Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

Seite: 130
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Von Künftlern und Gelehrten — Alte und neue Graphik

pch Delacroix und Renoir eher nähern könnte
als der Abftraktion. Man ift verfudjt, ihn mit
Cafpar zu vergleichen, wo dann feine größere
Mannigfaltigkeit und kräftigere Sinnlichkeit
durchaus zu feinen Gunften entfcheidet. Es ift
auch gar nicht nötig, daß jeder Künftler heute
„expreffioniftifch“ malen muß. Der pfychifche
3wiefpalt zwifdjen dem Aus drucks willen und
ererbter Formeinftellung ift bei hofer zweifellos
fchwerer; ihm wünfdpte man die Qual durch
eine tüchtige Dofis kubiftifcßen Serums abzu-
kürzen. s.
München
Im Oberlichtfaal der Modernen Galerie
Channhaufer ift foeben eine Ausftellung von
Plaftiken des Bildhauers C. C. Pilart^ und Ge-
mälden von Frau C. E. Pilarß-Ruh eröffnet,
die bis 13. Februar dauern wird. Neu ausgeftellt
pnd ferner Bilder von Franz Marx, München
fowie im Graphifchen Kabinett eine Kollektion
3eichnungen von Paul holz, Stettin.
Von Künftlern und
Gelehrten
Fri^ Auguft v. Kaulbach
ftarb pebzigjährig in München. Geboren am
2. Juni 1850 in fjannover als Sohn des hannover-
fdßen Hofmalers Friedrich Kaulbach, der fein
erfter Lehrer war, kam auch er verhältnismäßig
früh nach München, wo er, wie fein Großonkel
QQilhelm v. Kaulbach, Akademiedirektor wurde.
Dies Ämt legte er aber bereits 1888 nieder. Aus
der Gefd)id)te der Münchner Kunft ift Kaulbachs
Cüerk ebenfowenig zu ftreichen wie das eines
GQilhelm Diez, Lenbach, Oberländer u. a. Für
die Kunftgefchichte der Völker dagegen wird
kaum mehr von ihm übrigbleiben als jene
wenigen Frühwerke, die noch heute beklagen
laffen, wie auch diefes ftarke Calent der Münchner
„Luft“ zum Opfer pel. n.
Prof. Dr. (Haeholdt
bisher Ordinarius für Kunftgefchichte an der
üniverfität halle, hat foeben eine Berufung als
Vortragender Rat in das preußifche Kultusminifte-
rium angenommen und infolgedeffen feine Lehr-
tätigkeit endgültig aufgegeben.
So fchmerzlich hake und die deutfche ttliffen-
fd)aft im großen den ttleggang diefes ausge-
zeichneten Lehrers emppnden muß, fo hoffnungs-
voll ftimmt doch die Catfache als folche, da nun
an verantwortlicher Stelle endlich mal ein Mann
fitjt, der mit der Überzeugung feiner Perfönlich-
keit dem Geifte diefer neuen Seit dienen wird.

Dr. Burkhard Meier
vor dem Kriege Affiftent am Landesmufeum zu
Münfter, der Sohn des Braunfehweiger Mufeums-
direktors, ift nach Rückkehr aus der englifdpen
Gefangenfdpaft zum Nachfolger Sauerlandts als
Direktor des Mufeums in der Moriljburg zu
halle a. S. ernannt worden.
Artur Degner
ift als Lehrer an die ftaatliche Kunftakademie
Königsberg berufen worden. Der Künftler, der
in Berlin der Freien Sezefpon angehörte, machte
durch feine ernften, von modernem Geift ge-
tragenen Klerke bereits feit längerer 3ßit einen
größeren Kreis von Kunftfreunden auf pch auf-
merkfam. Er kehrt jetjt infolge eines ttlunfches
der Königsberger Akademiefchüler in feine hei-
mat als Führer an die Stätte zurück, die ihn
während feiner dortigen Lernzeit geßiffentlid)
überfah und zu großem Ceil noch jeljt den
Äußerungen feiner ftarken Perfönlichkeit ver-
ftändnislos gegenüberfteht. hoffentlich werden
nun aber durch diefe ofpzielle Anerkennung eines
modernen Künftlers auch im Often der fort-
fchreitenden Kunftentwicklung günftigere Cüege
bereitet. B. öü. R.
Prof, ßaueifen
der bekannte Maler und Graphiker ift vom
Lehrerkollegium der Karlsruher Akademie zum
Direktor gewählt worden.
Berlin
Max Pech ft ein, der in den Vorftand der
Freien Sezeffion gewählt worden ift, ift aus der
„Novembergruppe“ ausgefchieden.
Alte und neue Graphik
Unter Leitung von
Dr. Karl Schwarz, Berlin Ul. 30,
Äfd)affenburger Str. 20.
Mappenwerke
Moloch, 6 Originalradierungen aus dem rhei-
nischen Industriegebiet. Mit Versen von Carl
Rob. Schmidt. 60 Exemplare zu M. 240.—.
Verlag Friedrich Dehne, Leipzig.
Sechs Radierungen von Ed. Doller f<heil find
in einer Mappe unter dem Eitel „Moloch“ ver-
einigt und verfinnbildlichen den Erlebnisraufd),
der denKünßler bei der Betrachtung gigantifcher
Bauwerke, die von der fdjaffenden Energie des
Menfchenhirnes zeugen, zu gewaltigen Phantapen
hinreißt, in denen pch die durch Menfchenkraft zu
häufern, hallen, Cürmen und Viadukten ge-
formten Steinmaffen zu Qngetümen voller Eigen-

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