Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0271
DOI issue:
Heft 8
DOI article:Kuhn, Alfred: Die absolute Plastik Oswald Herzogs
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Die abfolute Piaftik Oswald Fje r zogs
<S' Von /SAF/?ED A"G/7N
^pricßt man gemeinhin von Piaftik, fo geßt man von der Vorftellung einer fubjek-
tiven Catßandlung aus. Es wird ein Subjekt vorausgefeßt, das einen neutralen
Stoff in eine ganz beftimmte Form zwingt, deren Bild in feinem Bewußtfein allein
anfeßauließ vorhanden war, das aber einmal künftlerifcß ßerausgeftellt, objektive Gültig-
keit erlangt. Diefe Art der Piaftik möcßte icß die paffive nennen, denn in ißr ver-
hält ßcß die Materie einzig leidend; nur als folcße kann fie gedaeßt werden.
Das befte Beifpiel bietet die Antike. Eine grieeßifeße Figur ift oßne Bildner nießt
denkbar. Sie ift dureßaus als Cat eines perfönlicßen, fubjektiven dollens zu werten.
Dies war aueß im Altertum immer der Fall. Die Alten erzäßlen gern und viel von
ißren Bildßauern. Saßlreicße Namen find uns erßalten. Dasfelbe gilt von Renaiffance
und Klaffizismus. Jedesmal, fo oft der Menfcß als Maß aller Dinge in den Mittelpunkt
des (Iniverfums und des Denkens über diefes tritt, kann man die gefamte Kunft, und
insbefondere die Piaftik, einzig als feine bewußte Cat auffaffen. Nacßfcßaffend unter-
wirft er pcß die umgebende delt. derden in der Antike Plaftiken auf Götter zurück-
gefüßrt, fo werden diefe letzteren als künftlerifcß bildend analog den Menfcßen gedaeßt.
Aktive, organifeße Piaftik ift antßropozentrifcßem Denken ungemäß. Sie fet^t einen
irgendwie kosmifcß oder tranfzendental, religiös-ekftatifcßen Menfcßentyp voraus, der
fieß felbft als Ceil eines großen Ganzen betraeßtet, eingeordnet in ein nießt meßr ver-
ftandesmäßig faßbares Sgftem, mitfeßwingt in feliger B^rmonie. Beifpiele bieten Gotik
Oswald Fjerzog.
Kampf. 1915.
245
<S' Von /SAF/?ED A"G/7N
^pricßt man gemeinhin von Piaftik, fo geßt man von der Vorftellung einer fubjek-
tiven Catßandlung aus. Es wird ein Subjekt vorausgefeßt, das einen neutralen
Stoff in eine ganz beftimmte Form zwingt, deren Bild in feinem Bewußtfein allein
anfeßauließ vorhanden war, das aber einmal künftlerifcß ßerausgeftellt, objektive Gültig-
keit erlangt. Diefe Art der Piaftik möcßte icß die paffive nennen, denn in ißr ver-
hält ßcß die Materie einzig leidend; nur als folcße kann fie gedaeßt werden.
Das befte Beifpiel bietet die Antike. Eine grieeßifeße Figur ift oßne Bildner nießt
denkbar. Sie ift dureßaus als Cat eines perfönlicßen, fubjektiven dollens zu werten.
Dies war aueß im Altertum immer der Fall. Die Alten erzäßlen gern und viel von
ißren Bildßauern. Saßlreicße Namen find uns erßalten. Dasfelbe gilt von Renaiffance
und Klaffizismus. Jedesmal, fo oft der Menfcß als Maß aller Dinge in den Mittelpunkt
des (Iniverfums und des Denkens über diefes tritt, kann man die gefamte Kunft, und
insbefondere die Piaftik, einzig als feine bewußte Cat auffaffen. Nacßfcßaffend unter-
wirft er pcß die umgebende delt. derden in der Antike Plaftiken auf Götter zurück-
gefüßrt, fo werden diefe letzteren als künftlerifcß bildend analog den Menfcßen gedaeßt.
Aktive, organifeße Piaftik ift antßropozentrifcßem Denken ungemäß. Sie fet^t einen
irgendwie kosmifcß oder tranfzendental, religiös-ekftatifcßen Menfcßentyp voraus, der
fieß felbft als Ceil eines großen Ganzen betraeßtet, eingeordnet in ein nießt meßr ver-
ftandesmäßig faßbares Sgftem, mitfeßwingt in feliger B^rmonie. Beifpiele bieten Gotik
Oswald Fjerzog.
Kampf. 1915.
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