Die ßeit und der Markt
Kun ft politik
KunftpjMege in f)aiie
Ein Fall von grundfäßlicher Bedeutung
Die jüngft durch) die Cagespreffe gegangenen
Nachrichten über das Städtifche Mufeum erfahren
jeßt ihre Betätigung. Der Magistrat bat tat-
fäd)lid) in einer feiner letzten Sißungen nicht
nur den Mufeumsetat faft vollftändig geftrich en,
fondern auch) befcbloffen, die Stelle des Mu-
feumsleiters mit dem 1. Februar des Jahres ein-
geben zu laffen. An diefcm Cermin läuft der
Vertrag ab, den der Magiftrat mit Fjerrn Dr.
Burkbard Meier probeweife auf ein Jabr ab-
gefcbloffen batte. Diefes Vorgeben des Ma-
giftrats erfcbeint als ein Ereignis von fo erbeb-
lieber allgemeiner Bedeutung für alle an der
geiftigen gukunft unferes materiell zufammen-
gebroebenen Volkes intereffierten Kreife, daß
feine öffentliche Erörterung zur Pflicht wird. Der
Mufeumsetat der Stadt, in F)öbe von ca. 83000M.,
muß im Verhältnis zu den fonftigen Aufwen-
dungen der Stadt für Kulturzwecke als durchaus
unerheblich bezeichnet werden. Aber felbft wenn
man ficb dazu entfebloß, keine Aufwendungen
meßr für Neuanfcßaffungen zu machen, hätte
man es ficb immer noch febr überlegen müffen,
ob es ratfam febien, die Stelle des Mufeums-
leiters zu ftreicben, dem es wie Fjerrn Dr. Meier
troß der Kürze feines Fjierfeins gelungen war,
weite Kreife der Bevölkerung für die giele des
Mufeums und der Mufeumsgefellfcbaft zu inter-
effieren, und der mit der erheblichen Mitglieder-
vermebrung der leßteren die Möglichkeit ge-
febaffen batte, auch ohne ftädtifebe gufcßüffe
den Ausbau des Mufeums weiter zu betreiben.
Fjierin liegt zweifellos eine auffallende Kurz-
fiebtigkeit des Magiftrats. Man hört zwar, daß
das Mufeum der Öj^entlicbkeit weiter zugäng-
lich bleiben wird, und auch die Stelle des Lei-
ters foll durch einen Fjerrn aus Laienkreifen im
Nebenamte verfeben werden. Es kann aber
natürlich keinem gweifel unterliegen, daß mit
dem Verfcbwinden einer für das Gedeihen des
Mufeums ficb voll verantwortlich fühlenden Per-
fönlichkeit das Mufeum notwendig Schaden
leiden muß. Ferner würde das dank der hin-
gebenden Arbeit erft Sauerlandts und dann
Burkhard Meiers erfreulich erwachte Intereffe
des FjaHifcßen Publikums an den Sammlungen
wieder ganz einfchlafen. Im Nebenamt kann
ein Mufeum von der Größe und Bedeutung des
Fjallifcben nicht geleitet werden, weil es nun
einmal die vollftändige Arbeitskraft eines Fach-
mannes erfordert. Der Beweis dafür ift fa in
Fjalle zur Genüge erbracht, wie alle intereffierten
Kreife wiffen und wie auch in Äußerungen der
Lokalpreffe zum Ausdruck kommt. Mit einem
leichten Grufeln denkt man an die geit vor
Sauerlandts (Dirken zurück. Dagegen ift noch
in lebhafter Erinnerung, wie dann plößlich durch
feine Kennerfcbaft und Catkraft die Sammlungen
einen bedeutenden Auffcbwung erlebten. Mit
der gleichen Catkraft und Umficht hat pcb dann
nach dem kurzen Interregnum nach Sauerlandts
Fortgang Dr. Meier dem Ausbau des Mufeums
gewidmet. Seine Neueinrichtung der beiden
mittelalterlichen Räume fowie des Rokoko- und
Biedermeierzimmers und feine Erwerbung neuer
und alter Kunftwerke, ganz zuleßt noch eines
wundervollen Fayencekruzißxus aus Dorotheen-
thal bewiefen — nach anfänglich vielleicht zu
bemerkender leifer Unficberbeit — daß er wohl
der rechte Mann war, um das fo hoffnungsvoll
begonnene (Uerk weiter fortzuführen. Er hatte
dabei mit ftarken und, wie gefagt werden muß,
unberechtigten (Uiderftänden zu kämpfen, die
leider nicht nur aus Laienkreifen kamen.
