Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921
Cite this page
Please cite this page by using the following URL/DOI:
https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0192
DOI issue:
Heft 5
DOI article:Verschiedenes
DOI article:Der Kunstmarkt
DOI Page / Citation link:https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0192
Verfchiedenes — Bevorftei)ende Verweigerungen
erft wieder befißt, wird er an vornehm-feftlichem
Repräfentationscharakter feinesgleichen fuchen.
Über den Pilaftern läuft ein Fries in Biau und
Goid, darin die Imperatorenbildniffe. Ein drei-
teiiiges Lravertingebälk bildet den oberen Ab-
fchluß. Eine fpäteregeit, die von der gemaiten
Architektur nichts wußte, hat das Gebäik an
einigen Stellen tief eingefchnitten, um die langen
Querbalken des Dachftuhis darin zu verankern.
Mit großer Mühe muffen diefe Querbalken jeßt
wieder gehoben und das Cravertingebälk ergänzt
werden. Eine einfache Kaffettendecke, wie in
der zum Palazzo di Venezia gehörigen Kirche
S. Marco foli fich der ruhig großen Ulirkung des
Raumes einfügen.
Ulelcper geit entftammt nun diefe Dekoration,
die fich fo rein römifch und antik gebärdet? Sie
muß einer Generation angehören, in der die
Leidenfchaft für die Antike zur Manier wurde,
in der die antiquarifche Gelehrfamkeit in höchfter
Blüte ftand. Beweis dafür ift ein Pilafterkapitäl
an der Mitte der Fjauptwand, das halb zerbrochen
gemalt ift. Vielleicht war ein folches Bruchftück
der wirkliche Fund an einer berühmten Stätte
und gab das Vorbild all diefer gemalten Kapitäle.
Als Meifter diefer Architekturmalereien aber
kommt kein geringerer in Betracht als Bramante,
der in Rom bekanntlich zunächft als Maler be-
fchäftigt war und dieSala regia kurz nach 1500,
wahrscheinlich 1503, ausmalte. Unter der Re-
gierung des Roverepapftes Julius 11. (1503—13)
bewohnte den Paiaft fein Neffe Galeotto diRovere,
der als Auftraggeber in Betracht kommt. Diefem
wurde im März 1504 im Vatikan der Purpur ver-
liehen, worauf er in Begleitung von 25 Kardi-
nälen, des kaiferlichen und des venezianifchen
Gefandten feierlich in den Paiaft einzog (vgl.
Dvorak. Dengel, Egger a. a. O. S. 89). Man möchte
gern annehmen, daß die Ausmalung des Saales
durch Bramante zu diefem feftlichen Lermin fo-
eben beendet war. Gerftenberg.
George Grosz / Marie Laurencin
Die Uliedergabe der in FJ^ft ^ diefer geit-
fcbrift zu dem Auffaß von Ulilli Ulolfradt ab-
gebildeten Ulerke von George Grosz erfolgte
mit Genehmigung von Sans Golß, München,
dem ausfchließlichen Vertreter des Künftiers. —
DieReproduktionsgenehmigung der in diefem FJeft
gezeigten Laurencin-Bilder erteilte Alfred
Flechtheim, Düffeldorf.
Der Kun ft markt
Bevorfteßende Verweigerungen
Beriin
Am 14. März und an den folgenden Lagen
verfteigert Karl Ernft Fjenrici eine umfang-
reiche Sammlung von Lithographien und mo-
dernen Radierunaen, über die ein Katalog mit
922 Nummern Auffchluß gibt. Eine nachahmens-
werte Neuerung bringt diefer Katalog, indem
er die Scbäßungsprcife nicht auf einem ge-
änderten Blatte, fondern wie in einem mitVer-
kaufspreifen verfeßenen Katalog hinter jeder
Nummer beifügt, hierdurch wird einem das
umftändliche Nachfragen erfpart. Es wäre zu
wünfchen, daß diefe neue Methode des Bei-
druckes der Scßsßungspreife allgemein durch-
geführt würde. Die Sammlung, befonders reich
an franzöfifchen Lithographien, enthält u.a. inter-
effante Inkunabeln von Senefelder, GabrielEngel-
mann und dem Engländer Paul Sandby Munn.
Delacroix, Charlet, Deveria, Daumier, Gavarni
find auch gut vertreten. Unter den Radierungen
nennen wir Goya, Corot und Denon.
Am 22. März findet bei Lepke eine Verweige-
rung von Gemälden und Sandzeichnungen erfter
Meifter unferer geit ftatt. Der Katalog nennt
u. a. folgende Namen: F. Lßaulow, S- Gude,
O. Björck, A. v. Menzel, F. v. Lenbacb, Max
Liebermann, UI. Lrübner, G. Schönleber, N. Diaz,
Di?
^ttnfthonbtutig jvotl ^abcrflod, 2M'fttt Sß 9
'Belteuucfha jie 9?r. ! ?
fttcßt $tt fnufen:
greßcr bc$ 15*. ctufdjl. 19. ^df)t()nnbct't3,
feibic b($ 1 S.ßulit'liunbdr^
^ür ben Tflacßmetg ^aßlt (te unter ßuftcßcnmw (FrenrtfFer iBerfcßtviegenßfit ßoße jBermittlung^ebüßrcn
168
erft wieder befißt, wird er an vornehm-feftlichem
Repräfentationscharakter feinesgleichen fuchen.
