folge des Krimkrieges
haben sich die bis dahin für Nichtmuhammedaner fast gänzlich verschlossen ge-
wesenen innern und untern Räume dieser heil. Stätte zu öffnen begonnen, ist
es möglich geworden, ohne sich besondern Gefahren auszusetzen, wie das bei
den Untersuchungen Tippings im Jahr 1842, T. Toblers im Jahr 1845 und
Barclays im Jahr 1854 der Fall gewesen war, nach verschiedenen Seiten hin
eingehendere Forschungen anzustellen, freilich noch lange nicht in genügender
Weise.
Es ist von dem Engländer James Fergusson auszugehen, welcher in dem
Jahr 1847 zu London eine Schrift mit dem Titel on tlls aiwisnt
ob llorusalsui" herausgegeben und welcher achtzehn Jahre darauf
seine Untersuchungen des Tempelplatzes an Ort und Stelle ergänzt hat.
I. Fergusson hatte bei seinem Aufenthalt in Indien, woselbst er als Kauf-
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