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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 3
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Ausstellungen
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Büchesammelwesen
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0118

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Bücherfammelwefen — Verfchiedenes

Neapel
3um erftenmal veranftaltet Neapel von Mai
bis Oktober eine nationaie Kunftausftellung, in
Verbindung mit einer Induftrie- und Gewerbe-
fchau. gahbeiche Feftlichkeiten [ind im Rahmen
die[er Ausheilung geplant. b.
Bücherfammelwefen
Ein neuer Ijamlet-Druck
Von den Meiner werken derKIeltliteratur
mit Originalgraphik, die von Dr. jur. Julius
Schröder in München herausgegeben werden
und durch Paul Graupe in Berlin zu beziehen
[ind, i[t dem erjten, Jchneii vergriffen gewefenen
Druck, den Balladen Goethes mit 34 Radierungen
von Sepp Frank, der zweite gefolgt: Shake-
fpeares Hamlet im Urtext. Prof. Schücking
in Breslau hat den der Clarendon-Ausgabe fol-
genden Uext durchgefehen, Sepp Frank hat
auch ihn mit 35 Radierungen illuftriert, wieder
einen radierten Vorfa§ mitgegeben und den
Kalbpergamenteinband entworfen, und Otto
v. gölten in Berlin und Heinrich Kletteroth in
München haben die 182 Exemplare auf ftarkem
van Gelder-Japan-Bütten gedruckt. Der Preis
eines Exemplars beträgt M. 1000.— und darf bei
den heutigen Herfteliungskoften nicht als über-
trieben bezeichnet werden; folche Drucke find
ja nicht nur Bücher als folche, fondern Kunftwerke.
Diefer Hamlet beweift in der Cat, daß die, die
ihn uns befchert haben, das Drucken als Kunft
betreiben und das rechte Verftändnis für den
ganzen Organismus eines fchönen Buches haben
und daß die durch die leider noch immer graf-
fierende Luxusdruckmanie arg gefährdete deutfche
Buchkunft doch noch FJöchftleiftungen aufweift.
Schrift, Durcharbeitung des Satzes, Verhältnis des
Sa^fpiegels zu den Rändern des Papiers, Papier
erfüllen die Forderungen, die wir an ein typo-
graphifch befriedigendes Druckwerk ftellen müf-
fen, und das rein Uypographifche bleibt ja immer
das Ausfchlaggebende für jedes fchöne Buch-
Soll Illustration die Schönheit des Buches ftei-
gern, fo darf fie kein Keil des Buches fein, fie
darf kein felbftändiges Leben führen, nicht vor-
herrfchen und dadurch ftören, fondern muß mit-
wirken, mit Schrift und Sa§ harmonifct) zu-
fammengehen. Das hat Sepp Frank erreicht,
noch hervorragender als in feiner Illuftrierung
der Balladen Goethes. Schon daß er fich in der
3at)l befchränkt hat, und die 35 Radierungen
fich auf 145 Seiten verteilen und höchftens den
Raum einer halben Seite einnehmen; nur der
monumental wirkende Bildtitel füllt eine ganze
Seite. Diefe Radierungen drängen fich nicht vor,

ftören daher den Lefer nicht und bewahren durch
ihre Flächigkeit immer den Buchcharakter. Klo
Sepp Frank eine Szene illuftriert, die jeder Lefer
fich fchon felbft durch eigene Vorftellung deut-
lich macht, da vertieft er dennoch diefe Vor-
ftellung. Daß er aber daneben auch außerhalb
der Szene liegende Vorgänge, die fich der Lefer
nicht ohne weiteres felbft vorftellt, bildlich zeigt,
an ein gelegentliches Klort anknüpft und jedem
Akte eine feinen Hauptkern erfaffende Radierung
voranfe^t, beweift fein richtiges Gefühl für das
wahre Kiefen der Buchilluftration, die die Phan-
tafie des Lefers befruchten foll. Und immer
bleiben diefe Hluftrationen in ihrer Uechnik und
in ihrer Einfügung in die Seite rein dekorative
gutaten, die nicht den Genuß an der Dichtung
(das wäre gerade beim Hamlet ein kühnes Unter-
fangen!), fondern die Freude am Buche erhöhen
wollen, nicht anders als die allegorifchen 3ier-
ftücke am Kopfe jeder Seite, die ich übrigens in
ihrer Linienführung als die Einheit des Seiten-
bildes ftörend empfinde, oder der radierte Vor-
fah, der die Perfonen friesartig vorführt.
ln diefesBuch kann fich nicht nur derBücher-
fammler von heute, der in erfter Linie Freude
am Äußeren hat, andächtig verfenken, fondern
auch der Bücherfammler von früher, der mit
ftofflichem und wiffenfchaftlichem Intereffe auf
das Innere fieht. Eine der hervorragenden
Schöpfungen menfchüchen Geiftes wird ihm in
einer fchönen Form neu gefchenkt, die ein Aus-
druck unferer 3eit ift.
Ich möchte nicht in den Verdacht kommen,
nur loben zu wollen, und daher mein Bedauern
darüber nicht unterdrücken, daß der Heraus-
geber, der die Aufgaben der Buchkunft doch
meiftert, auch diefen Druck in noch zwei teue-
reren Ausgaben in den Handel gebracht hat
(M. 1500.— und M. 3250.—), in denen lediglich
das äußerliche Drum und Dran gewaltfam ge-
fteigert ift. Diefe Unfitte der Übertreibungen
kann nur ausgerottet werden, wenn auch der
Verleger immer ein wahrer Bücherfreund bleibt
und fich zu vornehm dünkt, um auf die Neigungen
der neuen Afterbibliophilen zu fpekulieren.
Minde-Pouet.
Verfchiedenes
DerDieb[tal)l einesangeblid)en
Rembrandt
Seit einigen Klochen gehen durch die Leitungen
Notizen über den Diebftahl einer Landfchaft Rem-
brandts, die Herrn Hekfcher in Hamburg gehörte
und aus dem Befi§ des Prinzen Saim Klittgenftein
ftammen foll. Von der Polizei ift eine Belohnung

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