Ausheilungen
Von Künstlern und Gelehrten
rückt Feininger in den Mittelpunkt der künft-
lerifchen Gegenwart; denn in [einen reifen (Gerken
treten bereits die Grundlinien jener neuen Klaffik
klar zutage, die beute fcbon überall im (Gerden
ift, und deren Aufgabe es fein wird, die großen
Errungen fcbaften des Expreffionismus auszubauen
und zu befeftigen, indem fie die Fülle der neuen
Ideen und Formen zu einem geordneten Syftem
zufammenfaßt. Seltfam genug ift fein (Geg: der
führt in fteiler Kurve vom Karikaturiften und
(Gi^blattzeichner der „Fliegenden" zum Erbauer
mgftifcberBildarcbitekturen, von groteskem Fjumor
zu fcbweigendem Ernft. von plakatßafter Bunt-
heit zu gedämpfter Farbenglut, von nervös lauter
Bewegtheit zu eifigklarer Gektonik. Befonders
in feinen Aquarellen hat [ich die romantifche
Seite feines (Gefens bis heute erhalten: hier einen
[ich die fchwebende Zartheit des Strichs mit der
verhaltenen Leuchtkraft der Farbe zu einer (Gir-
kung von oft traumhafter Pbantaftik. Das Ent-
fcheidende find aber die großen Gemälde, denen
in der Graphik die Kohlezeichnungen am näcbften
fteben; wie er hier feine Vißonen in die ftrenge
Ordnung von horizontalen und Vertikalen bringt,
wie er alle Erfcbeinungen in farbige Flächen
aufteilt, die bald in metallifchem Glanze febim-
mern, bald wie von innen durchglüht in gläferner
Granfparenz aufleuchten, wie er den Raum in
großen, klar umgrenzten Raumkuben hiuterein-
anderfebiebtet und fo in geometrifeber Eindeutig-
keit realifiert — in all dem offenbart [ich ein
völlig neues Gefühl für den gefe^mäßig-organi-
feben gufammenbang, die kriftallinifche Grform
alles Seienden.
Es ift nicht möglich, im Rahmen eines kurzen
Referats die Ausftellung im einzelnen zu würdigen.
Nur einige (Gerke feien kurz genannt: aus der
„Frühzeit" vor allem die „Dämmerung": eine
Straße mit blauen Eäufern unter grünem Fjimmel,
dazwifeßen allerlei groteske Geftalten. Aus der
fpäteren 3eit: das kleine, in den Farben befonders
köftliche „Am Quai"; die beiden Faffungen Gel-
meroda I und VH, die den (Geg von relativer
3erfe§tbeit zu abfoluterGefchloffenheit gut ver-
deutlichen; ferner die von ftärkfter Richtungs-
kraft erfüllte „Landftraße". Aus den lebten Jahren
endlich die in ideenbafter Klarheit gefebaute
„Brücke" (19i8) f<)wie der„Plah an der Kirche"
und die „Parifer Fjäufer", die in der myftifcben
Leuchtkraft der Farbe anRembrandt gemahnen.
P.
Magdeburg
Im biefigen Kunftverein ift gegenwärtig eine
inftruktive und vorbildlich zufammengeftellte Aus-
ftellung neuerer deutfeber Malerei zu fehen, in
deren Mittelpunkt die Künftler der „Brücke"
und einige der ihnen gleichgerichteten Maler
fteben. Neben Pecbftein, Schmidt-Rottluff,
Kirchner, hecke!, Qtto Müller treten die
Rheinländer Cbriftian Roblfs und Heinrich
Nauen bedeutend hervor. Von den nordifchen
Künftlern erfebeinen Emil Nolde und Paula
Moderfobn als zwei wuchtige Repräfentanten
der 3eit. Sehr gut find auch Kokofchka (mit
einer wundervollen Alpenlandfchaft), Franz
Marc und nicht zu!e$t Campendonk, Klee
und Feininger vertreten. Die Ausftellung ift
in diefer Gefchloffenheit ein Dokument unzwei-
deutiger Größe im Einblick auf den künftierifeben
(Gitlen der Gegenwart und bedeutet für das fonft
durchaus provinzielle künftlerifcbeLeben der Stadt
Magdeburg ein nicht alltägliches Ereignis. r.
