Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 1.1909

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Vermischtes s Literatur

617.1

VERMISCHTES

St. Mihiel. Hier wurde soeben ein Denkmal
des dort etwa 1500 geborenen französischen Bild-
hauers Ligier Richier enthüllt. Hauptwerke
dieses lothringischen Künstlers sind das berühmte
Skelett in Bar-le-Duc, das Grabdenkmal der
Philippine von Geldern, zweiten Frau Renes II-
in -der Rundkapelle in Nancy, sowie die be-
deutende Grablegung in der Hauptkirche zu
St. Mihiel. F. M.

Brüssel. Einbrecher haben der Kirche in
Perck bei Brüssel, dem Orte, in welchem D.
Teniers das Schloß zu den drei Türmen lange
bewohnte, einen Besuch abgestattet und einige
wertvolle Kirchengeräte entwendet. In Ant-
werpen sind Bemühungen im Gange um für
den genannten daselbst 1610 geborenen Maler
eine Gedenkfeier zu veranstalten. Im nächsten
Jahre werden es 250 Jahre sein, daß die dortige
Akademie gegründet wurde. Man möchte also
die 300 jährige Geburtsfeier Teniers mit der
der Äkademiegründung kombinieren. F. M.

Brüssel. Das Wohnhaus von P. P. Rubens
in Antwerpen wird auf der hiesigen Weltaus-
stellung in Nachbildung erbaut werden. In Ant-
werpen hat sich ein Komitee gebildet, dem der
Bautenminister Delbecke, der Konservator des
Plantin-Museums Max Rooses u. a. angehören,
welche beabsiditigen, das vom Meister bewohnte
Haus in seiner ursprünglichen Form wieder
herzustellen. Der Architekt Blomme soll damit
beauftragt werden, falls die Mittel dafür auf-
gebracht sind. F. M.

Rom. Gleich den Instituten anderer Nationen
hat nun auch Italien ein archäologisches Institut in
Athen eröffnet. An seiner Spitze steht, dem
Statute nach, ein vom italienischen Unterrichts-
minister ernannter Direktor, der aus den archä-
ologischen Beamten oder Professoren der Ar-
chäologie des Königreichs gewählt wird und
nebst seinem ursprünglichen Gehalte einen Zu-
schuß von 6000 Lire erhält. Im Institute sollen
Spezialkurse für die Stipendiaten gehalten wer-
den. Diese, zwei an Zahl, erhalten je 1500 Lire
für ein Semester und werden, wie der Direktor
selbst, im Institutsgebäude wohnen, das auch
mit einer Bibliothek dotiert wird. Das Zu-
standekommen dieses italienischen Instituts geht
auf die direkte Initiative des Königs von Italien
zurück. L. P.

München. An die kgl. Hofverwaltung ist von
einer Reihe namhafter Münchner Künstler das Er-
suchen gerichtet worden, die in völlig verwahr-
lostem Zustande sich befindenden Fresken von
Rottmann in den Arkaden des kgl. Hof-
gartens restaurieren und an einer würdigeren
der Ungunst der Witterung weniger ausgesetzten
Stelle (ev. dem Korridor einer Sammlung) wieder
anbringen zu wollen.

Krakau. DerTermin des bisher resultatlos ver-
laufenen Preisausschreibens der Akademie der
Wissenschaften einer „Geschichte der Kunst in
Polen“ ist bis zum 31.Dezember dieses Jahresver-
längert worden. Die Bedingungen dieses Preis-
ausschreibens sind folgende: „Die „Geschichte
der Kunst in Polen“ muß sämtliche Provinzen
des ehemaligen Königreichs, sowie die Zeit von
der Einführung des Christentums bis zur Em-
pireepoche inkl. umfassen. Der Umfang und die
Einteilung des Werkes bleiben dem Verfasser
überlassen, der nicht verpflichtet ist, Photo-
graphien und Zeichnungen vorzustellen. Das
Werk soll eine Synthese der bisherigen Vor-
studien auf diesem Gebiet bilden; selbständige
Forschungen sind nicht obligatorisch. Der Preis
beträgt 1000 Rubel. P. E.

Paris. Ein Missetäter hat am 9. September im
Louvre das Bildnis Heinrich II. von Montmorency
von den Gebrüdern Lenain mit einem Taschen-
messer zerschnitten. Das Bild ist teilweise zer-
kratzt worden. Die Äugen wurden durchstochen
und der Hals zweimal durchschnitten. Der Atten-
täter, ein 22jähriger, stellungsloser Spezereige-
hilfe, wurde verhaftet.

Diessen am Ammersee. Die berühmten
Schätze des Ottilienklosters in Diessen sollen
in ähnlicher Weise wie dies bereits in Kloster
Andechs geschehen ist, in einem eigenen
Museum gesammelt und zugänglich gemacht
werden. Das große Altarbild von Tiepolo, zu
dem kürzlich die Studie in venezianischem
Privatbesitz gefunden wurde, wird in der Stifts-
kirche verbleiben.

LITERATUR

Vom Jahrbuch der bremischen Sammlungen
(Verlag Franz Leuwer, Bremen) erschien kürz-
lich der zweite Halbband des 2. Jahrgangs. Er
enthält Beiträge von H. Smidt (über die Technik
des japanischen Holzschnittes), von E. Waldmann
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