Bei der Bedeutung, die das Fjallifcbe Mufeum
febon jeßt unter den deutfeben Sammlungen
befißt, muß es unbegreiflich erfebeinen, wie die
Verantwortlichen stellen den Abbau derftädtifchen
Ausgaben gerade an einem Inftitut vornehmen
konnten, das ebenfo wie die unter Paul Ctüerfcbs
Leitung fo erfreulich aufblühende Kunftgewerbe-
fchule zu einem Ruhmestitel der Stadt geworden
war. Man follte aber meinen, daß die Leitung
eines fo großen Gemeinwefens auch noch andere
allgemeinere Geficbtspunkte beobachten müßte.
Es muß ja doch leider befürchtet werden, daß
das böfe kulturfeindliche Beifpiel, das Fjalle troß
eindringlicher (Uarnung von berufener Seite nun
einmal gegeben hat, ermunternd auf andere
Städte wirken könnte, die vielleicht nur auf
diefen Anftoß gewartet haben, um ihren bisher
noch febambaft verborgen gehaltenen ähnlichen
(Günfcßen freien Lauf zu laffen. (Denn das
Gefühl der Verantwortlichkeit für Pflege und
Erhaltung der idealen (Gerte des Volkes derart
im Schwinden begriffen ift, fo liegt allerdings
nichts näher, als mit pnanziellen Abftricben da
zu beginnen, wo die verhängnisvollen Folgen
nicht fofort in die Erfcbeinung treten. Es ent-
fpräcbe dem je^t fo beliebten Brauch, Medizinen
zu verfchreiben, wo nur eine Operation helfen
könnte. Da es in Fjalle nach den bekannt ge-
wordenen Nachrichten für eine Änderung des
58
Kun ft politik
KunftpjMege in f)aiie
Ein Fall von grundfäßlicher Bedeutung
Die jüngft durch) die Cagespreffe gegangenen
Nachrichten über das Städtifche Mufeum erfahren
jeßt ihre Betätigung. Der Magistrat bat tat-
fäd)lid) in einer feiner letzten Sißungen nicht
nur den Mufeumsetat faft vollftändig geftrich en,
fondern auch) befcbloffen, die Stelle des Mu-
feumsleiters mit dem 1. Februar des Jahres ein-
geben zu laffen. An diefcm Cermin läuft der
Vertrag ab, den der Magiftrat mit Fjerrn Dr.
Burkbard Meier probeweife auf ein Jabr ab-
gefcbloffen batte. Diefes Vorgeben des Ma-
giftrats erfcbeint als ein Ereignis von fo erbeb-
lieber allgemeiner Bedeutung für alle an der
geiftigen gukunft unferes materiell zufammen-
gebroebenen Volkes intereffierten Kreife, daß
feine öffentliche Erörterung zur Pflicht wird. Der
Mufeumsetat der Stadt, in F)öbe von ca. 83000M.,
muß im Verhältnis zu den fonftigen Aufwen-
dungen der Stadt für Kulturzwecke als durchaus
unerheblich bezeichnet werden. Aber felbft wenn
man ficb dazu entfebloß, keine Aufwendungen
meßr für Neuanfcßaffungen zu machen, hätte
man es ficb immer noch febr überlegen müffen,
ob es ratfam febien, die Stelle des Mufeums-
leiters zu ftreicben, dem es wie Fjerrn Dr. Meier
troß der Kürze feines Fjierfeins gelungen war,
weite Kreife der Bevölkerung für die giele des
Mufeums und der Mufeumsgefellfcbaft zu inter-
effieren, und der mit der erheblichen Mitglieder-
vermebrung der leßteren die Möglichkeit ge-
febaffen batte, auch ohne ftädtifebe gufcßüffe
den Ausbau des Mufeums weiter zu betreiben.
