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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 18
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Aus der Sammlerwelt und vom Kunsthandel
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0571

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Aus der Sammlerweit und vom Kunfthandel

Angriffe des Berliner Kritikers richten — jeder-
zeit der freudigen guftimmung derjenigen gewiß
fein, denen die Sache der modernen Kunft An-
gelegenheit perfönlicher Überzeugung und Teil-
nahme ift.
Aus der Sammlerwelt
und vom Kun ft Handel
Ein ruffi[d)er Sammler
Nach einer in Moskau eingetroffenen Nach-
richt ift der bekannte Moskauer Sammler Iwan
Abramowitfd) Morofow in Karlsbad im
Alter von 50 fahren verfchieden.
Morofow entftammte einer reichen Familie
Moskauer Großinduftrieller und war in ihrer
Mitte nicht der einzige, welcher fich fchon früh
als Kunftfammler betätigte. Sein älterer, vor
fahren verdorbener Bruder, Michael A. Morofow,
fammelte ebenfalls moderne Franzofen, und die
Tretjakowfche Galerie verdankt feiner Klitwe
u. a. den einzigen in Rußland vorhandenen Manet
(eine unvollendet gebliebene Klirtshausfzene) fo-
wie das lebensgroße Bildnis der Schaufpielerin
feanne Samarg von Renoir.
Die Sammlung Iwan Morofows, welche nach
ihrer Nationalifierung jetp den Titel „I!. Mufeum
moderner weftlicher Malerei" führt, umfaßt zirka
150 Klerke neuefter franzöpfcher Kunft von Monet
bis Picaffo, Derain und Friesz. Sie trägt einen
weniger einheitlichen Charakter als die ihr nah-
verwandte ehemalige Schtfchukinfche Galerie,
und beide ergänzen fich gegenfeitig in ausge-
zeichneter Kleife. Von den Impreffioniften find
bei Morofow befonders gut vertreten Monet,
Sisley und Renoir (die enzückende „Grenouillere"),
von den Neoimpreffioniften in erfter Reihe Pierre
Bonnard mit einer Gruppe von fed)s feinen,
intimen Bildern. Sehr anfprechend ift auch fein
großes, dreiteiliges Klandgemälde, welches das

Treppenhaus desMorofowfchen Palazzo fehmüdet,
und diefe dekorative Aufgabe in der Tat in
mufikaiifch-rhythmifcher Kleife, ohne jede Auf-
dringlichkeit erfüllt. Dagegen läßt die Serie von
fechs großen, fchwerfälligen Panneaux des Mau-
rice Denis im ehemaligen Konzertfaale des Fjaufes,
den Mythos von Amor und Pfyche illuftrierend,
den Befchauer ganz kalt. Ein ftarkes Können und
vielGefchicklichkeit fällt in die Augen, aber all-
zuviel Eklektizismus ohne jedwede innere Klärme
läßt eine rein künftlerifcße Klirkung nicht auf-
kommen. Den Glanzpunkt der Sammlung bilden
die drei Künftler, die wir als Dreigeftirn in einem
Atem zu nennen gewohnt ßnd — Cezanne,
Gauguin, van Gogh- herrliche Landfchaften des
erfteren, Stilleben und figürliche Kompoßtionen
zeigen den Meifter von Aix in all feinen Etappen.
Gegen die elf Gauguins und 17 Cezannes fallen
die fünf Bilder van Goghs etwas ab, aber dar-
unter befinden ßd) das bekannte „Nachtcafe" mit
dem grell beleuchteten Billard, die „Ronde des
prisonniers" und die prächtige „Landfchaft in
Auvers nach dem Regen". Nicht zu vergeffen
ift auch Maillol, deffen vier lebensgroße Bronze-
figuren nebft einer Anzahl kleinerer Statuetten
einen erfchöpfenden Begriff feiner meifterhaften
Bildhauerkunft geben.
Der verftorbene J. Morofow hat auch viel mo-
derne Ruffen gekauft, und z. B. Konftantin Ko-
rowin fowie Golowin ßnd fonft nirgends fo reich-
lich vertreten wie in diefer Sammlung. P. E.
Berlin
Kunfthändler Arnhold Blumenreich bittet
uns um Veröffentlichung folgender Notiz:
Vor einigen Klochen entwendete ein Schwindler,
der ßch als Antiquitätenhändler Elfried Nowok
ausgab, zwei Bleiftiftzeichnungen von Adolph
Menzel im Klerte von M. 10000.—, von denen
die eine einen Marktplat; mit Brunnen und

KUNSTAUKTtON XVH!
24. bis 26. Oktober 1921
Kupferstiche - Radierungen - Hoizschnitte - Handzeichnun^en
des XV. bis XVltl. Jahrhunderts, darunter große Kollektionen von
Dürer, Rembrandt, (100 Nrn.), Kteinmeister, Ostade, Demarteau (100 Nrn.) u. a.
Katatog mit 1960 Nummern und 30 Tafetn Abbildungen durch
HOLLSTE1N&PUPPEL :: BERL1NW15
Tei. Steinplatz Nr. 1105 KUNSTANT!QUAR!AT MeinekestraßeNr. 19

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