Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Hier aber, wie wir felbft, der Meinung ift, daß der Altar am Anfang von Locßners
Schaffen fteße, für den rückt mit der Einreibung des ßieronymus in diefe Anfänge
die ganze Vorgefcßicßte der großen Kompofitionen feiner Reifezeit in nocß heileres
Ließt: nun erft gliedert fid) der junge Locßner vollkommen ein in den zeitlichen 3U~
fammenßang mit Mofer und den früßen Meiftern der Bodenfeegegend, und mit den
fpäteften tüerken jener Ricßtung, die man einftweilen vermutungsweife an Namen wie
Jacques Coene und die Meifter der Cres-ricßes ßeures, an den Meifter des Fjieronymus-
bildes im Ms. frg. 166 der Parifer Nationalbibliotßek knüpft; und das Bedeutfame liegt
gerade in den ünterfeßieden: weil man fießt, von wie anderer Art, wieviel ßnnlicßer
und wieviel meßr im öüefen verbanden das räumlicße örerlebnis feßon bei diefen früßen
Meiftern des üleftens gewefen ift, gerade darum kann die Vermutung gar nießt auf-
kommen, ein Scßüler Eydcfcßer Kunft fei der Maler des Scßnitjlerfcßen Hieronymus —
denn eben das Flüffige, Routinierte des Epigonentums feßlt dem ftockend-müßfam ge-
malten Bilde. Nießt an einer Stelle im Äbendlande ift (und da natürlich „unter italie-
nifeßem Einfluß“) Raum und Ätmofpßäre erfunden und von da an f1(h verbreitend
nacßgeaßmt worden — überall war das Bedürfnis naeß der neuen Seß- und Dar-
ftellungsform vorßanden und wirkte fid) in ßundert verfeßiedenen Verfucßen aus, welcße
je naeß der verfeßiedenen Art räumlicher oder flächiger Veranlagung bei den einzelnen
Stämmen und Meiftern gleichzeitig dort fo reife und ßier fo unbeßilflicße Löfungen
zeitigten, ünd erft in der Befreiung vom 3e^ideal, in der Befinnung auf fein per-
fönlicßes tHefen ßat Locßner das ißm befeßiedene Maß von Bedeutung erfüllen können.

Ein flämifeßes fjolzrelief um 15 3 0

Das ßier reproduzierte Stück einer „Anbetung der ßl. drei Könige“ weift ftiliftifcß
auf Antwerpen als Entfteßungsort ßin, das aus einer reicßen üderkftattätigkeit
eine große Anzaßl äßnlicßer Arbeiten ßervorgebraeßt ßat. Daß es der Forfcßung
bisßer noeß nießt gelungen ift, diefe fämtlicß in der erften Hälfte des 16. Jaßrßunderts
entftandenen QCIerke, die feßon ftark renaiffaneegemäß anmuten, obwoßl in der Linien-
führung, der Behandlung von Landfcßaft und Architektur die gotifeße Tradition unver-
kennbar ift, beftimmten Künftlerperfönlicßkeiten zuzuweifen oder ftiliftifcß zu Gruppen
zufammenzufaffen, liegt meßr an der durchaus handwerklich und damit anonym ge-
übten Bildßauerkunft, die vielleicht gerade desßalb von Calent fo erfüllt gewefen ift.
ünfer ßolzrelief ift in Kompofition und Erßaltung eines der beften Beifpiele diefer
Antwerpener Arbeiten und ftraßlend in der ürfprünglicßkeit feiner polychromen Be-
handlung, bei der als Hauptakzente folgende Farben anzumerken find: Das Gebäude
ift ßellgrau mit bräunlicher dntermalung, der landfcßaftlicße Hintergrund grün, die Ge-
wänder der Heiligen find in Gold, Dunkelrot und Blau gehalten. Der Holzraßmen
ftammt aus der 3eit- Oßne denfelben mißt das Relief 54X53 cm. Befitjer ift die
Bacßftitj Gallery im Haag. B.

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