Fjierin liegt zweifellos eine auffallende Kurz-
fiebtigkeit des Magiftrats. Man hört zwar, daß
das Mufeum der Öj^entlicbkeit weiter zugäng-
lich bleiben wird, und auch die Stelle des Lei-
ters foll durch einen Fjerrn aus Laienkreifen im
Nebenamte verfeben werden. Es kann aber
natürlich keinem gweifel unterliegen, daß mit
dem Verfcbwinden einer für das Gedeihen des
Mufeums ficb voll verantwortlich fühlenden Per-
fönlichkeit das Mufeum notwendig Schaden
leiden muß. Ferner würde das dank der hin-
gebenden Arbeit erft Sauerlandts und dann
Burkhard Meiers erfreulich erwachte Intereffe
des FjaHifcßen Publikums an den Sammlungen
wieder ganz einfchlafen. Im Nebenamt kann
ein Mufeum von der Größe und Bedeutung des
Fjallifcben nicht geleitet werden, weil es nun
einmal die vollftändige Arbeitskraft eines Fach-
mannes erfordert. Der Beweis dafür ift fa in
Fjalle zur Genüge erbracht, wie alle intereffierten
Kreife wiffen und wie auch in Äußerungen der
Lokalpreffe zum Ausdruck kommt. Mit einem
leichten Grufeln denkt man an die geit vor
Sauerlandts (Dirken zurück. Dagegen ift noch
in lebhafter Erinnerung, wie dann plößlich durch
feine Kennerfcbaft und Catkraft die Sammlungen
einen bedeutenden Auffcbwung erlebten. Mit
der gleichen Catkraft und Umficht hat pcb dann
nach dem kurzen Interregnum nach Sauerlandts
Fortgang Dr. Meier dem Ausbau des Mufeums
gewidmet. Seine Neueinrichtung der beiden
mittelalterlichen Räume fowie des Rokoko- und
Biedermeierzimmers und feine Erwerbung neuer
und alter Kunftwerke, ganz zuleßt noch eines
wundervollen Fayencekruzißxus aus Dorotheen-
thal bewiefen — nach anfänglich vielleicht zu
bemerkender leifer Unficberbeit — daß er wohl
der rechte Mann war, um das fo hoffnungsvoll
begonnene (Uerk weiter fortzuführen. Er hatte
dabei mit ftarken und, wie gefagt werden muß,
unberechtigten (Uiderftänden zu kämpfen, die
leider nicht nur aus Laienkreifen kamen.
Bei der Bedeutung, die das Fjallifcbe Mufeum
febon jeßt unter den deutfeben Sammlungen
befißt, muß es unbegreiflich erfebeinen, wie die
Verantwortlichen stellen den Abbau derftädtifchen
Ausgaben gerade an einem Inftitut vornehmen
konnten, das ebenfo wie die unter Paul Ctüerfcbs
Leitung fo erfreulich aufblühende Kunftgewerbe-
fchule zu einem Ruhmestitel der Stadt geworden
war. Man follte aber meinen, daß die Leitung
eines fo großen Gemeinwefens auch noch andere
allgemeinere Geficbtspunkte beobachten müßte.
Es muß ja doch leider befürchtet werden, daß
das böfe kulturfeindliche Beifpiel, das Fjalle troß
eindringlicher (Uarnung von berufener Seite nun
einmal gegeben hat, ermunternd auf andere
Städte wirken könnte, die vielleicht nur auf
diefen Anftoß gewartet haben, um ihren bisher
noch febambaft verborgen gehaltenen ähnlichen
(Günfcßen freien Lauf zu laffen. (Denn das
Gefühl der Verantwortlichkeit für Pflege und
Erhaltung der idealen (Gerte des Volkes derart
im Schwinden begriffen ift, fo liegt allerdings
nichts näher, als mit pnanziellen Abftricben da
zu beginnen, wo die verhängnisvollen Folgen
nicht fofort in die Erfcbeinung treten. Es ent-
fpräcbe dem je^t fo beliebten Brauch, Medizinen
zu verfchreiben, wo nur eine Operation helfen
könnte. Da es in Fjalle nach den bekannt ge-
wordenen Nachrichten für eine Änderung des
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