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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 10
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Ver fdh feden es

die oft von verbindender Einfachheit, aber nid)t
ganz ohne Gefahr ift.
D^r Oezst zfes Mzt&z's/zztzs zznnf z7z*6 AVznst^
nennt Rudoif Biümner ein Buch von rund
60 Seiten, das foeben im Vertag Der Sturm,
Beriin, erfchienen ift. Diefe Arbeit ift eine der
wichtigften Veröffentiichungen der lebten Jahre
und erbringt mit einer unwiderlegbaren Logik
nicht nur den Beweis für die Wefenheit fchöp-
ferifcher Kunft fchiechthin, die immer den Rhyth-
mus — d. h- künftierifche Ordnung und Aufbau
fucht, fondern bezieht neben der Malerei und
Plaftik auch dieMufik, die Dichtung, dieSprech-
kunft und die Bewegungskunft in den Kreis
kritifch-äfthetifcher Betrachtung ein. Im Gegen-
fah zu Küppers, für den der Kubismus ein Stück
neuer Weltanfchauung fymbolifiert, fieht Biümner
in der Kunft fchiechthin (und natürlich damit
am augenfälligsten in jenen kubiftifchen Bildern,
die Ausgangspunkt feiner Gnterfuchungen find)
den Ausdruck allgemein menfchlichen Gefühls
durch Rhythmus oder wie er an anderer Stelle
fagt: „Das Kunftwerk geftaltet individuell Er-
lebtes durch den rein künftlerifchen Ausdruck
allgemein menfchlichen Gefühls". Jedes diefer
kurzen und fcharf umriffenen Kapitel, die das
geiftig ungemein ftarke Buch zu einer vollendeten
Einheit machen, ift gleich überrafchend durch
die reftlos bezwingende Logik der Gedanken.
Wer nach der Lektüre diefes Werkes noch den
trüben Mut hätte, den Kubismus als geiftiges
Phänomen zu leugnen oder weiter vom Ende
des Expreffionismus zu fafeln, verdiente in der
Cat den Spott, den Biümner gelegentlich mit
Fjumor für feine Widerfacher bereithält. Streicht
man auch von der perfönlichen Begeifterung des
Verfaffers für diefen oder jenen Künftler, der
feinem Fjerzen befonders nahefteht, ein Weniges
ab — im Ganzen bleibt genug des Pofitiven,
ein Dokument perfönlichen Geiftes und einer
Weltanfchauung, die Gegenwart und Ankunft
widerfpiegelt.
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vozr DzzzzzY/ C/zozFowzYc/rz
veröffentlichte Fjans Cimotheus Kroeber
kürzlich in einer reizenden bibliophilen Publi-
kation, die bei Fjeinrich Staadt in Wiesbaden
erfchienen ift. Die hier erftmalig reproduzierten
Silhouetten befinden fiel) in Wiesbadener Privat-
befih und dürften in der Zeit zwifchen 1777 und
1783 entftanden fein. DerVerfaffer, der fich als
guter Kenner auf feinem Gebiete ausweift, er-
bringt mit Überzeugung den Beweis, daß als
Verfertiger diefer köftlichen Scherenfchnitte, die
in engftem Zufammenhang mit Lichtenbergs

Arbeiten über Phyfiognomik entftanden find,
niemand fonft als der berühmte Chodowiecki in
Frage kommen kann, ln der Cat, wen etwa die
literarhiftorifche Beweisführung noch nicht zu
überzeugen vermöchte, muß dennoch zugeben,
daß der künftierifche Wert diefer köftlichen
Schattenriffe, die ein Stück menfchlichen Seelen-
lebens auf den Befchauer projizieren, das befte
Dokument für die Pfand desMeifters find. Goethe-
freunde und Sammler der Kunft des 18. Jahr-
hundertswerden an diefer reizvollen Publikation
nicht geringe Freude haben. B.
Verfcßiedenes
ßu „Oswald Herzog"
Im Anfchluß an den unlängftvon mir an diefer
Stelle erfchienenenAuffaß foll darauf Püngewiefen
werden, daß „Der Sturm" es war, der zuerft,
und zwar im Juni 1919, eineKollektivausftellung
von 52 Arbeiten diefes Künftlers veranftaltet hat,
nachdem fchon 1918 fechs Werke Fferzogs dort
gezeigt worden waren. Da es heute üblich ge-
worden ift, die unzweifelhaften Verdienfte des
„Sturms" totzufchweigen, fo foll dies befonders
betont werden.
Im Laufe des Monats Mai diefes Jahres wird
bei K. & E. Cwardy, Berlin W. 9, eine von
Bruno W. Reimann bevorwortete Publikation
FJerzogs herauskommen. „Rhythmifche Dynamik,
dasGefeh derWeltanfchauung," nennt der Künftler
einen Auffat$, in dem er die feiner Kunft zu-
grunde liegende Weltanfchauung darlegt. Ein
reiches Abbildungsmaterial feiner Werke unter-
ftüt^t feine Ausführungen.
Für Juli bereitet die genannte, fehr tätige junge
Kunfthandlung eine neue Kollektivausftellung des
Fjerzogfchen Schaffens vor, wobei Plaftiken, Öl-
bilder, farbige Fjolzfcfmitte und Zeichnungen aus-
geftellt werden Jollen. Alfred Kuhn.
Amerikanifdje Organifation
Mrs. Albert Sterner, die bisher in Verbin-
dung mitMeffrs.Knoedler Kollektivausftellungen
hervorragender Künftler in New York veranftaltet
und in diefen öfters neue Männer von Bedeutung
zu Worte hat kommen laffen, hat nunmehr eine
Organifation gefchaffen, die fie die „Junior Art
Patrons of America" nennt. Wer Mitglied
diefer Organifation werden will, muß fich ver-
pflichten, jährlich wenigftens ^ 25 für Kunftwerke
amerikanifcher Künftler auszugeben. Die Orga-
nifation wird unter Ms. Sterners Leitung Aus-
heilungen fowohi einheimifcher wie auch aus-
ländifcher Künftler in einer eigenen Galerie ver-

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