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einen klaren, feßarfen und zufallsfreien Strich.
Die Platte felbft hält beim Druck unverändert in
ihrer urfprünglichen Frifcße ftand und garantiert
damit für die kleine Auflage gleich ausgezeich-
nete Drucke.
Im einzelnen handelt es fich bei diefen Blät-
tern vorwiegend um rein figürliche Kompofi-
tionen: das Porträt des Sammlerfreundes Dr.Hans
Koch — die Gruppe zweier Freunde, die feßiek-
falshaft vor einem knapp umriffenen Hintergrund
mit karger Architektur eng umfchloffen neben
der Straße ftehen — das Bild der Malerfamilie
in leerem Raum, der nur durch ein Fenfter im
Hintergrund den Blick in dieLandfchaft öffnet —
die Gruppe zweier in Liebe verfcßlungenerMen-
fchen unter dem Eitel „Geliebte Frau" (ein
ähnlich empfundenes Blatt nennt der Künftler
„Eröftende Frau") und als Hauptblatt eine große
Landfchaft mit Figur, die „Ruhrkohlenbezirk"
genannt ift, eine Arbeit von unerhört ftarker und
dabei lapidar eindringlichster Einfachheit nach
Aufbau und Gefühl. Diefe Folge von feeßs Blät-
tern aber ift als Klerk eines unferer Jungen eine
Leiftung, die jenfeits von allen Schlagworten der
Moden und Richtungen zugleich Dokument einer
ftarken fchöpferifchen Perfönlichkeit und einer
neuen geitkultur ift, die fich hier fo pofitiv als
nur denkbar zu erkennen gibt.
Felixmüller läßt von diefer Folge 25 Exemplare
als numerierte und fignierte Vorzugsausgabe
zu dem feßr niedrigen Subfkriptionspreis von
M. 400.— erfcheinen, die bereits vergriffen ift.
Daneben wird eine nicht numerierte gewöhnliche
Ausgabe in nur 75 Exemplaren zu wefentlich
niedrigerem Preis herausgegeben, deren Qualität
kaum hinter der Vorzugsausgabe zurückftehen
dürfte. Näheres durch den Künftler (Adr. Kloßfcße
bei Dresden). B.
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Dr. O. P/z's/pr, D^r psyc/zo/ojzsc/zc zzzzz/
Azo/o<g*zsc/zf E/z7c/*j/*zz/zz7 Expressz'o-
/zzs/nzzs. Erzzs? Ezrc/zer Vcr/zzj. E^rn,
S/zzEg'ort
Es geht uns mit den pfycßoanalytifcßen Unter-
teilungen desVerfaffers, wie es Pfifter mit der
Deutung kunftfchöpferifcher Vorgänge geht. Klir
ftehen feinem Verfahren mit ziemlicher Verftänd-
nislofigkeit gegenüber. (Inferem befchränkten
Laienverftand fcheint feine Anwendung der
pfycßoanalytifcßen Methode roß und med)aniftifcß
dürftig, wie das, was er daraus über die Kunft-
fchöpfung an fich und fpeziell über den Ex-
prefjionismus folgert.
Sein Experiment war diefes: er ließ einen
nervöfen Maler, der in feine Sprechftunde kam,
viermal das Porträt von fich, dem Arzte und
Analytiker, und andere, kleine Zeichnungen an-
fertigen. In der nächften Sitzung gab der Pa-
tient auf (Hunfcß des Arztes eine Erklärung der
fehr primitiven Zeichnungen mit den ihm dabei
auftauchenden Erinnerungsaffoziationen ab wie
folgt: Beim rechten Auge erinnere er fich an
(Hildes Salome, die zu Jochanan gefagt habe:
„Deine Augen find wie Löcher, in perfifche
Eeppicße gebrannt". Das ganze habe eine Zu-
fpißung auf den Mund hin; dabei habe er ein
Gefühl wie damals, als der Mond ihm den
Mund befchiene. Der Mund ftehe am Ende der
Nafe, wie eine geöffnete Kralle. Das Nafenloch
käme ihm vor, als ob es auch eine Art Auge
wäre.
