Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule u. Haus — 24.1882

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Bundsandsteinblock gehauenen, das Hochschiff tragenden Wnrfelknaufsäulcn wächst
die Wirkung stetig bis hinauf zur neu eingezogenen, in Farben schimmernden,
bei der Durchkreuzung von Lang- und Querschiss mit ernsten figürlichen Male-
reien durch Prof. Kolb in Stuttgart geschmückten geraden Holzbalkendecke. Da-
zwischen sind an den Lang- und Querwänden die Wappen der Stifter, Wohl-
thätcr und Schirmherren des Klosters aufgemalt und die vielen Rundbogen-
fenster alte in ihren Scheiben mit funkelnden Blätterreihcn gesäumt, so daß jetzt
eine wohlthuende, den geläuterten Formen genau sich anschmiegmde Farben-
behandlung das Ganze beherrscht. Die kraftvollen Füße der Säulen, durch die
frühere Stuhlung ganz verdeckt, wurden durch die neue wieder frei und das
Stuhlwcrk selbst einem in der Kirche noch vorhandenen, aus der romanischen
Zeit stammenden Muster, vielleicht dem einzigen in Deutschland, nackgebildet
und ebenso Kanzel, Altar und Taufstein, dem Stil des Ganzen entsprechend,
neu «»gefertigt. — Auch kamen bei der Restauration in der mittleren ^er drei
Krypten noch gut erhaltene romanische Deckenmalereien (außer denen in Klein-
komburg bis jetzt die einzigen in Württemberg) zum Vorschein, die von Prof.
Kolb wiederhergestellt wurden, desgleichen an der Nordwand der schönen, im
Maulbronner Übergangsstil erbauten Sakristei interessante srühgotische Mcilereien.
Diesen, einem Berichte des Landeskonservators Pros. Dr. Paulus entnommenen
Worten sei beigesügt, daß der Gemeinde zu Erhöhung ihrer Freude an dem ihr
neugeschcnkten Gotteshause vom Verein für christliche Kunst auch zu einem neuen
ehernen Kreuzbild auf den neuen Altar und zu Paramenten in den drei litur-
gischen Hauptfarben nebst einem schön gestickten Antipendium geholfen worden ist.

Chronik.
Restauration. In Konstanz hat sich ein Miinsterbauvercin gebildet, welcher sich eine
durchgreifende Wiederherstellung des Münsters, zunächst der 16 Scitcnkapellen, znr Aufgabe
gemacht hat.
Nachdem das Innere des Domes in Naumburg bereits im Jahr 1878 wicderhergcstcllt
wordeu ist, soll nun auch das Äußere samt den Türmen, Krypten und Krcnzgäugen wieder-
hergcstellt werden. Zunächst wird mit dem Aufbau des fehlenden vierten großen Westtnrms
der Anfang gemacht werden. Die Pläne hat Bauinspcktor Werner in Naumburg ausgearbeitet.
Ärnstmalcr. Die Vorhalle des alten Museums in Berlin ist nach einem Plane des Königs
Friedrich Wilhelm IV. dazu bestimmt, allmählich eine Reihe von überlebensgroßen Marmorstatucn
deutscher Künstler und Kuustforscher von dem Ausgange des vorigen Jahrhunderts ab aufzunchmcn,
ähnlich etwa wie die Nischen im Gange der Uffizien zu Florenz nut den Standbildern be-
rühmter Italiener geschmückt sind. Bisher sind in der berühmten Schinkel'schen Säulenhalle
die Statuen des Erbauers des Museums, also Schinkels selbst, des Bildhauers Gottfried Scha-
den), Winkelmauus, des Vaters der antiken Kunstgeschichte, ferner des Bildhauers Ranch und
des Archäologen Otfried Müller ausgestellt worden. Am 25. Oktober 1881 ist das Standbild
v. Corn eins dazu gekommen. Es ist von dem talentvollen Bildhauer Calandrelli in karrarischem
Marmor vorzüglich ausgeführt und hinsichtlich der Porträtähnlichkcit wie des geistigen Ausdrucks
und ihrer monumentalen Gcsamtauffassung ein Meisterwerk der modernen Plastik nennen.
Inhalt: Die süufnudzwanzigjährige Wirksamkeit des Vereins für christliche Knust in der evan-
gelischen Kirche Württembergs. (Mit Holzschnitt.) — Statuten des Vereins für christliche
Knust in der evangelischen Kirche Württembergs. — Die Wiederherstellung der Kirche zu
Alpirsbach. — Chronik.
Verantwortliche Redaktion: Prälat Or. H. Mer; in Stuttgart.
Druck und Verlag von I. F. Ztrinlropf in Stuttgart.
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