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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 17
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Pollak, Ludwig: Der Palazzo des Papstes Pius IV.
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Hetzer, Theodor: Zur Gründung der Staatlichen Bildstelle
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0522

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Kunftpolitik

kuppel und den grünen Monte Mario, und wie
viei fcßöner muß fie nocß früher gewefen [ein,
da man über die Wiefen und Vignen bis zur
Engelsburg hinfaß, derFiuß, dem felbftgewäßlten
Lau[e [oigend, nocß nicßt in die Fe[[ein der Kais
einge[d)nürtwar! Von der Loggia ausi[tau[der
einen Seite der Zugang zu dem großen, die ganze
Fiefe des Gebäudes einnehmenden Spei[e[aaie.
Der Beßrer hatte das Giück, ihn mit einer paf-
fenden aiten, [ehr fchönen, das Klappen der
Farnefe zeigenden Boifferie aus der Mitte des
16. Jahrhunderts ausftatten zu können. Rn den
Wänden iäuft ein Freskenfries mit RHegorien
auf das Ffaus Coionna. Durd) die großen Fenfter
geht der Biick auf die Viiia di Papa Giulio und
die hinter ihr geiegene Viiia Borghefe. Ruf der
anderen Seite fchließt [ich an die Loggia eine
Reihe [ehr gefcßmackvoll mit aiten Möbein,
Skuipturen und Biidern ausgeftatteter, nicht zu
großer 3'nimer, die, wie der große ebenerdige
Saai, dem Sgr. Jandoio ais wirklich vornehme
Gefchäftsräume dienen.
So ift nach jahrhundertiangerVernachiäffigung
der Paiazzo Pius' IV. wiedererftanden, und der
jetzige Befißer ßat in feiner Wiedererweckung
zum tätigen Leben der Mitweit ein fcßönesBei-
fpiei gegeben. Cav. Jandoio hatte zwar Vor-
gänger — und charakteriftifcherweife find es
ebenfaiis Rntiquare — in zwei Florentinern, in
Voipi, der den paiazzo Davanzati in der via di
porta rossa reftaurierte und im Stiie der geit ein-
richtete und Bardini, der die Forre dei Gaiio bei
S. Miniato im aiten Gianze wieder ßerftellte. Rber
es fcheint mir, ais ob kein anderer Privater in
Itaiien, von der Regierung abgefeßen, die in
den lebten Dezennien in diefer Richtung viei ge-
tan hat und noch tut, eine fo glückliche Fjand ge-
habt hätte.
Cav. Ugo Jandoio hat fo nicht bioß Rom mit
einem köftlicßen, neugefaßten, fozufagen wieder-
gefundenen Juwei befcßenkt, fondern auch den
Dank eines jeden wahren Freundes und Ver-
ehrers aiter Kunft reichlich verdient.
Ludwig Poiiak.
Kun ft politik
gur Gründung der Staatlichen
BildfteHe
Im Juli hat der Preußifcße Landtag die Er-
richtung einer Staatlichen Biidftelle in Berlin be-
fchioffen. Damit fängt ein Gedanke an Wirk-
lichkeit zu werden, der fcßon vor einer Reihe
von Jahren verfcßiedentlicß aufgetaucht ift. Seit
man begonnen hat, [ich eingehend mit den
deutfchen Kunftdenkmälern zu befchäftigen, ift

von großen Verlagsanftalten, von Photographen,
Kunfthiftorikern und Liebhabern immer mehr
photographiert worden. Es konnte nicht aus-
bleiben, daß zu einem gewiffen Zeitpunkt der
Wunfch entftand, das mannigfach verftreute und
allmählich kaum mehr zu überfehende Material
an einer Stelle zu fammeln, zu ordnen und es
fo allen, die dafür Intereffe haben, bequemer
zugänglich zu machen; mit einem Worte, ein
Photographien-Rrchiv deutfcher Kun ft
anzulegen. Solange es uns gut ging, kam der
Plan freilich nicht über allgemeine Erörterungen
hinaus. Bei dem leichten und billigen Verkehr
zog jeder, der irgend konnte, es vor, an Ort
und Stelle die Dinge zu befichtigen, ftatt fich
mit Photographien zu behelfen; auch mochte es,
als eine Platte noch nicht ein Vermögen koftete,
einfacher erfcheinen, eine Rufnaßme neu zu
machen, als zu ermitteln, ob fie bereits vorhanden
fei. Jeßt ift es anders. Die Schwierigkeit des
Reifens läßt die Photographie eine weit größere
Bedeutung gewinnen, als fie bisher gehabt hat,
und die fchledßten Finanzen verbieten es, die-
felbenGegenftände mehr als einmal aufzunehmen.
Somit wird der Wunfch nach einer gentralftelie,
die einen Überblick über das Vorhandene ge-
währt und die Lücken anzeigt, die auszufüllen
am dringendften ift, zu einem Bedürfnis. Die
Staatliche Biidftelle hat die Rufgabe, diefem
Bedürfnis zu entfprechen.
Obwohl die Biidftelle ihr Entftehen der Rn-
regung von Fachleuten verdankt und in erfter
Linie auch Fachleuten dienen will, fo bleibt doch
ihre Bedeutung keineswegs auf diefe befchränkt.
Das gefammelte und überfichtlich geordnete Ma-
terial wird auch allen denen zugute kommen, die
bei großer Liebe für die deutfeße Kunft fich durch
das zeitraubende und müßfame Suchen bisher ab-
halten ließen, entlegeneren Schüßen naeßzugeßen
und fieß deshalb mit dem bequem Erreichbaren
aber hundertfach Bekannten begnügten. Eine
ißrer Hauptaufgaben erblickt darum die BildfteHe
unter anderem auch darin, Diapofitiv-Leißferien
zufammenzuftelien für Leßranftalten und ge-
meinntißige Unternehmungen jeder Rrt, die es
fieß zum giele gefeßt haben, die Kenntnis
deutfeßer Kunft zu vermitteln.
Die Staatliche Biidftelle weiß woßl, daß es
unter den gegenwärtigen Verßältniffen feßwierig
ift, auch nießt mit den begreiflichen Wünfcßen
mancher beteiligten Volksgenoffen übereinftimmt,
ißre Sammeltätigkeit auf das gefamte Reichs-
gebiet auszudeßnen, fo wie die in der Gründung
ißr vorangegange Biidftelle in Wien es für das
kleinere Öfterreich tun kann. Vor allem will fie
einer füddeutfeßen Biidftelle, deren Gründung

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