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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 20
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0629

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AusfteHungeri

imprefponiftifcher 3eit, unter denen ein kraft-
voties Frauenbiidnis hcrvorfticht, iäßt den un-
geheuren Auffchwung feiner Kunft in den we-
nigen Jahren, die feinem Schaffen vergönnt
waren, deutlich erkennen. Den großen Ölbildern
reihen pd) die farbenfunkeinden Aquarelle würdig
an. Seine lebten, im Sommer 1914 gefchaffenen
(Herke, in denen der Einßuß Renoirs zu [puren
ift, zeigen ihn in Abkehr von dekorativer Flächen-
haftigkeit auf neuen Bahnen zu einem male-
rifchen Stil, was heute, da ähnliche Tendenzen
wieder ftärker hervortreten, feftzuftellen inter-
eftant genug er^einen mag. g,^ , p,,g
g e r b ft
Im hiepgen herzoglichen Schloß ift foeben das
Anhaltifche Landesmufeum eröffnet wor-
den, das in vier abgefchloffenen Abteilungen,
bildende Kunft, Heimatkunde, Naturwiffenfchaften
und Prähiftorie, den Bept; des Landes auf diefen
Gebieten in vorbildlicher (Heife zur Anfchauung
bringt. Die anhaltifche Kunft- und Denkmal-
pßege hat damit den feit Jahrzehnten ziemlich
verwahrloften, tro^dem aber wegen feiner Innen-
architektur bedeutenden Bau einer fchönen Kultur-
aufgabe dienftbar gemacht.
Ausheilungen
Frankfurter Kunftfdjau
Unter der Fülle der künftlerifchen Gepchte, die
pd) in diefen Meßetagen in Frankfurt auftun,
ift die repräfentativfteVeranftaltung die Kunft-
meffe im Römer, die als rein künplerifcher
Auftakt die Antiquitäten- und Kaufmeffe ein-
leiten und pe als Programm von vorbildlicher
Qualität begleiten foll.
Über demUhema „Deutfche, mittelalter-
liche Kunft" ftand aber diefes Mal kein allzu
günftiger Stern. Es erweift pd) zugleich als zu weit
und als zu eng für eine Ausftellung, die ein ein-
heitliches Bild, eine feierliche Darbietung der
größten deutfehen Kunftvergangenheit bieten will.
Der Eindruck ift nicht nur deshalb beeinträchtigt,
daß die befte, mittelalterliche Plaftik, die aus
Frankfurter Privatbep^ zu erreichen gewefen
wäre, bereits in der fd)önen Schau mittelalter-
licher Plaftik im Kunftverein untergebracht war,
fondern aud) dadurch, daß pe in unsicherer
(Heife halb als Lehr- und Entwiddungsüberpcht
über mittelalterliche Plaftik und (Handmalerei,
halb als Ausftellung von zufällig erworbenen
Originalkunftwerken (einzelnen Bildern, Plaftiken,
Qandfchriften, Gobelins, Kirchengewändern und
Lederarbeiten) zufammengebraebt ift. Gipfel-

punkt des Intereffes bieten die frühen Codices
und vier (Handbehänge, von denen „Die An-
betung des Kindes" (füddeutfd) um 1400) und
der „(Halpurgisteppid)" (füddeutfd) um 1460)
von befonderer Schönheit, Klarheit der Farben
und im ßäd)enhaften Aufbau von größter Macht
und Lebendigkeit des Ausdrucks pnd.
Aus der Reihe der Holzfkulpturen feien zwei
grandios gefaßte, pehende Heiligenpguren (füd-
deutfd), Anfang des 16. Jal)rh-, J- u. S. Gold-
fchmidt) genannt, ein einfaches (Herk aus der
erpen Hälfte des 13. Jahrhunderts .Palmefel"
(Seligmann-Kopp), deffen thronender Chrßtus auf
dem einfältig gefehenen Efelvehikel von edler
und großer Gefd)!offenheit ip, dann eine bäue-
rifche Darftellung .Chriftus im Garten Gethfemane"
(fränkifcher Meifter um 1520) von breiter Fülle.
Daneben wirken mit ungeheurer Monumen-
talität die Gipsabgüße der Kirchenfkulpturen vom
Bamberger Dom, der goldenen Pforte zu Frei-
berg, dem hl. Grab zu Freiburg und dem Freiburger
Münfter (aus dem Bept; des kunphiftorifchen
Mufeums in Frankfurt). Die Reproduktionen
der Fresken aus St. Georg von Oberzell (Rei-
chenau), die im 20. Jahrhundert von Schilling
ausgeführt wurden, geben nur den formalen
Abriß des Eindrucks. Aber Kopien der (Hand-
gemälde von Ilbenftadt (Heffen,14.Jahrl)., „Marter
der 3el)ntaufend" und „Paßionszyklus") und
Hirfchhom amNcckar(„Paßionszyklus", 14.Jahrh.)
vermitteln noch durch die Reproduktion hindurch
ihren melodiöfen Rhythmus, ihre intuitive Fein-
heit. Einige Bilder, Originalfenper, Abbildungen
von Glasgemälden und eine kleine Sammlung
kirchlicher Gewänder beleben mitfarbigen Klängen
(Hände und Vitrinen. Man vermißt (Hiedergabe
der mittelalterlichen Architektur, die Fundament
und Gerüft aller mittelalterlichen Kunft ift.
Im weiten Erdgefchoß des Römers haben Kunft-
händler ihre reichgefüllten ßelte aufgefchlagen.
Man fieht reinfte Stilmöbel neben leicht kitfd)igen
Nachahmungen und hat die Freude des (Hühlens
und Sonderns. Der Glanz des Raumes umfchüeßt
Käufliches und Künftlerifchcs mit prachtvoll ge-
fälligem Rahmen. Die Kunfthändler Louis Ri-
card Nachfolger, (Halter Carl, Seligmann-Kopp,
Dr. Mainz bieten ausgewählte Kunftgegenftände.
Als Fortfe^ung der verfd)iedenen, mittelalter-
lichen Aufteilungen in Frankfurt bietet die Kunft -
handlung (Halter Carl zur 3eit in ihren Salons
eine Schau von Barockfkulpturen. Von feltener
Originalität find zwei überlebensgroße Figuren
in Holz, Maria und Johannes unter dem Kreuze.
Der ekpafifche (Hurf bewegter Gewänder und
Falten erinnert, wie feiten in der Plaftik, an die
EmpfindungsweltGrecos: diefelbe Mifchung von

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