Da das beigebrachte Material den Arzt nicht
befriedigte, forderte er eine zweite Affoziations-
reihe vom Patienten. Er frug „Das rechte Auge
als Auge des Johannes?" Antwort: „Ein Mäd-
chen in meinem Atelier, in welchem ich auch
einen Eeppicß hatte. Ich fchenkte ihr ein Paket
Pfauenfedern. Ich traf fie fpäter wieder an, fie
verfprach wiederzukommen, erfchien aber nie."
Frage: „Das Nafenloch wie ein Auge?" Antwort:
„Ich fing und tötete viele Fifcße, worüber meine
Schwefter böfe wurde. Einmal war ein befon-
ders großer Hecht da, dem ich den Hals brechen
mußte."
Aus diefem unvollftändigen Material (denn man
könnte fich noch andere Affoziationen vorftellen),
aus allen in den Fragen und den Antworten
vorkommenden Subftantiven und Adjektiven
formt der Analytiker unter anderem folgende
Deutungen: „Das rechte Auge. Du bift im Grunde
ein barbarifcher, mich bedrohender und bös-
artig anfeßender Menfch, wie mein Vater und
ich-" „Der Mund. Obwohl viel Mutterliebe an
Dich verwendet wurde, bift Du ein raubtier-
artiger, barbarifcher Menfch." „Das Nafenloch.
Ich möchte dich umbringen wie jenen Hecht."
AH diefe Deutungen follen die Meinung des
Malers über den dargeftellten Arzt enthalten.
Man könnte nun gerade fo gut die Subftantive
je nach Klunfcß anders gruppieren, fo daß etwa
herauskäme: „Ich bin ein Eeppicß zu Füßen
meines Mädchens, du bift Johannes, kein Barbar
und Eartar, deine Kralle ift ungefährlich wie die
einer Pfauenfeder. Ich bin fchlecht genährt,
könnte mir deine Schwefter nicht ein Eier
fchlachten?" Sanftmütige Deutungen find zu
vermeiden, weil das Bild etwas „(Hildes" hat'
was man aber auch ohne das Mittel der Pfyd)o-
analyfe mit bloßem Auge feftftellen kann.
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einen klaren, feßarfen und zufallsfreien Strich.
Die Platte felbft hält beim Druck unverändert in
ihrer urfprünglichen Frifcße ftand und garantiert
damit für die kleine Auflage gleich ausgezeich-
nete Drucke.
Im einzelnen handelt es fich bei diefen Blät-
tern vorwiegend um rein figürliche Kompofi-
tionen: das Porträt des Sammlerfreundes Dr.Hans
Koch — die Gruppe zweier Freunde, die feßiek-
falshaft vor einem knapp umriffenen Hintergrund
mit karger Architektur eng umfchloffen neben
der Straße ftehen — das Bild der Malerfamilie
in leerem Raum, der nur durch ein Fenfter im
Hintergrund den Blick in dieLandfchaft öffnet —
die Gruppe zweier in Liebe verfcßlungenerMen-
fchen unter dem Eitel „Geliebte Frau" (ein
ähnlich empfundenes Blatt nennt der Künftler
„Eröftende Frau") und als Hauptblatt eine große
Landfchaft mit Figur, die „Ruhrkohlenbezirk"
genannt ift, eine Arbeit von unerhört ftarker und
dabei lapidar eindringlichster Einfachheit nach
Aufbau und Gefühl. Diefe Folge von feeßs Blät-
tern aber ift als Klerk eines unferer Jungen eine
Leiftung, die jenfeits von allen Schlagworten der
Moden und Richtungen zugleich Dokument einer
ftarken fchöpferifchen Perfönlichkeit und einer
neuen geitkultur ift, die fich hier fo pofitiv als
nur denkbar zu erkennen gibt.
Felixmüller läßt von diefer Folge 25 Exemplare
als numerierte und fignierte Vorzugsausgabe
zu dem feßr niedrigen Subfkriptionspreis von
M. 400.— erfcheinen, die bereits vergriffen ift.
Daneben wird eine nicht numerierte gewöhnliche
Ausgabe in nur 75 Exemplaren zu wefentlich
niedrigerem Preis herausgegeben, deren Qualität
kaum hinter der Vorzugsausgabe zurückftehen
dürfte. Näheres durch den Künftler (Adr. Kloßfcße
bei Dresden). B.
