Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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an den Anfang vom Ende: mir will fcl)einen, daß Kunft, troß allem was Kunft und
damit zeitbedingt an ißr ift, unfterblicß ift. Denn ganz abgefeßen davon, daß es
immer wieder Menfcßen geben wird, deren pfycßifcße Konftitution zur Entlaftung im
ÜJerk zwingt, die oßne diefe Selbftobjektivierung nicßt leben können: Kunft ift Deutung
der Kielt, und zwar eine Deutung, deren Bereich) über den des Klorts immer noch)
etwas ßinausgreift in Regionen einer immer weiter vorgetriebenen Myftik. (Heit und
Leben aber find nicßt nur dem Rational-Vernünftigen, dem Realen verbunden, fondern
auch dem Craum — und jeder Eraum will Löfung oder löfende Verfeftigung. Die
Menfcßßeit ßeute ift müde der Realität, der fie ficß ein Jaßrßundert faft allein ßin-
gegeben ßat —- mit dem Ergebnis diefes Krieges: fie wird nie müde werden, dem
zu laufcßen, der einen neuen Sinn aus dem bunten Dunkel diefes Lebens, fei es im
(Hort, fei es im Bild, zu lefen weiß. Sie läßt ßeute den Land verßoffener Jaßr-
ßunderte nicßt einmal meßr unwillig faßren, fondern wirft ißn bereitwillig fort: fie
wird ebenfo bereitwillig wieder zugreifen, fobald erft einmal der gekommen fein wird,
„der reicß genug, ißr F)ößeres zu bieten“.



Franz Marc. Pferde.
pagen, Folkwang-Mufeum.

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