Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 15.1923

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darbietenden Gelegenheit Gebrauch mache, weitere Proben zu veröffentlichen. Id) befitje
als Schenkung von ßerrn ßunke aud) Äusfchneidearbeiten in Folioformat aus rotem
Papier mit Darftellungen des märchenhaften Djü-bau-pang, einer Klundervafe, die an
Fortunats Geldfadc erinnert; man legt derartige Blätter f)od)zeitsgefd)enken bei. Für
die Abbildungen wählte ich zunächrt aus zahlreichen Cierdarftellungen (Kamelen, Büffeln,
Cigern, Kafeen, Fjunden, Papageien, Elftem, Schleierfdjwänzen, Schmetterlingen, Fjeu-
fd)recken, Spinnen, Caufendfüßen ufw.), die meift feine Naturbeobad)tung verraten,
einen Frofd), rana chinensis, die d)inefifche Spielart unferes Ceichfrofches rana esculenta.
Die Fjaltung, der Rücken und die Augen find vortrefflich wiedergegeben. Von natur-
wiffenfchaftlicher Seite werde id) darauf aufmerkfam gemacht, daß die Vorderfüße
fünf 3ßhen ftatt vier zeigen.
Abb. 2 [teilt Blüten und Knofpen des Mumebaumes (Prunus mume) und Narziffen
sd)we-d)ien, wörtlich: Klaffer-Fee, dar, die auch hier wie auf Cafel 5 meiner „Sd)atten-
fchnitte aus Nordd)ina“ nur je fünf ftatt fechs Blumenblätter aufweifen. Fjerr Studienrat
Boie fchreibt mir aus Danzig, daß er diefe Narziffe gut aus Schanghai kenne und be-
merkt: „Die Blüten waren bedeutend kleiner als die unferer Narziffen und — meiner
Erinnerung nach — gelblich und von betäubendem Duft. Die 3wiebeln waren, zwifd)en
Sternchen geklemmt, in einem flachen Klafferfchälchen zu etwa 1/2 Dutjend neben-
einander geftellt. Daß die 3wiebeln ohne jede Erde bloß im Kläffer ihre Nahrung
finden, würde ihre Bezeichnung als „Kläffer Fee“ rechtfertigen.“ Narziffen find in
China beliebte Neujahrsgefchenke. Auch bei unferem Schattenfd)nitt deutet die rote
Farbe darauf, daß es fich nicht um eine Stickunterlage, fondern um eine Gefchenk-
beilage handelt. Als Klinterblume paßt die Narziffe gut zum bereits im Klinter blühen-
den Mumebaum und fymboliert mit diefem die Lebenskraft als gutes Omen für das
neue Jahr. Über die große Bedeutung der Symbolik bei den Cßinefen handelt ein-
gehend Conrady in feiner Einleitung zu Stenz, Beiträge zur Volkskunde Süd-Sd)an-
tungs, Leipzig 1907 (Veröffentlichungen des Städtifchen Mufeums für Völkerkunde zu
Leipzig, Fjeft 1).
Abb. 3: Durch Kreisbogen begrenzte zu Ornamenten ftilifierte Blumen und Schmetterlinge.
Abb. 4 und 5: Stilifierte Blumenmotive, Stickmufter, zu Buchfchmuck geeignet.
Abb. 6: Chryfanthemum-Mufter für geftickte Schuhe.
Abb. 7: Schut)mufter mit Chryfanthemum- und Orchideen- (wahrfcheiniid) Cymbidium-)
Motiv.
Abb. 8: Schuhmufter mit zwei einander zugekehrten Exemplaren des üsching-kou
(wörtlich: Pekinghund), des chinefifdjen 3wer9wa(htelhunds, der bei uns unter dem
Namen Cl)in oder Pekinefe bekannt ift. Diefe Cierchen wurden früher nur im Kaifer-
lichen Palaft gehalten und auf Entführung eines folcßen ftand Steinigungsftrafe. Bei
der Verwüftung des Sommerpalaftes durch Engländer und Franzofen 1860 wurden fünf
Exemplare, die einer Gante des Kaifers gehörten, welche beim Anrücken der Barbaren
Selbftmord verübt hatte, erbeutet. Später gelangten Pärchen in den Befitj englifd)er
Ariftokraten. Fjeute hat der Cl)in fchon eine ziemliche Verbreitung in Europa; in China
wird er noch immer hoch gewertet. Unter meinen Schattenfd)nitten kommt aud) eine
dad)sartig geftreckte Spielart vor. Abbildungen des Cl)in nad) photographifchen Auf-
nahmen findet man bei Friedrich Jungklaus, Der kleine Münfterländer Vorftehhund (Neu-
damm 1921) S. 30, 34 und Illustrated London News, Suppl. 19. April 1913, 24. Jan.
1914, auf letztere macht mich Fjerr Dr. Kolbing in Kiel aufmerkfam.
Abb. 9: Schuhmufter mit einem äußerft elegant gefd)nittenen zarten geometri[d)en
Motiv, in diefem Kunftzweig feiten, durd) zwei häufiger vorkommende regelmäßig
ineinander geflochtene Linien begrenzt.

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