Chronik der Stadt Heidelberg — 21.1913 (1915)

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Die Garrenftadtbewegung ist ein Stück der allgememen Woh-
nungsfürsorge. Wenn jetzt Mannheim mil einer Denkschrist:
„25 Jahre Wohnungsaussicht in Mannheim" hervorgetrelen ist, so
durste Bürgermeister Walz darauf hinweisen, daß Heidelberg diese
Fürsorge schon viel früher geübt und durch gütlichen Zuspruch in
vielen Hunderten von Fällen Mißstände befeitigt hat.

Der Mietekverein wie der Hausbesitzerverein haben ihre Tätig-
keit in bisheriger Weise sortgesetzt. Beide Vereine haben in gemein-
samer Arbeit unter Mitwirkung der Stadtbehörde ein Mietver-
tragsformular hergestellt, das freilich manchen Mietern nur An-
laß geworden ist, sich von den dort getroffenen Bestimmungen eigen-
willig zu befreien, soweit dieselben das Necht des Vermieters ge-
wahrt haben. Der Mitgliederstand deS MietervereinL belief sich auf
669. Die Gcschästsstelle konnte in 149 Streitsällen vermittelnd ein-
greifen, und 122 Fälle durch Vermittlung erledigcn, von 21 gericht-
lich anhängigen Fällen wurden 11 zu Gunsten der Mieter, 10 zu
ihren Ungunsien entschieden. Jm übrigen hofft der Verein, die Miet-
preise weiter herabzudrücken. An das Ministerium des Jnnern und
die beiden Landstände richtete der Mielerverein gemeinsam mit den
Vereinen von vier anderen Städten ein Gesuch, bei ev. Unterstützung
des Gesuchs der Hausbesitzer um zweite Hypotheken diese nur zu ge-
währen, wenn der Staat auf die Vermietung einen gewiffen Ein-
fluß auSübe. Die Darstellung des Mieters als des mirtschaftlich
Schwachen und Abhängigen, deS Vermieters als deS nicht schutz-
bedürftigen BesitzerS nahm freilich von den bestehenden Verhältniffen
des WohnungSmarktes nicht auSreichend Notiz und dachte nicht an
die Wirkung von Angebot und Nachsrage aus diesem Gebiete.
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