Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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Neue Literatur zur afiatifeben Kunft

bemerkbar, diefe Kunft um jeden Preis vor der
„Europäifierung“ zu bewahren, deren typifdje,
augenblickliche Gefahr, die Entfremdung von
der Natur, die Erftarrung des Seelenlebens, die
Entperfönlichung, er klarer pebt als wir. Es
fcheint, als wäre Indien jetjt in eine Pbafe des
Selbftbewußtwerdens eingetreten und in diefem
3uftand des erften Erwachens, der Erkenntnis
feiner felbft und des anderen wird es mit liebe-
voller Ergriffenheit des Unbewußten in feiner
bisherigen feelifchen Entwicklung gewahr. Der
Inder betont mit leidenfd)aftlid)er Inbrunft die
typifchen Raffenelemente feiner künftlerifchen
Produktion, und er pebt die Größe und Schön-
heit diefer Kunft vor allem in jenem tranfzen-
dentalen Idealismus, jener religiöfen Befeeltheit,
welche ihr den erften (Üerde-Impuls gab. Ein
„kunftgefchichtliches“ (Clerk aus der Feder eines
überzeugten Fjindus wird daher niemals rein
oder auch nur in elfter Linie auf formale und
ted)nifd)e Gefichtspunkte eingehen. Es wird
ftets vor allem, um in unferer Sprache zu reden,
einen religionsphilofophifchen, etlichen und
pfychologifchen Inhalt haben. Aber nur durch
diefes Medium wird andrerfeits uns Europäern
die indifche Kunft begreiflich werden, die tat-
fächlich aus anderen Quellen gefpeift war wie
die unfrige. Ein Buch wie Mohendra nath Dutts
„Dissertation on Painting“ ift darum ein Beitrag
von höchftem (Clert zur Kenntnis der indifchen
Kunft, denn wir hören darin einen Inder, mit
feinen (Horten und in feinen Begriffen von den
tief im ßerzen feines Volkes wurzelnden Vor-
sehungen reden, die notwendig eben jene
Formen hervorbringen mußten, welche den Cha-
rakter und die Seele der indifchen Kunft aus-
machen und die in der europäifchen Kunft keine
Analogien finden. Es ift ein ausfichtslofer Ver-
fuch, die indifche Kunft nach vorgefaßten euro-
päifchen Begriffen vergehen zu wollen. Für
jeden, dem es um die wahre Erkenntnis der in-
difchen Kunft zu tun iß, wird darum das Buch
des Mohendra nath Dutt von unfehlbarem
liierte fein, denn es interpretiert eben das, was
uns fremdartig erfcheint und was das Cypifcbe,
das Olefentliche und Ewige der indifchen Kunft
iß und wofür wir in unferer Philofophie und in
unferer Sprache weder die erläuternden Begriffe
noch die erklärenden (Horte befiljen. Sind wir
aber einmal wieder zu einem neuen Verßändnis
jenes Denkens und Fühlens gelangt, auf dem

letzten Endes unfere Religion und darum auch
unfere Kunß beruhen, fo wird vielleicht das
germanifche Raffen-Ingenium, das jetjt in Gefahr
fteht, durch die amerikanifche und franzöpfdbe
Mechaniperung erßickt zu werden, im Orient
eine neue Kräftigung feines Lebenswillens und
feines Idealismus erhalten. Robert (Heß.
(Heitere Neuerfdjeinungen
(Befprechung Vorbehalten)
Karl Hlith, Java. Neue Ausgabe. 48 Seiten
und 112Cafeln. (6.—10.Laufend.) Folkwang-
Verlag. Fjagen-Darmßadt.
Julius Kurth, Die Primitiven des Japan-
holzfchnittes in ausgewählten Blättern. Mit
42 Cafeln, davon vier in Buntdruck und zwei
Signaturen-Cabellen. Verlag von (Holfgang
Jeß. Dresden.
DfchungKuei,Bezwinger derCeufel. Altes
chinepfches Volksbuch- 3um erßenmal aus der
Orfprache überfeljt und mit Nachbildungen
echter chinepfcher 3eichnungen veranfchaulicht
von Prof. Dr. med. CI. du Bois-Reymond.
Gußav Kiepenheuer, Verlag. Potsdam.
Ernß 3immermann- Chinefifches Por-
zellan und die übrigen keramifdbenEr-
zeugniffe Chinas. 3weite Auflage. Bd. I:
Cext. Bd. II: Abbildungen. Verlag von Klink-
hardt& Biermann. Leipzig. Erfcheint Ende
April.
Otto 5över, Indifche Baukunß. Jeder-
manns-Bücherei Verlag F. Fjirtb. Breslau 1923.
Das Licht des Oftens. Die (Heltanfcbauungen
des mittleren und fernen Apens, Indien-China-
japan, und ihr Einßuß auf das religiöfe und
pttlidbe Leben, auf Kunß undCHiffenfcbaft diefer
Länder. Fjerausgegeben von Maximilian
Kern. 597 Seiten mit 408 Abbildungen und
vier Kunßbeilagen. Union Deutfche Ver-
lagsgefellfchaft Stuttgart.
Die Buddha-Legende auf den Flachreliefs der
Erften Galerie des Stupa von Boro-Budur
Java. 120 Abbildungen auf 40 Cafeln mit
kurzer Einleitung berausgegeben von 5- 5aas.
Verlag von Otto Fjarraffowifj. Leipzig 1923-
Ernß Diez, Einführung in die Kunß des
Oßens. Mit 75 Abbildungen. Im Avalun-
Verlag. (Hien-Fjellerau.

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