Über den Pilaftern läuft ein Fries in Biau und
Goid, darin die Imperatorenbildniffe. Ein drei-
teiiiges Lravertingebälk bildet den oberen Ab-
fchluß. Eine fpäteregeit, die von der gemaiten
Architektur nichts wußte, hat das Gebäik an
einigen Stellen tief eingefchnitten, um die langen
Querbalken des Dachftuhis darin zu verankern.
Mit großer Mühe muffen diefe Querbalken jeßt
wieder gehoben und das Cravertingebälk ergänzt
werden. Eine einfache Kaffettendecke, wie in
der zum Palazzo di Venezia gehörigen Kirche
S. Marco foli fich der ruhig großen Ulirkung des
Raumes einfügen.
Ulelcper geit entftammt nun diefe Dekoration,
die fich fo rein römifch und antik gebärdet? Sie
muß einer Generation angehören, in der die
Leidenfchaft für die Antike zur Manier wurde,
in der die antiquarifche Gelehrfamkeit in höchfter
Blüte ftand. Beweis dafür ift ein Pilafterkapitäl
an der Mitte der Fjauptwand, das halb zerbrochen
gemalt ift. Vielleicht war ein folches Bruchftück
der wirkliche Fund an einer berühmten Stätte
und gab das Vorbild all diefer gemalten Kapitäle.
Als Meifter diefer Architekturmalereien aber
kommt kein geringerer in Betracht als Bramante,
der in Rom bekanntlich zunächft als Maler be-
fchäftigt war und dieSala regia kurz nach 1500,
wahrscheinlich 1503, ausmalte. Unter der Re-
gierung des Roverepapftes Julius 11. (1503—13)
bewohnte den Paiaft fein Neffe Galeotto diRovere,
der als Auftraggeber in Betracht kommt. Diefem
wurde im März 1504 im Vatikan der Purpur ver-
liehen, worauf er in Begleitung von 25 Kardi-
nälen, des kaiferlichen und des venezianifchen
Gefandten feierlich in den Paiaft einzog (vgl.
Dvorak. Dengel, Egger a. a. O. S. 89). Man möchte
gern annehmen, daß die Ausmalung des Saales
durch Bramante zu diefem feftlichen Lermin fo-
eben beendet war. Gerftenberg.
George Grosz / Marie Laurencin
Die Uliedergabe der in FJ^ft ^ diefer geit-
fcbrift zu dem Auffaß von Ulilli Ulolfradt ab-
gebildeten Ulerke von George Grosz erfolgte
mit Genehmigung von Sans Golß, München,
dem ausfchließlichen Vertreter des Künftiers. —
DieReproduktionsgenehmigung der in diefem FJeft
gezeigten Laurencin-Bilder erteilte Alfred
Flechtheim, Düffeldorf.
Der Kun ft markt
Bevorfteßende Verweigerungen
Beriin
Am 14. März und an den folgenden Lagen
verfteigert Karl Ernft Fjenrici eine umfang-
reiche Sammlung von Lithographien und mo-
dernen Radierunaen, über die ein Katalog mit
922 Nummern Auffchluß gibt. Eine nachahmens-
werte Neuerung bringt diefer Katalog, indem
er die Scbäßungsprcife nicht auf einem ge-
änderten Blatte, fondern wie in einem mitVer-
kaufspreifen verfeßenen Katalog hinter jeder
Nummer beifügt, hierdurch wird einem das
umftändliche Nachfragen erfpart. Es wäre zu
wünfchen, daß diefe neue Methode des Bei-
druckes der Scßsßungspreife allgemein durch-
geführt würde. Die Sammlung, befonders reich
an franzöfifchen Lithographien, enthält u.a. inter-
effante Inkunabeln von Senefelder, GabrielEngel-
mann und dem Engländer Paul Sandby Munn.
Delacroix, Charlet, Deveria, Daumier, Gavarni
find auch gut vertreten. Unter den Radierungen
nennen wir Goya, Corot und Denon.
Am 22. März findet bei Lepke eine Verweige-
rung von Gemälden und Sandzeichnungen erfter
Meifter unferer geit ftatt. Der Katalog nennt
u. a. folgende Namen: F. Lßaulow, S- Gude,
O. Björck, A. v. Menzel, F. v. Lenbacb, Max
Liebermann, UI. Lrübner, G. Schönleber, N. Diaz,
Di?
^ttnfthonbtutig jvotl ^abcrflod, 2M'fttt Sß 9
'Belteuucfha jie 9?r. ! ?
fttcßt $tt fnufen:
greßcr bc$ 15*. ctufdjl. 19. ^df)t()nnbct't3,
feibic b($ 1 S.ßulit'liunbdr^
^ür ben Tflacßmetg ^aßlt (te unter ßuftcßcnmw (FrenrtfFer iBerfcßtviegenßfit ßoße jBermittlung^ebüßrcn
168


