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Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921

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Heft 20
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Neue Graphik
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Neue Bücher
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0632

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Neue Büd)er

der vorliegenden forgfältigen und mit ficherem
Gefchmadce ausgeführten Ausgabe einen be-
fonders fd)önen Beweis für die fortwirkende
Kraft der Jahrhunderte alten Dichtung darftellt
und zu ihrer weiteren Vertiefung beiträgt.
Die (Uerkgemeinfchaft (Uorpswede, über deren
3ie!e wir bereits vor einigen Monaten anläßlich
der Verausgabe des erften Klerkes diefer den
alten Kupferftich wieder zu Ehren verhelfenden
Künftlergruppe ausführlich berichtet haben, tritt
foeben mit dem zweiten Klerke ihrer Stecher-
preffe, einer Mappe mit fechs geftochenen Köpfen
von C. E. Uphoff an die Öffentlichkeit. Die
ungemein fubtile Technik, die Uphoff feinen
KIerken ftets meifterüch anzupaffen verfteht, er-
geht fich in den feinften Linienführungen, fo daß
man diefe Blätter eine Linienfymphonie nennen
könnte, wobei allerdings der lebendige Ausdruck
nicht ganz zu feinem Rechte kommt. Die le^te
Steigerungsmöglichkeit wird in den vom Künftler
handkolorierten Exemplaren erreicht. Die Farbe
vertieft oft die Ulirkung, ohne dabei den Blät-
tern den graphifchen Charakter zu benehmen.
Mit befonderer Freude begrüßt man diefe ge-
funde, gediegene pandwerklichkeit, die fich
mancher jüngere Künftler, ehe er an die Öffent-
lichkeit drängt, wenigftens bis zu einem ge-
wiffen Grade aneignen follte. Erfreulich ift auch
der billige Preis der Mappe, die nur 200 Mark
koftet, während die Einzelblätter mit 60 Mark,
die handkolorierten mit 100 Mark abgegeben
werden. Auch dies ein nachahmenswertes Vor-
bild. K. S.
pelmut vom pügel veröffentlicht „Le-
genden" mit einem Vorwort von Klilhelm
Uh de durch -Die Freude" (Burg Lauenftein,
Oberfranken). Diefe 10 Originallithos in neu-
romantifchem Stil find von mondäner Grazie
aus einer Kielt, wie etwa die der Laurencin,
nur, daß anftelle des formalen Raffinements der
Franzöfin fentimental fefmfüchtige Erotik tritt.
Die Abenteuer des perrn Tartarin aus
Tarascon von Daudet erfcheinen in einer
liebenswürdigen Ausgabe, von Kl ab und über-
fe§t und mit ganzfeitigen Lithographien und
Vignetten von George Grosz geziert (Verlag
Erich Reiß, Berlin 1921). Man [ieht Grosz be-
müht, feinen radikalen Stift ins Gutmütig-Bur-
leske zu fänftigen. Es ergibt fich immer noch
eine kleine Differenz zwifchen dem füdlich fül-
ligen Temperament des (Uerkes und dem fach-
lichen und bitteren pumor des Zeichners. An
[ich aber bieten die Blätter von Grosz in ihrer
zugleich lapidaren und minutiöfen pandfchrift aus-
gefeimte, geiftgeformte llluftrationskunft. S. Sch.
598

Neue Bücher
Moderne Kunftliteratur
P#n/Co/zn, JazzzesA/zsor. Azz/orzszer/eGPe;'-
/rzzjzzzzg-^ozzT/ozzsJn/coP. AM7^AMz'PAm^en.
Gzzs/zzy AP/wzMzzcr, Ve/Pzg*. Potsdam 792/.
Pes ecrzls cfe James A/zsor. Avec 99
z/zzc/zozzs c/'apres /es c/essms or/^maax c/a peäzfre.
AMKons „Se/ecP'oa". Araxe/Ies.
PeopoM Zzz/z/z, Paa^ AVee. PePezz, IVerP,
Gezs/. Gas/a^ Aze/zeaPeaer Ver/a^*. Po/s-
z/aaz 7929.
Paul Colin, uns Deutfchen wohlbekannt, per-
ausgeber der geiftig ausgezeichnet geleiteten
Brüffeler Klochenfchrift „L'art libre" hat über
feinen Landsmann, den nunmehr 61 Jahre alten
James Enfor, ein Bekenntnisbuch von fym-
pathifchfter paltung und nicht gewöhnlichem
inneren Format gefchrieben und in einem deut-
fchen Verlag herausgebracht. Enfor ift uns
Deutfchen längft kein Fremder mehr. Schon vor
einem Jahrzehnt hat perbert von Garvens in einer
kleinen feinen Veröffentlichung das Bild diefes
Malers aus Oftende zu prägen verfud)t und da-
mals gleichzeitig einige pauptwerke und den
größten Teil des graphifchen HIerkes von Enfor
für feine Sammlung erworben. Tro^dem ift Colins
Buch zeitgemäß wie kaum ein anderes und ficher
für die richtige Einteilung diefer Kunft gegen-
über fortan grundlegend. Colin verfucht, den
Maler und fein (Uerk aus dem Menfchen Enfor
und feinem Milieu zu erklären. Er gibt ein-
leitend ein kurzes Kapitel belgifcher Kunftge-
fchichte des 19. Jahrhunderts, erinnert an die
1884 erfolgte Gründung der Künftlergruppe „XX",
der Enfor am längften angehört hat, und an die
„Libre Efthetique", deren Türken nicht minder
wichtig war. Er fdßildert uns den Charakter
diefes verfchloffenen, nach innen gekehrten Fla-
men, deffen Leben eine bürgerliche Kritik ver-
giftet hat, und er wehrt fich gegen jene ein wenig
oberflächlichen Parallelen, die Enfors Namen
immer wieder mit dem alten Brueghel, fogar mit
pogarth, feltener mitCallot und Goya in Beziehung
gebracht haben. Mag man fich — wie immer man
will — zu diefem Standpunkt ftellen, unleugbar
ift trotzdem Enfor Sproß des gleichen Bodens,
dem einmal der alte Bauernmaler auf der einen,
Dichter wie De Cofter und der junge Cromme-
lynck auf der andern Seite erwachfen find. Darin
eben erweift fich die zeugende Urkraft eines
Stammes, daß gewiffe foziologifchc Grundlagen,
die der Boden eines Landes verfließt, künft-
lerifch — auch über die Jahrhunderte hinweg —
immer wieder nach Manifeftation verlangen
 
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