Sammlungen — Ausstellungen
vergoldeten Eerrakottagruppe (Anna und Maria)
von Giuliani und interessanten FJolzfiguren (Sitzen-
der Mann, um 1700, und König aus dem Morgen-
lande, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts). F)öcßft
wertvoll ift die Erwerbung zweier Füger-Porträts,
eines aus dem Nachlaß Pälffy (Baronin Dupont)
und eines (Die drei Gräfinnen Kßun) als bisher
unbekannte Originalvorlage für das bekannte
Schabkunftblatt von F. Klrenk. Eine Dorfland-
fchaft (Federzeichnung) von Schnorr v.Carolsfeld
vertritt die Füger-Schule, ein Denkmalentwurf
(Jofeph H.) aus dem Kreife Zauners und eine
Bronzebüfte (Graf Stadion) von FJtitter die klaffi-
ziftifche Piaftik. Von den Österreichern des
19. Jahrhunderts Jind besonders ein Damenporträt
von Kreußinger, eine Miniatur (Selbftporträt) und
ein h'StorlSch interessantes Gruppenbildnis (Kliener
Maler, 1842) von Klaldmülier und eine Serie von
Gouache- und Kreidezeichnungen Pettenkofens
(Klidmung CaStiglione) hervorzuheben, ferner
Aquarelle und Studien von Danhaufer, Fendi,
Krafft und Kreml. — Durch die Erwerbung von
Klimts Medizin (dazu eine Reihe von Studien)
konnte eine alte öfterreichifche Schuld einiger-
maßen wettgemacht werden, und auch fonft ift
es zu begrüßen, daß der neueren Kunft eine be-
fondere Aufmerkfamkeit gewidmet wurde. Frei-
lich konnten die Gelegenheiten, die die Galerie-
leitung Seinerzeit infolge des Druckes konserva-
tiver Mächte vorübergehen laffen mußte, nicht
eingeholt werden, und So konnte Sich die Sammler-
tätigkeit im wesentlichen nur auf Studien und
Graphiken befchränken. Immerhin konnten einige
ausgezeichnete und charakteriftifche Gemälde von
Schiele (Bildnis feiner Gattin), Kolig (Klage),
Laske (Kanal in Dortrecht), Nowak (Elbeland-
fchaft) erworben werden. Daß die Staatsgalerie
noch keinen Kokofchka befißt, ift nicht Schuld
der Leitung, aber bezeichnend für die ehemalige
Kliener Kunftclique; einige Zeichnungen müffen
jeßt Erfaß leiften. Auch Andri, der vielverfpre-
chende Kärntner Böckl, Faiftauer, Jungnickel,
Kliegele find neben einigen Alteren (Rudolf v. Alt,
Schuch) in diefer Art neu vertreten. Unter den
Erwerbungen neuerer öfterreichifcherPiaftik (Bar-
wig, Fernkorn, Sturfa, Dr. Klagner, Klollek) müffen
mehrere Gerrakotten und eine „Junge Sphinx"
in Marmor von Anton FJanak, jenem in feiner
Zurückgezogenheit viel zu wenig Beachteten,
als befonders glücklich undlängfterwünfcht her-
vorgehoben werden.
Die ausländifche neuere Malerei ift durch eine
duftige Caprilandfchaft von Blechen, einen FJodler
(Ergriffenheit), eineGewitterlandfcßaft von Kßoma,
einen Munch (Badende Männer am Meer), durch
Miniaturen von Guerard und Ifabeg und Zeich-
nungen von Lifchka, Marees (Bildnis des Barons
Ripp), Melzer, Schadow und Klasmann ergänzt,
in der Piaftik bedeuten dieBildnisbüfte derCiila
Durieux von Barlach und eine weibliche Bronze-
figur von Kolbe neben Gauls großem Efelreiter
und FJallers kauerndem Negerknaben gute Bei-
spiele der in Klien kaum vettretenen deutfeßen
Piaftik. F). G.
