Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 19.1927

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Abb. 1. Diego Velasquez Donna Antonia Ipinarrieta y Galvos (Detail)
Madrid, Prado

EIN FRAUENBILDNIS DES VELASQUEZ IN ROM
VON LEANDRO OZZÖLA
Das Frauenbildnis in der römischen Nationalgalerie im Palazzo Corsini, das als
Werk Padovaninos figuriert, verdankt diese Zuschreibung dem Umstand, daß
Padovaninos Name mit schwarzer Tinte auf die Rückseite der Leinwand ge-
schrieben ist1.
Wenn man das Porträt der Galerie Corsini (Abb. 2) mit der von Padovanino
signierten und 1622 datierten »Hochzeit von Kanaan« (Akademie zu Venedig)
vergleicht, so erscheint letztere hinter jenem angeblich um fünf Jahre (1617)
älteren Werke beträchtlich zurückzustehen. Die weiblichen Figuren (Abb. 3)
der »Flochzeit von Kanaan« sind Abkömmlinge tizianischer Typen, zur Dar-
stellung gebracht in konventionell dekorativer Manier.
Die Figur des Corsini-Porträts hingegen zeigt nicht nur keine Eigentümlich-
keiten, auf Grund deren sie sich der venezianischen Typologie einreihen ließe,
1 Auf einem gleichfalls auf der Rückseite aufgeklebten Zettel heißt es ferner: »1617.
Venetia etatis sue anno XVLI (XVII?'). Nacque nel 1600 el ig ap. ecc. Nome Meneghina
et Marina ecc. La presente nota era scritta nella tela vecchia che fosse la pittura.« Es
folgen unleserliche Worte. Das Werk wurde im Jahre 1909 aus dem Besitz eines Kunst-
händlers käuflich erworben. Ohne die Wahrhaftigkeit der vorliegenden Inschrift, die
dem Beginn des 19. Jahrhunderts entstammt, in Zweifel ziehen zu wollen, sehen wir in
all diesem nur das Zeugnis einer irrigen Tradition. Und zum Beweise dessen, daß eine
solche Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, zitieren wir bloß den umgekehrten
Fall der Inschrift unter dem »Kopf eines toten Mönchs« in der Brera. Dort heißt es:
»Diego Velasquez. Ritratto del P. Simone de Roxas«. Und dennoch wird dieses Bild
heute allgemein für ein Werk Crespis angesehen.

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