Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

Seite: 292
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fcßmacklicp pcßer zu machen; wenn es gelingt, der Landbevölkerung beizubringen, daß
pe an ißren Bauerntöpfern einen Scßajj befitjt, den pe nicßt verfcpleudern darf, fo ift
Hoffnung vorhanden, daß diefer köftlicße F) and werkszweig pcß nocß einmal erßolt und
frifcße Scßoffen treibt. Dazu aber müffen wir Städter ßelfen. Durcß Ermunterung und
durd) tatkräftiges Eingreifen.
Um das InterePe weitefter Kreife für die einpeimifcß-pefpfcße Cöpferei rege zu macßen,
ßat das Frankfurter Kunftgewerbe-Mufeum in Verbindung mit der Ärbeitsgemeinfcpaft
des Deutfcpen (Uerkbundes für den Mittelrßein eine Äusftellung „Ißeffifcße Keramik“
zufammengebracßt, die im lebten Fjerbft in Frankfurt zu feßen war, dann nad) Darrn-
ftadt und Mainz wanderte, und im Sommer auf der Deutfcpen Gewerbefcßau in Mün-
chen ißren Piafe pnden [oll. Die Bauerntöpfereien aller Gegenden des ßeffifcßen Ge-
bietes neßmen den Fjauptraum dabei in Änfprucß. Neben einigen wenigen älteren
Arbeiten find nur Stücke aufgenommen, die erft im lebten Sommer gargebrannt worden
pnd. Es ift verfucßt worden, einen Überblick über die Leiftungsfäßigkeit diefes länd-
lid)en Handwerks zu geben, das trotj eines relativ geringen Formenreicßtums und trotj
einer kleinen Farbenfkala eine erftaunlicße Mannigfaltigkeit in Erpndung und Äusfüß-
rung zeigt.
Vielerlei blanke Glafuren, in der Fjauptfacße ein licptes Rot und dunkles Braun, aber
aucß Scßwarz, Grün, Gelb, ÜJeiß und Blau, bedecken den rötlicßen, poröfen Scßerben.
Das Ornament ift plaftifcß aufgelegt, mit dem Malßörncßen (der Gießbücßfe) aufgetropft —
fo wie der Konditor feine üorten verziert — oder mit dem Pinfel aufgeiragen. IJier
und da ift aucß der reizvolle Ritjdekor verwendet. Jeder Ort faft ßat feine befondere
üradition; in einzelnen Ulerkftätten werden fogar kleine, unbeßolfene, aber naiv-köft-
licße Figuren modelliert.
Die Veranftalter ßoffen, durcß diefe Äusftellung unferer peimifcßen Keramik zu ißren
vielen älteren Freunden neue Liebßaber zuzufüßren. Und follte die Äusftellung dazu
beitragen, daß unfere peffifcßen Bauerntöpfer durcß die Änteilnaßme aucß des ftädtifcpen
Publikums zu regerer und ßoffnungsfreudigerer Cätigkeit ermuntert werden, fo ift ißre
Aufgabe damit zum größten Ceile erfüllt.

Kunftporzellan von Pß. Rofentßal & Co.
Mit einer farbigen Tafel

Die Manufaktur von Pß. Rofentßal & Co. ift, abgefeßen von den ftaatlicßen Unter-
neßmungen, eine der erften gewefen, die das Porzellan nacß den künftlerifcßen
und tecßnifcßen Anregungen, die von Kopenßagen kamen, in Deutfcßland nad)
Form wie Dekor neu zu gepalten pcp bemüßt ßat. Die glänzenden wirtfcßaftlicßen
Erfolge, die Rofentßal infolge des Anklanges erzielt ßat, den feine Gebraucßs-Porzellane
im In- und Auslande gefunden ßaben, ßaben ißn in den Stand gefefet, aucß die pgür-
licße Plaftik feines Kaufes auf ein unbestreitbar ßoßes Niveau zu bringen. Die künft-
lerifcße Linie, auf der fiep die pgürlicße Plaftik Rofentßals bis zum Kriege bewegte,
war die der damaligen Moderne, blieb jedod) in Grenzen, die es vermieden, daß ex-
treme Eintagsäußerungen fiep in dem Gefamtbilde ftörend bemerkbar maeßien. Die
Leitungen der Manufaktur pellten pcp alfo gewiffermaßen auf den Boden einer foliden
Cradition.
Bereits kurz vor dem Kriege mad)ten fiep, wie in der bildenden Kunft überßaupt,
fo aucß in der Porzellankunft, Strömungen bemerkbar, deren Quellen nacß dem näßeren
oder weiteren Offen wiefen. Genau fo, wie um die Jaßrßundertwende Japan in erfter
Linie einen Einßuß auf die kunpgewerblicße Formen- und Farbengebung gewann, fo
waren es in der jüngften andere, vom Europäerftandpunkte aus gefeßen, primi-

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