Wiesbaden
Die Dezember-Ausftellung bringt neben rück-
ficbtlicb — weihnachtlich — lokalifchen Kunft-
werken neue Arbeiten von Mulot, (Golff-
Malm und einem jungen, zum erftenmal an die
Öffentlichkeit tretenden Mainzer Maler (Galter
(Girfcbinger, deffen Landfcbaften fowohl als
figürliche Studien Intereffe erwecken. (Girfcbinger
wählt den Affekt als Mittel feelifcher Offen-
barung, allen Ausdruck auf eine Gebärde ftei-
gernd; in der Landfchaft folglich die Stimmung
als Mittel der kosmifeben Pfycbe, beides mit
einem 3'dbewußtfein, das uns fühlen läßt, daß
hier eine Perföniicbkeit Anftalten macht, pd)
durepzufe^en. d).
Von Künftlern und Gelehrten
Der Erpnder des Meßbildverfahrens und Be-
gründer der preußifeben Meßbildanftalt. Geh-Bau-
rat Albrecht Megdenbauer, ift 88 Jahre alt
kürzlich in Godesberg geftorben. — Der Maler
Ifidor Kaufmann, bekannt durch feine Porträts
undGenrebilder aus demjüdifch-polnifchenLeben,
ftarb in (Gien im Alter von 68 Jahren. — ln Dresden
ift vor kurzem der Porträtmaler Johann esMogk
53 Jahre alt geftorben. — Der Maler und Gra-
phiker Max Eertwig wurde als Lehrer für
Schrift an dieKunftqewerbefchule zu Charlotten-
burg berufen. Außerdem erteilte das gleiche In-
ftitut dem Maler Otto Marcus einen Lehrauf-
trag zur Einführung in die rechtlichen und ge-
fchäftlichen Bedingungen desKünftlerberufes. —
Prof.Dr.FriedricbDeneken, der 25 Jahre lang
das Kaifer-(Gilhelm-Mufeum in Krefeld geleitet
hat, trat in den Rubeftand über. DerPoften foll
demnäcbft neu ausgefeprieben werden.
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Von Künstlern und Gelehrten
rückt Feininger in den Mittelpunkt der künft-
lerifchen Gegenwart; denn in [einen reifen (Gerken
treten bereits die Grundlinien jener neuen Klaffik
klar zutage, die beute fcbon überall im (Gerden
ift, und deren Aufgabe es fein wird, die großen
Errungen fcbaften des Expreffionismus auszubauen
und zu befeftigen, indem fie die Fülle der neuen
Ideen und Formen zu einem geordneten Syftem
zufammenfaßt. Seltfam genug ift fein (Geg: der
führt in fteiler Kurve vom Karikaturiften und
(Gi^blattzeichner der „Fliegenden" zum Erbauer
mgftifcberBildarcbitekturen, von groteskem Fjumor
zu fcbweigendem Ernft. von plakatßafter Bunt-
heit zu gedämpfter Farbenglut, von nervös lauter
Bewegtheit zu eifigklarer Gektonik. Befonders
in feinen Aquarellen hat [ich die romantifche
Seite feines (Gefens bis heute erhalten: hier einen
[ich die fchwebende Zartheit des Strichs mit der
verhaltenen Leuchtkraft der Farbe zu einer (Gir-
kung von oft traumhafter Pbantaftik. Das Ent-
fcheidende find aber die großen Gemälde, denen
in der Graphik die Kohlezeichnungen am näcbften
fteben; wie er hier feine Vißonen in die ftrenge
Ordnung von horizontalen und Vertikalen bringt,
wie er alle Erfcbeinungen in farbige Flächen
aufteilt, die bald in metallifchem Glanze febim-
mern, bald wie von innen durchglüht in gläferner
Granfparenz aufleuchten, wie er den Raum in
großen, klar umgrenzten Raumkuben hiuterein-
anderfebiebtet und fo in geometrifeber Eindeutig-
keit realifiert — in all dem offenbart [ich ein
völlig neues Gefühl für den gefe^mäßig-organi-
feben gufammenbang, die kriftallinifche Grform
alles Seienden.
Es ift nicht möglich, im Rahmen eines kurzen
Referats die Ausftellung im einzelnen zu würdigen.