Neue Bücher
Dr. O. P/z's/pr, D^r psyc/zo/ojzsc/zc zzzzz/
Azo/o<g*zsc/zf E/z7c/*j/*zz/zz7 Expressz'o-
/zzs/nzzs. Erzzs? Ezrc/zer Vcr/zzj. E^rn,
S/zzEg'ort
Es geht uns mit den pfycßoanalytifcßen Unter-
teilungen desVerfaffers, wie es Pfifter mit der
Deutung kunftfchöpferifcher Vorgänge geht. Klir
ftehen feinem Verfahren mit ziemlicher Verftänd-
nislofigkeit gegenüber. (Inferem befchränkten
Laienverftand fcheint feine Anwendung der
pfycßoanalytifcßen Methode roß und med)aniftifcß
dürftig, wie das, was er daraus über die Kunft-
fchöpfung an fich und fpeziell über den Ex-
prefjionismus folgert.
Sein Experiment war diefes: er ließ einen
nervöfen Maler, der in feine Sprechftunde kam,
viermal das Porträt von fich, dem Arzte und
Analytiker, und andere, kleine Zeichnungen an-
fertigen. In der nächften Sitzung gab der Pa-
tient auf (Hunfcß des Arztes eine Erklärung der
fehr primitiven Zeichnungen mit den ihm dabei
auftauchenden Erinnerungsaffoziationen ab wie
folgt: Beim rechten Auge erinnere er fich an
(Hildes Salome, die zu Jochanan gefagt habe:
„Deine Augen find wie Löcher, in perfifche
Eeppicße gebrannt". Das ganze habe eine Zu-
fpißung auf den Mund hin; dabei habe er ein
Gefühl wie damals, als der Mond ihm den
Mund befchiene. Der Mund ftehe am Ende der
Nafe, wie eine geöffnete Kralle. Das Nafenloch
käme ihm vor, als ob es auch eine Art Auge
wäre.
Da das beigebrachte Material den Arzt nicht
befriedigte, forderte er eine zweite Affoziations-
reihe vom Patienten. Er frug „Das rechte Auge
als Auge des Johannes?" Antwort: „Ein Mäd-
chen in meinem Atelier, in welchem ich auch
einen Eeppicß hatte. Ich fchenkte ihr ein Paket
Pfauenfedern. Ich traf fie fpäter wieder an, fie
verfprach wiederzukommen, erfchien aber nie."
Frage: „Das Nafenloch wie ein Auge?" Antwort:
„Ich fing und tötete viele Fifcße, worüber meine
Schwefter böfe wurde. Einmal war ein befon-
ders großer Hecht da, dem ich den Hals brechen
mußte."
Aus diefem unvollftändigen Material (denn man
könnte fich noch andere Affoziationen vorftellen),
aus allen in den Fragen und den Antworten
vorkommenden Subftantiven und Adjektiven
formt der Analytiker unter anderem folgende
Deutungen: „Das rechte Auge. Du bift im Grunde
ein barbarifcher, mich bedrohender und bös-
artig anfeßender Menfch, wie mein Vater und
ich-" „Der Mund. Obwohl viel Mutterliebe an
Dich verwendet wurde, bift Du ein raubtier-
artiger, barbarifcher Menfch." „Das Nafenloch.
Ich möchte dich umbringen wie jenen Hecht."
AH diefe Deutungen follen die Meinung des
Malers über den dargeftellten Arzt enthalten.
Man könnte nun gerade fo gut die Subftantive
je nach Klunfcß anders gruppieren, fo daß etwa
herauskäme: „Ich bin ein Eeppicß zu Füßen
meines Mädchens, du bift Johannes, kein Barbar
und Eartar, deine Kralle ift ungefährlich wie die
einer Pfauenfeder. Ich bin fchlecht genährt,
könnte mir deine Schwefter nicht ein Eier
fchlachten?" Sanftmütige Deutungen find zu
vermeiden, weil das Bild etwas „(Hildes" hat'
was man aber auch ohne das Mittel der Pfyd)o-
analyfe mit bloßem Auge feftftellen kann.
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