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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 15/16
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Kunstpolitik
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Sammlungen
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0479

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Die ßeit und der Markt

Kunftp o 1 iti k
Luxus[teuerfreit)eit der Kunft-
ausfteUung
Eine je^t erlaffene Verordnung des Reichs-
minifteriums regelt die feit langer 3^itftrittige
Frage, ob auch (Uerke lebender Künftler in Rus-
ftellungen beim Verkauf der Luxusfteuer unter-
liegen. Danad) find Verkäufe von Original-
werken lebender deutfcber oder innerhalb der
lebten fünf Jahre verftorbener deutfcber Künftler
befreit, wenn fie in Rusftellungen ftattfinden und
zwar nicht allein in Unternehmen der Künftler-
verbände, fondern auch in Rusftellungen der
Kunft- und Mufeumsvereine, der Behörden und
felbft aud) der Kunfthändler. Rber diefe Be-
freiung ift an eine komplizierte Reibe vor Miß-
brauch fcbübenderVorausfebungen geknüpft, ein
wahres Meifterwerk der deutfcben gefebgeben-
den Herren. In erfter Linie muß ficßergeftellt
fein, daß wirklich eine Rusftellung vorliegt. Es
ift Bedingung, daß das Unternehmen in eigenen
Gefcbäftsräumen oder in befonders hierzu ge-
mieteten Räumen ftattßndet. Die Rusftellung muß
vor Beginn als berechtigt zur luxusfteuerfreien
Lieferung bei dem Finanzamt unter Vorlegung
eines Kataloges der ausgeftellten (Flerke ange-
meldet fein. Luxusfteuerpflicbtig bleiben nach
wie vor (Flerke fämtlicber ausländifcher Künftler.
Es bleibt abzuwarten, ob diefes äußerft be-
fcßränkte gugeftändnis genügt, das private Rus-
ftellungswefen, das im lebten Jahre zum Proteft
gegen die Steuer von einigen großen Kunft-
bändlern ftillzulegen verfucßt wurde, wieder
aufleben zu laffen.
Aufiöfung des „Berliner Arbeits-
rats für Kunft"
Der in den erften Revolutionstagen unter dem
Leitfa^: „Die Kunft foll nicht mehr Genuß we-
niger, fondern Glück und Leben der Maffe fein"
zufammengetretene Rrbeitsrat für Kunft, eine
Vereinigung radikaler Künftler und Kunftfcbrift-
fteller, hat feine Ruflöfung befcbloffen. Durch
Vorbereitung deutfcber Kunftausftellungen inRnt-
werpen und Rmfterdam, ferner durch die 3u-
fammenftellung der Macke-Rusftellung, die nach-
her im Kronprinzenpalais gezeigt wurde, durch
die Rnregung und tatkräftige Förderung der
Rrbeiter-Kunftausftellungen in der Petersburger
Straße und fd)ließlich durch feine Veröffent-
lichungen „Ja! Stimmen desRrbeitsrats für Kunft",
das „Rrcbitekturprogramm" von Bruno Uaut u. a.
hat der R. f. K. feinen Leitfa^ in die Uat zu fe§en

verfucbt. Es ift febr zu bedauern, daß diefe Ver-
einigung fo außerordentlicher Kräfte — zu Mit-
arbeitern zählten unter anderen Poelzig, Ped)-
ftein, Feininger, Nolde, Laut und Gropius—die
zweifellos noch Großes hätte leiften können,
fo rafch und klanglos aus der (Uelt ging.
Die Einfuhr von Kunft gegen ft änden
in die Schweiz
Der am 20. Juli in Kraft getretene Befcbiuß zur
Befcbränkung der Einfuhr von Kunftgegenftänden
in die Schweiz foll, wie ausdrücklich betont wird,
nur die „minderwertige Valutaware" von der
Schweiz fernhalten, während die Einfuhr be-
deutender Kunftwerke auf befonderes Gefucb
nach wie vor geftattet ift.
Polen fordert!
Kürzlich ift in Polen das Verlangen laut ge-
worden, daß die deutfcße Regierung die Madonna
des Botticelli, die feinerzeit aus dem Nachlaß
des Grafen Raczgnfki an das Kaifer-Friedricb-
Mufeum übergegangen ift, an Polen ausliefere.
Ob Polen dafür einen Rechtstitel aus dem Frie-
densvertrage in der Qand hat, ift noch nicht
entfcbieden.
Sammlungen
Neuerwerbungen der öfterreidji-
f<±)en Staatsgaierie
Die Staatsgalerie führt in Verbindung mit einer
Neuaufteilung die Erwerbungen feit 1918 vor
und gibt damit einen erneuerten Beweis für die
Regfamkeit, 3ielbewußtbeit und das Qualitäts-
gefühl der Leitung (vgl. Cicerone 1918 S. 216,
1920 S. 755, 793). Der öfterreichifche Staats-
galerieverein und Private haben durch eine be-
fonders rege Teilnahme in diefen fcbwierigen
Jahren zu dem Erfolg beigetragen. Der Be-
ftand an öfterreicbifcber Rltkunft wurde durch drei
prächtige Steinfiguren eines fteirifcbenMeiftersum
1430, eine Uiroler Rltarpredella von 1518, die
doppelfeitig bemalte Uafel eines (Diener Meifters
der zweiten FJälfte des 15. Jahrhunderts und — als
(Uidmungsftück der Galerie van Diemen & Cie.,
Berlin — durch eine pbantaftifcb-expreffive Sa-
lomedarftellung des Monogrammiften M. 3- (um
1515) bereichert. Daran reiht fiel) das öfter-
reichifche Barock mit vorzüglichen Bildern von
Maulpertfcb (Darbringung und Dod des hi. Jofepb)
und Kremferfcbmidt (Judith, Opferung der Uocbter
Jepbtas), ferner Knoller und Strudel, zwei FJolz-
reliefs von Franz Schwanthaler, einer febönen

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