Nur einige (Gerke feien kurz genannt: aus der
„Frühzeit" vor allem die „Dämmerung": eine
Straße mit blauen Eäufern unter grünem Fjimmel,
dazwifeßen allerlei groteske Geftalten. Aus der
fpäteren 3eit: das kleine, in den Farben befonders
köftliche „Am Quai"; die beiden Faffungen Gel-
meroda I und VH, die den (Geg von relativer
3erfe§tbeit zu abfoluterGefchloffenheit gut ver-
deutlichen; ferner die von ftärkfter Richtungs-
kraft erfüllte „Landftraße". Aus den lebten Jahren
endlich die in ideenbafter Klarheit gefebaute
„Brücke" (19i8) f<)wie der„Plah an der Kirche"
und die „Parifer Fjäufer", die in der myftifcben
Leuchtkraft der Farbe anRembrandt gemahnen.
P.
Magdeburg
Im biefigen Kunftverein ift gegenwärtig eine
inftruktive und vorbildlich zufammengeftellte Aus-
ftellung neuerer deutfeber Malerei zu fehen, in
deren Mittelpunkt die Künftler der „Brücke"
und einige der ihnen gleichgerichteten Maler
fteben. Neben Pecbftein, Schmidt-Rottluff,
Kirchner, hecke!, Qtto Müller treten die
Rheinländer Cbriftian Roblfs und Heinrich
Nauen bedeutend hervor. Von den nordifchen
Künftlern erfebeinen Emil Nolde und Paula
Moderfobn als zwei wuchtige Repräfentanten
der 3eit. Sehr gut find auch Kokofchka (mit
einer wundervollen Alpenlandfchaft), Franz
Marc und nicht zu!e$t Campendonk, Klee
und Feininger vertreten. Die Ausftellung ift
in diefer Gefchloffenheit ein Dokument unzwei-
deutiger Größe im Einblick auf den künftierifeben
(Gitlen der Gegenwart und bedeutet für das fonft
durchaus provinzielle künftlerifcbeLeben der Stadt
Magdeburg ein nicht alltägliches Ereignis. r.
Wiesbaden
Die Dezember-Ausftellung bringt neben rück-
ficbtlicb — weihnachtlich — lokalifchen Kunft-
werken neue Arbeiten von Mulot, (Golff-
Malm und einem jungen, zum erftenmal an die
Öffentlichkeit tretenden Mainzer Maler (Galter
(Girfcbinger, deffen Landfcbaften fowohl als
figürliche Studien Intereffe erwecken. (Girfcbinger
wählt den Affekt als Mittel feelifcher Offen-
barung, allen Ausdruck auf eine Gebärde ftei-
gernd; in der Landfchaft folglich die Stimmung
als Mittel der kosmifeben Pfycbe, beides mit
einem 3'dbewußtfein, das uns fühlen läßt, daß
hier eine Perföniicbkeit Anftalten macht, pd)
durepzufe^en. d).
Von Künftlern und Gelehrten
Der Erpnder des Meßbildverfahrens und Be-
gründer der preußifeben Meßbildanftalt. Geh-Bau-
rat Albrecht Megdenbauer, ift 88 Jahre alt
kürzlich in Godesberg geftorben. — Der Maler
Ifidor Kaufmann, bekannt durch feine Porträts
undGenrebilder aus demjüdifch-polnifchenLeben,
ftarb in (Gien im Alter von 68 Jahren. — ln Dresden
ift vor kurzem der Porträtmaler Johann esMogk
53 Jahre alt geftorben. — Der Maler und Gra-
phiker Max Eertwig wurde als Lehrer für
Schrift an dieKunftqewerbefchule zu Charlotten-
burg berufen. Außerdem erteilte das gleiche In-
ftitut dem Maler Otto Marcus einen Lehrauf-
trag zur Einführung in die rechtlichen und ge-
fchäftlichen Bedingungen desKünftlerberufes. —
Prof.Dr.FriedricbDeneken, der 25 Jahre lang
das Kaifer-(Gilhelm-Mufeum in Krefeld geleitet
hat, trat in den Rubeftand über. DerPoften foll
demnäcbft neu ausgefeprieben werden.
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