Die 3eit und der Markt
Kun ft politik
Kun[t-undKulturpropaganda
in Amerika
Aus New York berichtet unfer [tändiger Ver-
treter: Seit längerer geit find mehrere gute Kenner
des neuen deutfcben Kunftgewerbes, unter aktiver
Beihilfe des Werkbundes eifrig daran tätig,
in New York und anderen amerikanifchen Städten
eine Ausftellung deutfchen Kunftgewerbes zu
veranftalten, deren ßweck es fein foll, die 1914
abgebrochenen Fäden wieder anzuknüpfen, die
damals die künftlerifch feßr erfolgreiche deutfche
Kunftgewerbeausftellung unter der Ägidie des
Folkwang-Mufeums und des Leiters desßiefigen
Newart-Mufeums, Mr. Dana, gefponnen hatte.
Diefelben bewährten und, was noch immer
hier (und wohl auch anderswo im ehemaligen
„feindlichen Auslände") von größter (Dichtigkeit
ift, vorfichtigen Männer bemühen fich jet$t wieder
um die gleiche Sache, die, um Erfolg zu haben,
von hier aus geleitet werden muß, da nur fo
allerlei Irrtümer vermieden werden können. Daß
man in maßgebenden deutfchen Kreifen von der
Tätigkeit diefer Männer das Befte erhofft, be-
weifen die folgenden 3eilen aus einem fehr in-
ftruktiven Artikel des Dr. EßeodorFjeuß in Nr. 16
des „Auslanddeutfchen", den er „Auslanddeutfcß-
tum und Qualitätarbeit" betitelt. Es heißt da
gegen den Schluß zu: „ln den Vereinigten Staaten
wird, getragen von der Initiative dortiger Werk-
bundfreunde, eine kleine erlefene Ausftellung in
einigen Städten gezeigt werden, und auch mit
Südamerika find fchon verheißungsvolle Be-
ziehungen angeknüpft; fie können nur gedeihen
wenn dasAuslanddeutfchtum fich ihrer annimmt,
ßu einer phrafenhaften .Kulturpropaganda' im
franzöfifchen Stil hat Deutfchland weder 3eit
noch Geld, hat auch wenig Gefchick dazu (wie
wenig, davon könnte man hier gerade in Amerika
ein langes und gar trauriges Lied fingen!); es
muß feine .moralifchen Eroberungen' in der (Heit
durch Leitungen machen."
(Während nun hier alles vorbereitet wird und
man nur auf den „pfgcßologifcßen Augenblick"
wartet, um mit der Ausftellung zu beginnen,
wird einem ein Profpekt ins F)aus getragen, der
das ganze mit folcher Mühe aufgebaute Funda-
ment zu zerfcßlagen droht. Diefer Profpekt
nämlich handelt von einer „Gefelifchaft für
deutfche Kunft- und Kultur-Propaganda m. b.F).",
und ihr Siß ift in München. Sie will fich, wie
es in ihrem Profpekt heißt, vor allem auf die
690
deutfeh-amerikanifeßen Kreife ftüßen, und hat
zu ihren „Förderern" die Prinzeffin Pilar von
Bagern und den Fürften von Eßurn und Eaxis
erwählt. (Das diefe Fierrfcßaften mit dem deut-
fchen Kunftgewerbe zu tun haben, weiß wohl
kaum jemand. Daß ißr Fjoßeits- und „Durcß-
lauchten"tum auf die Amerikaner aber einen
feltfamen Eindruck machen muß, die von einem
republikanifcßen Deutfcßland gelefen haben,
deffen follten fich diefe Fjerren denn doch be-
wußt fe,in. Docß es gibt offenbar bei uns nur
zu viele Bourbonen, die auch nichts gelernt und
nichts vergeffen haben. Denn daß man die Prin-
zeffin Pilar deswegen zur Kunftförderin erwählt
ßat, weil fie ein wenig in Öl dilettiert und u. a.
auch zwei Gemälde im Frühjahr hier auf einer
„Münchner Dult" ausgeftellt hatte, damit fie für
einen Woßltätigkeitszweck verkauft würden, was
ja fehr menfcßenfreundlicß war, ißre Farben-
mufik aber noch zu keiner guten machte, das
kann man docß kaum für möglich halten; denn
ßöcßftens könnte man auf fie den bekannten
klugen Ausfprucß eines ßofmännifeßen Künftlers
anwenden, daß fie für eine Prinzeffin recht
Anerkennenswertes feßaffe! Bleibt aljo nur die
alte, vorköniglicße Servilität übrig, die immer ein
paar Fjoßeiten zum Kaßbuckeln da haben muß.
