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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 11/12
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Kunstpolitik
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Sammlungen
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Ausstellungen
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0392

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Sammlungen — Ausstellungen

ferat über diefe Angelegenheit überzeugte durch
die fcharfe Sachlichkeit.
Ein[timmig wurde der (Mahlvorfchlag ange-
nommen. — Karisruhe, Dresden und (Meimar
wurden als Orte der nächften Cagung genannt.
Die Festlegung wurde dem Vorttand überlaffen.
Am SchluSSe gedachte Reichskunftwart Dr.
Redslob des verstorbenen K. E. Otthaus, durch
deSSen Mod der (Merkbund einen der hinreißend-
sten und unvergleichlichsten Pioniere deutscher
Kultur verloren hat.
Ende.
Crots der Gespanntheit, die in den radikaleren
Kreifen des (Merkbundes gährte, verlief diefe
Magung beinahe auffällig ruhig. Es gab kein
lautes Aufeinanderprallen der Gegenfäbe. Deut-
lich zog fich der jüngfte Flügel der Norddeutfchen
zurück. Faft Schüchtern wurde immer und immer
wieder von den „Werdenden" gefprochen, von
einer möglichsten Berücksichtigung und erwünfch-
ten Beteiligung dieSes Elementes.
Der AusSchuß der GewerbeSchau beschließt
weiter. Bis je^t hört man nur einige Namen
junger Münchner unter den „Fjerangezogenen".
Mögen die Fjerren inMünchen ihrer deutschen
Aufgabe gerecht werden. O. M. G.
Sammlungen
Eröffnung des Anbaues der Städej-
fdjen Gajerie
Das Städelfche Mufeum war leider mehr als
andere Inftitute von der Mngunft der 3eitver-
hältniffe befchwert und gehemmt. Mußten doch
während des Krieges die koftbarften Beftände
vor den Gefahren der Fliegerangriffe in den Keller
verftaut werden, konnte doch der langbegonnene
Neubau, der die im alten zu enggewordenen
Gebäude nicht mehr unterzubringenden Bilder
aufnehmen follte, infolge der Bau- und Material-
befchaffungsfchwierigkeiten keine Vollendung
finden. Der freudige Geift, der die innere Arbeit
des Städel durchweht, durfte fich nach außen
kaum anders manifeftieren als durch Einzelaus-
ftellungen des Kupferftichkabinetts und Schau-
Stellungen von Neuerwerbungen in der Galerie.
Nun erfcheint die Erweiterung, die den Meiftern
des 19. und 20. Jahrhunderts gewidmet ift, in
ihrer andächtig liebevollen Anordnung mit der
3ufammenfaffung der lang vermißten Impreffio-
niften und Expreffioniften und einer Anzahl aus-
erlefener Neuerwerbungen als eine Erfrifchung
und Beglückung.
Der neue Bau in feiner etwas akademifchen
Innenarchitektur gibt außer einer überfichtlichen
Raumgliederung, die fich ftreng dem Grundriß
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des FJauptbaues anfügt und einer glücklichen Lö-
fung des Beleuchtungsproblems durch Laternen-
licht keinerlei Erhöhung des Kunfteindrucks.
Außerdem fchleppt das Städel, wie die meiften
öffentlichen Inftitute, eine Menge rein repräsen-
tativer, nur kulturhiftorifch und lokal intereffie-
render (Merke aus dem lebten Jahrhundert mit
fich. Es erfreut um fo tiefer, daß der Gedanke
der künftlerifchen Qualität die fachlich hiftorifche
Arbeit mit lebendigem Strom überfließt, daß die
ftärkften (Merke und Wirkungen Schlagend zu-
fammengefaßt find, daß durch die Auflockerung
einer nur fchulmäßigen Zusammengehörigkeit eine
in großen Galerien feiten zu erlebende Empfin-
dungs- und Stileinheit gewonnen wurde, daß
Schließlich die nur repräfentativen Prunkftücke,
Soweit fie aus hiftorifchen Gründen nicht ent-
behrt werden konnten, fo „verhängt" worden
find, daß fie ihren dekorativen 3weck erfüllend,
echtere Kunftwerte nicht beeinträchtigen können.
Gerade weil fich die Leitung des Städel, FJerr
Direktor Swarzenfki und fein Affiftent Dr. Alfred
(Molters, das ältere kunfthiftorifche Schema über-
windend, zur heute lebendigen Kunftbetrachtung
bekennen (z. B. wurden die reichen Beftände an
Choma und Crübner ihrem formalen und male-
rifchen Gehalt nach in ganz verfchiedene Säle
verteilt), werden dem Befucher beziehungsreiche
Verknüpfungen wach, legt die Schau 3eugnis
für die Fülle undVielfeitigkeit, für das Cypifche
wie für das Individuelle mancher Künftlerper-
fönlichkeit ab. (Dir müffen aus Platzmangel auf
die befondere Art der ausgeftellten (Merke in
einer zweiten Besprechung zurückkommen.
r- , S. Schw.
Qamburg
Die Kunfthalle hat kürzlich anläßlich der
Lehmbruck-Nachlaßausftellung einen Abguß aus
Kunftftein nach der großen Figur der „Sinnenden"
diefes Künftlers erworben.
Ausstellungen
SQolländi]'d)e Kun[t in Paris
Ein Ereignis von hervorragender Bedeutung,
von dem man leider in Deutfchland nur wenig
gehört hat, ift die im Ballfpielhaus derCuillerien
unter der Protektion der franzöfifchen und nieder-
ländischen Regierung veranftaltete Ausstellung
holländifcher Kunft gewefen, die Ende Mai ge-
fchloffen wurde. Ein unvergleichlicher Befil; an
(Merken der großen Holländer, die in öffentlichen
und privaten Sammlungen Englands, Frankreichs
und Fjollands verftreut ßnd, war in diefer Ver-
anftaltung gewiffermaßen als Ergänzung zu der
prachtvollen Sammlung des Louvre erftmalig und
 
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