Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 13.1921
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https://doi.org/10.11588/diglit.27278#0648
DOI issue:
Heft 21
DOI article:Sydow, Eckart von: Westafrikanische Gebrauchskunst
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(üeftafrikanifche Gebraucbskunft
N// Von ECM4/?r SVDOW
1% /Fan follte fict) den zu allgemeinen Ausdruck „Negerkunft" abgewognen. In der
\/j Völkerkunde ift [d)on lange das große Gebiet Afrikas in mehrere Riefenbezirke
aufgeteilt worden, unter denen das fog. (Ueftafrika am intereffanteften ift durch)
die verhältnismäßige Einheitlichkeit feiner Kultur und ßivilifation. Das was wir fo in
der Vorftellung haben, wenn wir von „Negerkunft" reden: Masken, verzierte Stütze,
Gefäße ufw., — all das kennzeichnet die weftafrikanifche Sphäre. Das Unangenehme
diefes Ausdrucks ift nur, daß er geograpßifch nicht ganz richtig ift. Denn „(üeftafrika"
umfaßt nicht etwa den weftlichen Küftenftrich Afrikas, fondern vor allem einen großen
Geil Innerafrikas: das Kongogebiet, und greift dann nach Norden zu um die Küfte von
Oberguinea hemm über Kamerun und Nigerien bis Liberia hin. Es find alfo haupt-
fächlich die Stromgebiete des Niger und des Kongo und zwifchen ihnen das Kameruner
Gebiet gemeint*. Oft- und Südafrika ift fo gut wie kunftlos. Und der nördliche Geil
des Erdteils gehört afiatifchen Kultureinßüffen an.
„Gebrauchskunft" .... Vielleicht kann man überhaupt diefen Germinus verwerfen.
Denn allerdings ift die ganze Negerkunft irgendwie mit dem ßweckhaften, dem Ge-
i Vgl. hierzu Leo Frobenius, „Der Urfprung der Afrikanifcben Kulturen" (1898, Berlin) und
B. Ankermann, „Kulturkreife und Kulturfctuchten in Afrika" (geitfehr. f. Ethnologie, 37. Bd., 1903).
614
Abb. 1. Schwarzes Congefäß. Kamerun (Grasland).
BerünerVölkerkunde-Mufeum.
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1% /Fan follte fict) den zu allgemeinen Ausdruck „Negerkunft" abgewognen. In der
\/j Völkerkunde ift [d)on lange das große Gebiet Afrikas in mehrere Riefenbezirke
aufgeteilt worden, unter denen das fog. (Ueftafrika am intereffanteften ift durch)
die verhältnismäßige Einheitlichkeit feiner Kultur und ßivilifation. Das was wir fo in
der Vorftellung haben, wenn wir von „Negerkunft" reden: Masken, verzierte Stütze,
Gefäße ufw., — all das kennzeichnet die weftafrikanifche Sphäre. Das Unangenehme
diefes Ausdrucks ift nur, daß er geograpßifch nicht ganz richtig ift. Denn „(üeftafrika"
umfaßt nicht etwa den weftlichen Küftenftrich Afrikas, fondern vor allem einen großen
Geil Innerafrikas: das Kongogebiet, und greift dann nach Norden zu um die Küfte von
Oberguinea hemm über Kamerun und Nigerien bis Liberia hin. Es find alfo haupt-
fächlich die Stromgebiete des Niger und des Kongo und zwifchen ihnen das Kameruner
Gebiet gemeint*. Oft- und Südafrika ift fo gut wie kunftlos. Und der nördliche Geil
des Erdteils gehört afiatifchen Kultureinßüffen an.
„Gebrauchskunft" .... Vielleicht kann man überhaupt diefen Germinus verwerfen.
Denn allerdings ift die ganze Negerkunft irgendwie mit dem ßweckhaften, dem Ge-
i Vgl. hierzu Leo Frobenius, „Der Urfprung der Afrikanifcben Kulturen" (1898, Berlin) und
B. Ankermann, „Kulturkreife und Kulturfctuchten in Afrika" (geitfehr. f. Ethnologie, 37. Bd., 1903).
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Abb. 1. Schwarzes Congefäß. Kamerun (Grasland).
BerünerVölkerkunde-Mufeum.


