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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 7
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Ausstellungen
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Von Künstlern und Gelehrten
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0251

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Ausstellungen

Von Künstlern und Gelehrten

paufer gibt uns nun Gelegenheit, einen Irrtum
zu korrigieren. DieSe Richtigstellung tut freilich
dem übertriebenen Ruhm des Schülers Abbruch,
aber fie gibt dem die Ehre, dem fie gebührt —
dem Lehrer (Heisgerbers, Eugen v. Kahler.
Bei Dr. (Ueizinger Stellt eine Dame, EiiSabeth
v. Effeö, erftmalig ihre Arbeiten aus: Statuen,
Statuetten, Medaillen, Plaketten und Aquarelle.
Es beSteht kein Anlaß, von dieSer Darbietung
besonderes Aufheben zu machen, aber man wird
den ausgeftellten Dingen, die einer gemäßigten
Modernität (etwa bis zur Stilgrenze eines Geibel)
huldigen, die epitheta: anStändig und talentvoll
nicht verSagen. L. 3-
Oldenburg
Das regere Leben, das Seit einem Jahre im
piefigen Epeater zu Spüren war, hat nun auch
auf die Pflege der bildenden Kunft übergegriffen.
Nach Abfcpluß des erften Jahrgangs der Drama-
turgifepen Blätter find diefe unter dem heimat-
lichen Sgmbol des „giepbrunnens" zu „Olden-
burger Blätter für Epeater, Literatur und bildende
Kunft" erweitert worden. Die feit jeher be-
fonders gepflegte Mufik bedarf ausdrücklicher
Erwähnung niept. Dagegen wird erft die Ver-
einigung der verfcpiedenen Kunftfammlungen im
Landesmufeum den einheitlichen Begriff der bil-
denden Kunft verdeutlichen. Mit der (Uieder-
entdeckung Ludwig Münftermanns, des aus
Hamburg Stammenden, aber faft ausfcpließlich in
Oldenburg tätigen Biidpauers des Frühbarock,
von dem fiep u. a. ein Eaufdeckel mit dem
Meifterwerk der Schlafenden Geftalten von Adam
und Eva im piefigen Landesmufeum befindet,
maept ein illuftrierter Auffap von A. E. Brink-
mann bekannt, der diefes Epema noch eingehen-
der in einem Vortrag behandelte. Es ift bezeich-
nend für die geiftige Konzentration nordifeper
Künftler, daß fie mit Michelangelo wetteifernde
Monumentalität in kleinftem Format zu faffen
vermochten. Und nur diefer Umftand und die
Abhängigkeit von den Sepgewopnpeiten der
eigenen 3eit konnte das (Uiederaufleben Solcher
Klaplverwandtfcpaft Solange pintanpalten. Seiner
Abgelegenheit dankt es Oldenburg, daß hier in
den erften Jahrzehnten des Dreißigjährigen Krieges
noch folcpe einzigartigen Kunftwerke entftepen
konnten.
Einstweilen pat der Kunftverein gezeigt, daß
felbft Ströme, die an der Südlichen Gebirgsgrenze
Deutfcplands entfpringen, pier unten noch die
Farbe des Mündungswaffers mit beftimmen kön-
nen. DerMüncpnerRicpard Seewald mit feiner
illuftrativen Anfcpmiegfamkeit und feinem Schwer-
blütigen Ringen um die Gegenständlichkeit in den

Gemälden und der Karlsruher Auguft Bab-
b erg er mit feinen Aquarellen aus dem Hoch-
gebirge und Skizzen zu figürlichen Kompofitionen
find allerdings ungewohnte Gäfte in diefem ab-
gefcploffenen Landftricp] im Nordweften. Und
dennoch ift hier durch die Vertrautheit mit Natur
und Eier auf den (Ueidefläcpen eine felbftver-
ftändlicpe Empfänglichkeit vorhanden, wie kaum
fonft in den auf rafepen Modewecpfel auch in
der Kunft eingeftellten Großftädten. Man ift pier
kunftpungriger und aufnahmefähiger, aber auch
wäplerifcper und prüfender als dort, wo Be-
weglichkeit unverfepens zur (Uankelmütigkeit
wird. — An bisher Gewohntes knüpft die Aus-
Stellung der von Caffirer zufammengeftellten
Nacpimpreffioniften in dem Kunftpaus Onken an.
In der „Barke" haben fiep die jungen Künftler
der damit gegründeten Oldenburger Sezeffion in
Rüftringen eingefepifft und werden ihre Fracht
im näcpften Monat im Kunftverein zur Schau
Stellen. M.-(U.
Von Künftlern und Gelehrten
Karl Ern ft Oft Haus t
ln Meran, wo er von feinem Schweren Lungen-
leiden Genefung fuepte, ift an einem der lepten
Märztage Karl Ernft Oftpaus, der Begründer
des Hagener Folkwang-Mufeums im Alter
von 47 Japren geftorben. Mit ipm ift eine jener
Seltenen Persönlichkeiten dapingegangen, die
ungemein befruchtend auf das geiftige Leben in
Deutfcpland während der letzten zwanzig Japre
gewirkt paben. — Als Sprößling einer wopl-
begüterten Bankiersfamilie kam er früh in den
Befiß beträchtlicher Mittel, die er — angeregt
durch mannigfache Reifen im Ausland, Speziell
auch im Orient — im größten Stil feiner Neigung
als Sammler dienftbar machte. Über den weit-
gefpannten Kreis feines künftlerifcpen Intereffes
unterrichtet heute der Beftand des Folkwang-
Mufeums, das längft zu einem der bedeutend-
sten Kulturdokumente der Gegenwart zäplt.
Beraten von den beften Kennern, pat Oftpaus
in feinem Mufeum, das van de Velde erbaut,
alle die Gebiete älterer und neuerer Kultur ein-
bezogen, die nach feinem Gefühl für die Kunft
der Gegenwart von befonderer Bedeutung find.
DemFolkwang-Mufeum gliederte er Später (Uerk-
ftätten für Künftler an, durch deren Berufung er
feine Vaterftadt Hagen außerdem zu einem Mittel-
punkt lebendigen Kunftfcpaffens machen wollte.
So paben pier neben van de Velde u. a. Peter
Behrens, Roplfs, Eporn-Prikker und Lauwerik
gearbeitet. Durch die im Japre 1909 erfolgte

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