Welcherart das Kunftgewerbe fein dürfte, das
diefe Fjerrfcßaften außer Landes fenden wollen,
um dort „Kunft- und Kulturpropaganda" zu
treiben, kann man fich ja ungefähr vorftellen.
Aber das wäre noch nicht das Scßlimmfte. Sie
werden jedoch, allein feßon durch den unglück-
felig und dabei vielleicht ganz bewußt gewählten
Eitel ihrer Gefelifchaft, der Preffe und allen feind-
lich gefinnten Kreifen im Auslande die befte Waffe
in die Qand geben, um alle Verfucße, deutfeße
Kunft wieder einzuführen, durch den alten
Kampffcßrei gegen die deutfeße „Kultur" und
die deutfeße „Propaganda" oßne weiteres zu-
nichte machen zu können. Und man fei fich in
derFjeimat darüber ganz klar, daß nur zu viele
Leitungen fich diefen fetten Biffen nicht ent-
gehen laffen werden. So werden diefe Münchner
Fjerrfcßaften, die fiel) offenbar Scheuklappen vor
die Augen und Watte in die Oßren gefteckt
haben und niemals auch nur auf die Idee ver-
fallen find, beim Werkbund ißres Unternehmens
wegen anzufragen, wahrhaft gemeingefähr-
lich für die gefamten deutfeßen Intereffen im
Auslande. Wenn fie meßr oder weniger alt-
modifeßes Kunftgewerbe den fogenannten, ja in
der Eat recht geduldigen Deutfcß-Amerikanern
aufßalfen wollen als eine Art Vereinsmeierei oder
Kun ft politik
Kun[t-undKulturpropaganda
in Amerika
Aus New York berichtet unfer [tändiger Ver-
treter: Seit längerer geit find mehrere gute Kenner
des neuen deutfcben Kunftgewerbes, unter aktiver
Beihilfe des Werkbundes eifrig daran tätig,
in New York und anderen amerikanifchen Städten
eine Ausftellung deutfchen Kunftgewerbes zu
veranftalten, deren ßweck es fein foll, die 1914
abgebrochenen Fäden wieder anzuknüpfen, die
damals die künftlerifch feßr erfolgreiche deutfche
Kunftgewerbeausftellung unter der Ägidie des
Folkwang-Mufeums und des Leiters desßiefigen
Newart-Mufeums, Mr. Dana, gefponnen hatte.
Diefelben bewährten und, was noch immer
hier (und wohl auch anderswo im ehemaligen
„feindlichen Auslände") von größter (Dichtigkeit
ift, vorfichtigen Männer bemühen fich jet$t wieder
um die gleiche Sache, die, um Erfolg zu haben,
von hier aus geleitet werden muß, da nur fo
allerlei Irrtümer vermieden werden können. Daß
man in maßgebenden deutfchen Kreifen von der
Tätigkeit diefer Männer das Befte erhofft, be-
weifen die folgenden 3eilen aus einem fehr in-
ftruktiven Artikel des Dr. EßeodorFjeuß in Nr. 16
des „Auslanddeutfchen", den er „Auslanddeutfcß-
tum und Qualitätarbeit" betitelt. Es heißt da
gegen den Schluß zu: „ln den Vereinigten Staaten
wird, getragen von der Initiative dortiger Werk-
bundfreunde, eine kleine erlefene Ausftellung in
einigen Städten gezeigt werden, und auch mit
Südamerika find fchon verheißungsvolle Be-
ziehungen angeknüpft; fie können nur gedeihen
wenn dasAuslanddeutfchtum fich ihrer annimmt,
ßu einer phrafenhaften .Kulturpropaganda' im
franzöfifchen Stil hat Deutfchland weder 3eit
noch Geld, hat auch wenig Gefchick dazu (wie
wenig, davon könnte man hier gerade in Amerika
ein langes und gar trauriges Lied fingen!); es
muß feine .moralifchen Eroberungen' in der (Heit
durch Leitungen machen."