Europäifdje Kunft in Japan
Kojiro Alatfukata ift der Name eines japani-
feßen Kunftfreundes und Mäzens, der die Stadt
Eokio mit einem Mufeum europäifcher Kunft zu
befeßenken beabfießtigt, in welchem außer Meifter
der Frühzeit und der Renaiffance auch die mo-
derne Kunft Frankreichs und Englands vertreten
fein wird. Leonce Benedite, der Kuftos des
Rodin-Mufeums hat die Einrichtung der neuen
Sammlung übernommen und bereits bedeutende
Ankäufe gemacht. Unter den erworbenen Kunft-
werken befindet fieß Rodins „Porte d'Enfer", die
für das Mufeum in Eokio zum erftenmal in Bronze
gegoffen wird.
Berlin
Das Kupferfticßkabinett hat eine FJand-
zeießnung Raffaels, den Marienkopf, für das
im Kaifer-Friedrich-Mufeum bewahrte Rundbild
der fog. Madonna del Duca di Eerranuova zum
Gefcßenk erhalten. Die Zeichnung gibt den
Marienkopf mit Metallftift und Koßle wieder.
Ausstellungen
Jubiläums-Ausftellung der Galerie
Commeter-PJamburg
Zur Feier ihres lOOjäßrigenBeftehens hat die
Galerie Commeter in einer feßr Stattlichen
Scßau das Befte von dem gezeigt, das im Laufe
der leßten dreißig Jahre durch ißre Vermittlung
in Fjamburger Privatbefiß übergegangen ift. An
Bedeutung geht die Ausftellung weit über den
Rahmen der gewoßntenVeranftaltungen in Kunft-
falons hinaus.
Klieder zeigt es fieß, daß FJamburg mit Un-
recht im Ruf einer amufifeßen Stadt fteßt. Gewiß
fehlt es hier, Seitdem die Galerie Kleber in alle
Künde verftreut ift, an einer bedeutenden Samm-
lung alter Kunft. Abgefeßen von der Sammlung
Beßrens (zur Zeit in der Kunftßalle ausgeftelit),
mit ißren herrlichen Manet, Renoir, van Gogh,
Cezanne, Daumier und Delacroix, der Sammlung
Rauers, in der Schuch, Kßoma und Erübner
ßerrfeßen, der Sammlung Rauert, wo die Kunft
unferer Zeit eine FJeimftätte gefunden hat, hat
FJamburg kaum Bilderfammler großen Stils. Km
fo größer ift die Zahl derMenfcßen, deren Liebe
450
vergoldeten Eerrakottagruppe (Anna und Maria)
von Giuliani und interessanten FJolzfiguren (Sitzen-
der Mann, um 1700, und König aus dem Morgen-
lande, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts). F)öcßft
wertvoll ift die Erwerbung zweier Füger-Porträts,
eines aus dem Nachlaß Pälffy (Baronin Dupont)
und eines (Die drei Gräfinnen Kßun) als bisher
unbekannte Originalvorlage für das bekannte
Schabkunftblatt von F. Klrenk. Eine Dorfland-
fchaft (Federzeichnung) von Schnorr v.Carolsfeld
vertritt die Füger-Schule, ein Denkmalentwurf
(Jofeph H.) aus dem Kreife Zauners und eine
Bronzebüfte (Graf Stadion) von FJtitter die klaffi-
ziftifche Piaftik. Von den Österreichern des
19. Jahrhunderts Jind besonders ein Damenporträt
von Kreußinger, eine Miniatur (Selbftporträt) und
ein h'StorlSch interessantes Gruppenbildnis (Kliener
Maler, 1842) von Klaldmülier und eine Serie von
Gouache- und Kreidezeichnungen Pettenkofens
(Klidmung CaStiglione) hervorzuheben, ferner
Aquarelle und Studien von Danhaufer, Fendi,
Krafft und Kreml. — Durch die Erwerbung von
Klimts Medizin (dazu eine Reihe von Studien)
konnte eine alte öfterreichifche Schuld einiger-
maßen wettgemacht werden, und auch fonft ift
es zu begrüßen, daß der neueren Kunft eine be-
fondere Aufmerkfamkeit gewidmet wurde. Frei-
lich konnten die Gelegenheiten, die die Galerie-
leitung Seinerzeit infolge des Druckes konserva-
tiver Mächte vorübergehen laffen mußte, nicht
eingeholt werden, und So konnte Sich die Sammler-
tätigkeit im wesentlichen nur auf Studien und
Graphiken befchränken. Immerhin konnten einige
ausgezeichnete und charakteriftifche Gemälde von
Schiele (Bildnis feiner Gattin), Kolig (Klage),
Laske (Kanal in Dortrecht), Nowak (Elbeland-
fchaft) erworben werden. Daß die Staatsgalerie
noch keinen Kokofchka befißt, ift nicht Schuld
der Leitung, aber bezeichnend für die ehemalige
Kliener Kunftclique; einige Zeichnungen müffen
jeßt Erfaß leiften. Auch Andri, der vielverfpre-
chende Kärntner Böckl, Faiftauer, Jungnickel,
Kliegele find neben einigen Alteren (Rudolf v. Alt,
Schuch) in diefer Art neu vertreten. Unter den
Erwerbungen neuerer öfterreichifcherPiaftik (Bar-
wig, Fernkorn, Sturfa, Dr. Klagner, Klollek) müffen
mehrere Gerrakotten und eine „Junge Sphinx"
in Marmor von Anton FJanak, jenem in feiner
Zurückgezogenheit viel zu wenig Beachteten,
als befonders glücklich undlängfterwünfcht her-
vorgehoben werden.
