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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 11/12
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Ausstellungen
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Von Künstlern und Gelehrten
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Neue Graphik und Bücher
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Von Künftfern und Gelehrten — Neue Graphik und Bücher

tun mit der beute ad) fo billigen „religiöfen
Ekftatik", die jeßt fcßon zum eifernen Beftand
jedes fortfcßrittlicß angehauchten Akademie-
jüngers gehört. Vielmehr leuchtet aus diefen
fpäteren merken Morgners eine fo ftarke re-
ligiöfe Inbrunst, daß wir nur bedauern können,
wie wenig es ihm infolge feines frühen Codes
vergönnt war, diefe Anfänge einer neuen re-
ligiöfen Ausdruckskunft weiter auszubauen. Am
ftärkften wirkt aus diefer Periode wohl das er-
greifende Selbftbildnis, das in feiner ftreng
achfialen Kompofition vielleicht etwas an Paula
Moderfoßn erinnert, fonft aber des Künftlers
eigenfte Sprache redet: von welch unheimlich
flackerndem, verzehrendem Feuer find diefe Augen
erfüllt! Fjier tritt auch der 3ug zurück, den
Morgner nie ganz überwunden hat und der ge-
rade bei feinen religiöfen Bildern immer wieder
ftörend hervortritt: die Neigung zumDekorativ-
Kunftgewerblicßen. Erinnern feine frühen Ar-
beiten faft ftets an Mofaike oder Glasgemälde,
fo haben feine lebten Kompofitionen etwas
Gobelin- oder Ceppicßßaftes. Fraglich erfcheint
es deshalb, ob Morgner felbft je den (Heg zu
einer monumentalen, über das rein Dekorative
weit ßinausgeßenden Kunft gefunden hätte. Als
Ulegbereiter zu diefem großen 3iel wollen wir
ihn gern anerkennen und ehren.
Neben diefen blutvollen, groß gewollten merken
erfcheint die Kunft milßelm Piünneckes doppelt
matt und blaß: es find merke eines gemäßigten
expreffioniftifeßen Akademismus, der kaum viel
zu bedeuten hat. Sympatßifcher berühren feine
Illuftrationen, in denen er fid) nur an viel zu
große Ehernen wagt, z. B. Doftojewfky! Durch-
aus behauptet fid) aber Kokofcßkas „Bildnis
Dr. S.", ein merk von feltener Eindringlichkeit.
Eine kleine Ausftellung moderner Graphik, im
wefentlichen Kokofd)ka undFjecke! gewidmet
— von dem neue, wundervolle Aquarelle von
der Oftfee zu feben ßnd — gibt eine willkom-
mene Ergänzung. P—e.
Von Künstlern und Gelehrten
Fjeinrid) Campendonk ift inzwifeben ver-
tretungsweife für einige Monate von Seeshaupt
an die ftädtifcbeKunftgewerbefcbule nach Effen
überfiedelt, wo er wahrfcheinlich fpäterbin eine
eigene Klaffe für Cextil- und Fläcßenkunft er-
halten wird. Gelänge es in der Cat, diefe
außerordentliche Perfönlichkeit dauernd dem
deutfeben Kleften, d. h- feiner engeren Fjeimat
zu erhalten, dann würde das für das gefamte
Kunftleben im Rheinland von großer Bedeutung
fein. — Der Illuftrator und Maler A. Scßmid-

bammer, jahrzehntelang einer der Fjauptmit-
arbeiter an der Münchner „Jugend", ift kürz-
lich im Alter von 64 Jahren geftorben. — Die
theologifcße Fakultät der Univerfität Jena bat
kürzlich den verdienftvollen Neftor der deutfeben
Kunftgefcßicßte Prof. Dr. Georg Deßio zum
Ehrendoktor ernannt. — Dr. Karl Groeber,
bisher am Landesamt für Denkmalspflege in
München, ift zum Leiter der ftaatlicßen Denk-
malspflege in mürtternberg, die ißren Fjauptfiß
in Stuttgart bat, berufen worden. — An der
Univerfität München haben fid) die folgenden
jüngeren Gelehrten als Privatdozenten habilitiert:
Dr. Ipans Rofe für allgemeine Kunftgefcßicßte,
Dr. Eduard Schmidt für klaffifcße Archäologie,
Dr. Cßeod. Dombart für Gefcßicßte der Bau-
kunft im alten Orient und in der Antike. — Prof.
M. Nyrop, der Erbauer des neuen Ratßaufes
in Kopenhagen, einer der führenden Architekten
Dänemarks, ift kürzlich, 72 Jahre alt, in Kopen-
hagen geftorben. Neben dem feßon erwähnten
Ratßausbau, der in feiner impofanten Form in
den Jahren von 1892—1903 entftand, feßuf Nyrop
noch die Eliaskircße auf dem Klefterbrotorv und
Vispebjergs Fjofpital. — Prof. Paul Cßierfcß,
der Direktor der Kunftgewerbefcßule in FJalle,
ßat den Ruf als Direktor der Königsberger Kunft-
akademie abgeleßnt. — Der Maler Fjugo Gugg
aus Köfen, ein gebürtiger Leipziger, ift als Pro-
feffor an die ftaatlicße Fjocbfcßule für bildende
Kunft in Kleimar berufen worden. Er über-
nimmt die Leitung der Landfcßaftsfcßule, die
feit dem Code von Cßeodor Fjagen verwaift
war. — Dem Direktor der ftädtifeßen Kunft-
gewerbefcßule zu Effen, Regierungsbaumeifter
Alfred Fifcßer, ift der Profeffortitel verließen
worden. — Der Baudirektor der Stadt Düffel-
dorf, Adolf Muesmann, ßat einen Ruf auf
den Leßrftuhl für Fjocßbau an die Cecßnifcße
Vocßfcßule zu Dresden erhalten, wo er außer-
dem das Seminar für Städtebau als Nachfolger
von Cornelius Gurlitt übernehmen foll. — Dem
zweiten Direktor am Germanifcßen National-
mufeum in Nürnberg, Dr. Cßeodor Fjampe,
wurden als felbftändiges Reffort das Kupfer-
ftießkabinett, die Bibliothek, das Archiv und
Fjandelsmufeum unterteilt.
Neue Graphik und Bücher
180 FJolzfcßnitte der Difteli-geit
Der unverhoffte Fund einer ganzen Kifte voll
von FJolzftöcken, die einft zur Illuftrierung des
Difteli- und3ieg!er-Kalenders und des „Poftßeiri"
dienten, veranlaßt Dr. Jules Coulin zur Ver-
ausgabe einer Mappe mit 180 Drucken von diefen

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