Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Der Cicerone

Heft 9

wissenschaftlichen Direktors ist nunmehr Com-
mendatore Älfonso Sparagna zum leitenden
Beamten des Neapler Museums und der Aus-
grabungen von Pompeji ernannt worden. L. P.

S

WEIMÄR '. .---

Mit der Ernennung des Geheimen Regierungs-
rates Dr.Wolfgang v. Oettingen zumDirek-
tor des Goethe-Nationalmuseums ist die
Personenfrage in der Leitung der Weimarer
Museen, die bisher unter Hofrat Koetschau ver-
einigt waren, endgültig entschieden. Demnäch
behält Baron von derGabelentz-Linsingen,
früher Privatdozent in München, die Leitung der
beiden anderen Museen für Kunst und Kunst-
gewerbe in seinen Händen, nachdem er sie bis-
her kommissarisch verwaltet hat.

VERMISCHTES

Brüssel, ln belgischenKünstlerkreisen herrscht
große Unzufriedenheit mit dem Plane des Ministers
Descamps, die Kunstabteilung der im näch-
sten Jahre hier stattfindenden Weltausstel-
lung nicht auf dem Terrain derselben unter-
zubringen, sondern in den Räumen des
Cinquantenaire-Museums. Dieses befindet
sich an der Peripherie der Stadt und ist leicht
per Tram zu erreichen. Der Kunstfreund würde
vielleicht lieber im Cimquantenaire, abseits vom
Jahrmarktstrubel der Ausstellung Bilder und
Skulpturen in Ruhe besiclitigen. Die Künstler
befürchten aber von der räumlichen Trennung
ihrer Arbeiten von dem Äusstellungspark eine
Vernachlässigung durch das Publikum und eine
verminderte Kauflust desselben. Sie haben daher
einen Protest erlassen, beziehen sich auf die
Präcadenze der großen Ausstellungen von 1894
in Antwerpen, 1897 hier und 1905 in Lüttich,
wo sie großen Absatz gefunden haben und be-
stehen auf Überweisung der erforderlichen
Hallen auf dem Gebäude der Weltausstellung,
damit das Publikum die Kunstwerke dort vor-
finde. An der Lösung dieser Frage haben
schließlich auch die ausländischen Künstler,
welche hier ausstellen, ein lebhaftes Interesse.

F. M.

Die Münchener Akademie der bilden-
den Künste wird in Anwesenheit des ge-

samten Hofes am 12. und 13. Mai die Feier ihres
hundertjährigen Bestehens durch eine öffentliche
Jubiläumsfeier im Odeon begehen, bei welcher
der Sekretär der Akademie, der Maler Professor
Eugen von Stieler die Festrede halten wird.
Daran schließt sich ein allgemeiner Huldigungs-
akt für den Gründer König Max Josef an. Die
Feier, zu der auch die auswärtigen Akademien
geladen werden, ist eine nachträgliche, da der
Gründungsakt'das Datum des 13. Mai 1808 trägt.

Venedig. Die gestohlene Madonna Beilinis,
die wir im letzten Heft des Cicerone abge-
bildet haben, ist noch in Venedig selbst wieder-
gefunden worden. Der Dieb wurde auf Ver-
anlassung des Türhüters des Palazzo Pesaro mit
seinen Genossen verhaftet. Das Bild ist leicht
beschädigt.

Venedig. In der Tagespresse verbreitete
sich dieser Tage die falsche Nachricht, man habe
in Malcontenta (längs dem Brentaufer, welches
nach Padua führt) Freskos von keinem geringeren
als Paolo Veronese entdeckt. Ich begab mich so-
fort nach Malcontenta in die Villa Foscari, die
schmuckvoll Palladio erbaute, und nahm den Fund
in Augenschein. Es handelt sich um Malereien,
die Zelotti schuf und welche ausführlich in
Rudolfis „Le Meraviglie deH’Ärte“ beschrieben
sind. Zelotti, der ebenfalls Schüler von Giovanni
Antonio Badile war, steht ganz auf den Schul-
tern des großen Paolo, mit dem er viel ge-
arbeitet hat. Zelotti besitzt Phantasie, Ge-
wandtheit in der Pinselführung, aber vermochte
nicht in gleichem Maße wie Veronese Grazie,
Vielseitigkeit und lebenswarmen Ausdruck seinen
Gestalten einzuhauchen. Aus den Ruinen dieser
Fresken in der verkommenen Villa Foscari
schimmert zum Teil noch ein gewisser dekora-
tiver Schwung und Duft hervor — wenig jedoch
wird zu retten sein. L. Br.

Redaktionelle Notiz. Zu der auf Seite 255
des letzten „Cicerone“ abgebildeten Heiligen
Familie von Zek, erhalten wir von Mr. Claude
Philipps die gütige Mitteilung, daß dieses Bild
eine genaue Kopie im Gegensinne des Bildes
von Watteau, Ruhe in Ägypten, sei, das sich
im Gatschina-Palast bei St. Petersburg befindet,
im Recueil de Julienne graviert wurde und
kürzlich in der Zeitschrift „Starye Gody“ ab-
gebildet worden ist.

Ebenso hat Mr. Philipps uns aufmerksam
gemacht, daß der angebliche Parmeggiano, Vision
des heiligen Antonius, unbedingt später anzu-
setzen ist und wahrscheinlich von dem Vene-
zianer Piazetta stammt.
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