(Während nun hier alles vorbereitet wird und
man nur auf den „pfgcßologifcßen Augenblick"
wartet, um mit der Ausftellung zu beginnen,
wird einem ein Profpekt ins F)aus getragen, der
das ganze mit folcher Mühe aufgebaute Funda-
ment zu zerfcßlagen droht. Diefer Profpekt
nämlich handelt von einer „Gefelifchaft für
deutfche Kunft- und Kultur-Propaganda m. b.F).",
und ihr Siß ift in München. Sie will fich, wie
es in ihrem Profpekt heißt, vor allem auf die
690
deutfeh-amerikanifeßen Kreife ftüßen, und hat
zu ihren „Förderern" die Prinzeffin Pilar von
Bagern und den Fürften von Eßurn und Eaxis
erwählt. (Das diefe Fierrfcßaften mit dem deut-
fchen Kunftgewerbe zu tun haben, weiß wohl
kaum jemand. Daß ißr Fjoßeits- und „Durcß-
lauchten"tum auf die Amerikaner aber einen
feltfamen Eindruck machen muß, die von einem
republikanifcßen Deutfcßland gelefen haben,
deffen follten fich diefe Fjerren denn doch be-
wußt fe,in. Docß es gibt offenbar bei uns nur
zu viele Bourbonen, die auch nichts gelernt und
nichts vergeffen haben. Denn daß man die Prin-
zeffin Pilar deswegen zur Kunftförderin erwählt
ßat, weil fie ein wenig in Öl dilettiert und u. a.
auch zwei Gemälde im Frühjahr hier auf einer
„Münchner Dult" ausgeftellt hatte, damit fie für
einen Woßltätigkeitszweck verkauft würden, was
ja fehr menfcßenfreundlicß war, ißre Farben-
mufik aber noch zu keiner guten machte, das
kann man docß kaum für möglich halten; denn
ßöcßftens könnte man auf fie den bekannten
klugen Ausfprucß eines ßofmännifeßen Künftlers
anwenden, daß fie für eine Prinzeffin recht
Anerkennenswertes feßaffe! Bleibt aljo nur die
alte, vorköniglicße Servilität übrig, die immer ein
paar Fjoßeiten zum Kaßbuckeln da haben muß.
Welcherart das Kunftgewerbe fein dürfte, das
diefe Fjerrfcßaften außer Landes fenden wollen,
um dort „Kunft- und Kulturpropaganda" zu
treiben, kann man fich ja ungefähr vorftellen.
Aber das wäre noch nicht das Scßlimmfte. Sie
werden jedoch, allein feßon durch den unglück-
felig und dabei vielleicht ganz bewußt gewählten
Eitel ihrer Gefelifchaft, der Preffe und allen feind-
lich gefinnten Kreifen im Auslande die befte Waffe
in die Qand geben, um alle Verfucße, deutfeße
Kunft wieder einzuführen, durch den alten
Kampffcßrei gegen die deutfeße „Kultur" und
die deutfeße „Propaganda" oßne weiteres zu-
nichte machen zu können. Und man fei fich in
derFjeimat darüber ganz klar, daß nur zu viele
Leitungen fich diefen fetten Biffen nicht ent-
gehen laffen werden. So werden diefe Münchner
Fjerrfcßaften, die fiel) offenbar Scheuklappen vor
die Augen und Watte in die Oßren gefteckt
haben und niemals auch nur auf die Idee ver-
fallen find, beim Werkbund ißres Unternehmens
wegen anzufragen, wahrhaft gemeingefähr-
lich für die gefamten deutfeßen Intereffen im
Auslande. Wenn fie meßr oder weniger alt-
modifeßes Kunftgewerbe den fogenannten, ja in
der Eat recht geduldigen Deutfcß-Amerikanern
aufßalfen wollen als eine Art Vereinsmeierei oder