Die ausländifche neuere Malerei ift durch eine
duftige Caprilandfchaft von Blechen, einen FJodler
(Ergriffenheit), eineGewitterlandfcßaft von Kßoma,
einen Munch (Badende Männer am Meer), durch
Miniaturen von Guerard und Ifabeg und Zeich-
nungen von Lifchka, Marees (Bildnis des Barons
Ripp), Melzer, Schadow und Klasmann ergänzt,
in der Piaftik bedeuten dieBildnisbüfte derCiila
Durieux von Barlach und eine weibliche Bronze-
figur von Kolbe neben Gauls großem Efelreiter
und FJallers kauerndem Negerknaben gute Bei-
spiele der in Klien kaum vettretenen deutfeßen
Piaftik. F). G.
Europäifdje Kunft in Japan
Kojiro Alatfukata ift der Name eines japani-
feßen Kunftfreundes und Mäzens, der die Stadt
Eokio mit einem Mufeum europäifcher Kunft zu
befeßenken beabfießtigt, in welchem außer Meifter
der Frühzeit und der Renaiffance auch die mo-
derne Kunft Frankreichs und Englands vertreten
fein wird. Leonce Benedite, der Kuftos des
Rodin-Mufeums hat die Einrichtung der neuen
Sammlung übernommen und bereits bedeutende
Ankäufe gemacht. Unter den erworbenen Kunft-
werken befindet fieß Rodins „Porte d'Enfer", die
für das Mufeum in Eokio zum erftenmal in Bronze
gegoffen wird.
Berlin
Das Kupferfticßkabinett hat eine FJand-
zeießnung Raffaels, den Marienkopf, für das
im Kaifer-Friedrich-Mufeum bewahrte Rundbild
der fog. Madonna del Duca di Eerranuova zum
Gefcßenk erhalten. Die Zeichnung gibt den
Marienkopf mit Metallftift und Koßle wieder.
Ausstellungen
Jubiläums-Ausftellung der Galerie
Commeter-PJamburg
Zur Feier ihres lOOjäßrigenBeftehens hat die
Galerie Commeter in einer feßr Stattlichen
Scßau das Befte von dem gezeigt, das im Laufe
der leßten dreißig Jahre durch ißre Vermittlung
in Fjamburger Privatbefiß übergegangen ift. An
Bedeutung geht die Ausftellung weit über den
Rahmen der gewoßntenVeranftaltungen in Kunft-
falons hinaus.
Klieder zeigt es fieß, daß FJamburg mit Un-
recht im Ruf einer amufifeßen Stadt fteßt. Gewiß
fehlt es hier, Seitdem die Galerie Kleber in alle
Künde verftreut ift, an einer bedeutenden Samm-
lung alter Kunft. Abgefeßen von der Sammlung
Beßrens (zur Zeit in der Kunftßalle ausgeftelit),
mit ißren herrlichen Manet, Renoir, van Gogh,
Cezanne, Daumier und Delacroix, der Sammlung
Rauers, in der Schuch, Kßoma und Erübner
ßerrfeßen, der Sammlung Rauert, wo die Kunft
unferer Zeit eine FJeimftätte gefunden hat, hat
FJamburg kaum Bilderfammler großen Stils. Km
fo größer ift die Zahl derMenfcßen, deren Liebe
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