Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 24.1882

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Ich habe, als in dem letzten Sommer der Harzvcrein für Geschichte nnd
Altertumskunde seine Versammlung in Bernburg abhielt, denjenigen Mitgliedern
des Vereins, welche die Kirche zu Waldau mit mir in Augenschein nahmen, meine
Vermutung, daß dieselbe bis ins zehnte Jahrhundert zurückreiche, auseinander-
gesetzt und habe mich bei allen der Billigung dieser Ansicht zu erfreuen gehabt;
es ist diese meine Ansicht auch iu den Bericht übergegangen, welcher von einem
der Vcreinsmitglieder an die Magdeburgische Zeitung gesandt wurde.
Ich habe daher zum Schluß nur noch den Wunsch auszusprcchen, daß meine
Ausführung auch in weiteren Kreisen der Forscher Billigung finden möge.

Chronik.
Unions-Denkmal. Im I. 1818 hat sich in der Stiftskirche zu Kaiserslautern
die Union der bis dahin getrennt gewesenen, ja sich vielfach feindselig einander gegen-
überstehenden Lutheraner und Reformierten feierlich vollzogen. Im Jahr 1875 wurde
beschlossen, die Erinnerung an diesen Akt durch ein Denkmal in Marmor zu verewigen. Prof.
Konrad Knoll zu München wurde mit der Ausführung beauftragt. Er ist, wie man vernimmt,
mit seiner Ausgabe bereits soweit vorgeschritten, daß man daran denken kann, das Denkmal
schon in der ersten Hälfte dieses Jahres an seinem Bestimmungsort, in der unlängst restau-
rierten Stiftskirche zu Kaiserslautern, anfznstellcn. Der Ausbau des Monumentes gliedert
sich folgendermaßen: Als Hanptrepräsentanten nnd Begründer der evangelischen Kirche schmücken
das Denkmal an den beiden abgestumpften Ecken auf vorspringenden Sockeln die Statuen
Luthers nnd Calvins. Zwischen diesen beiden sind an der Vorder- nnd Flachseite in entsprechender
Gruppierung die Medaillons Ulrich Zwinglis nnd Martin Bncers, über diesen aber Philipp
Melanchthon angebracht. Zwischen diesen Reformatoren zieren die Städtcwappen von Zwei
brücken und Neustadt a. d. Haardt, ferner von Speyerl nnd Kaiserslautern, sowie am Sockel
das pfälzische nnd das bayrische Wappen, mit Eichenlaub umwunden, die architektonischen
Nachfelder. Das Denkmal wird von dem Genius des Friedens bekrönt. In der Linken hält
er einen Kelch, nut der Rechten senkt er über ihn eine Palme, um hierdurch symbolisch den
Religionsfrieden und die Einigung iu der AbeuLmahlslchre auszudrückeu. Zu seinen Füßen
liegt ein Elchenkranz mit gekreuzten Palmen. Die beiden Seitenflächen deS Gesamtdenkmals
zeigen die Medaillons Ulrichs von Hutten nnd Franz' von Sickingen mit den; Wappen beider
Ritter in den Sockelfüllnngen, dann den deutschen Reichsadler nnd das Wappen der Feste
„Ebernbnrg," znbenannt „die Herberge der Gerechtigkeit." In dieser uralten Ritterburg ver-
sammelten sich ja einstmals die ersten Anhänger der lutherischen Lehre, nm durch Wort wie
Schrift von dort ans die Verbreitung derselben in der Pfalz thatkräftig zu fördern. Die
Inschrift lautet: „Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber alle seid Brüder."
Matth. 28, 8. „Zur Erinnerung an die Union der Lutheraner nnd Reformierten 1818."
Inhalt: Der alte Kirchbrnnncn in Heilbronn. Mit Holzschnitt. — Studien über den altchrist-
lichcn Bilderkreis. Bon Victor Schultze. Mit Holzschnitt. — Die Kirchen der Bettel-
orden in Deutschland. (Schluß.) — Die Kirche zu Waldau. (Schluß.) — Chronik.
Verantwortliche Redaktion: Prälat 0r. H. Mrrz iu Stuttgart.
Druck und Verlag von Ä. F. Ztrinkopf iu Stuttgart.
—E Das Kunst-Institut für Kirchen-Einrichtung von Paul Mchlmann,
Berlin ^., Müllcrstr. 4, Hofkunsthandlung, empfiehlt Kirchcnkronleuchter,
Altargeräte in Alfvnide, Silber, Bronze rc., Altarbeklcidungc», Ornate:c.
Für gemachte Lieferungen liegen viele Anerkennungsschreiben vor, auch ist
das Institut von der Königs. Negierung, Abtheil. für Kirchen- und Schul-
empfohlen. Illustriertes Preisverzeichnis kranao.
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