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Clasen, Peter Adolf
Der Salutismus: eine sozialwissenschaftliche Monographie über General Booth und seine Heilsarmee$dInaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg — Jena: Bei Eugen Diederichs, Verlag, 1913

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https://doi.org/10.11588/diglit.61365#0259
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I. HAUPTSTÜCK

DIE SOZIALTHEORETISCHE BETÄTIGUNG DER
HEILSARMEE
DAS „DARREST ENGLAND SCHEME“
Es kann kein größerer Fehler begangen werden als anzunehmen, daß die H.
nicht eine Schule des Denkens sei. Wir haben vielleicht mehr Theorien ent-
wickelt und mehr Pläne erfunden als irgendeine andere bestehende religiöse
Bewegung. W. Booth in seinem Briefe vom 80. Geburtstage.
John Stuart Mill sagt in seiner Selbstbiographie, in Carlyle verkörpere
) sich der Kampf des 19. mit dem 18. Jahrhundert; denn er sah mit
prophetischem Blick, daß der Philosoph von Chelsea mehr Zukunft in sich
trug als irgendeiner seiner Zeitgenossen. Eine zweite Verkörperung dieses
Kampfes, und zwar insoweit er in das religiöse Gebiet überspielt, ist, wie
schon nachgewiesen, W. Booth. Bei ihm sowohl als bei Carlyle liegt die Ein-
heit ihrer Weltanschauung und ihrer Stellung zur sozialen Frage in ihrer
Persönlichkeit. Sie gehören nicht zu jenen Denkern, welche ein System ge-
schaffen und gewissermaßen von sich losgelöst haben, so daß es dastünde
als ein Etwas für sich. Sie bringen vielmehr die Einheitlichkeit ihrer Welt-
anschauung dadurch zum Ausdruck, daß es ihnen gelingt, in der Betrach-
tung jeder Frage ihre ganze Persönlichkeit sprechen zu lassen. Die Leiden-
schaft und Inbrunst, mit der sie alle Lebensprobleme tief in sich hinein-
ziehen und mit dem Herzblut ihres Wesens durchtränken, gibt allen Äuße-
rungen das Gepräge einer Einheit, die in anderen Momenten als in dem
logischen und gedankenmäßigen wurzelt. Bei W. B. muß man sich an der
Persönlichkeit halten ebenso wie bei Carlyle und Ruskin, die alle drei in
dem einen Punkte übereinstimmen, daß ihr Interesse an der sozialen Frage
ein gefühlsmäßiges ist; bei Carlyle trägt dieses Interesse ein ethisches, bei
Ruskin ein ästhetisches und bei Booth ein religiöses Vorzeichen.
W. Booth hat von Carlyle, wie er selber versichert (27, XXV), nichts ge-
lesen, und sein Sohn, der jetzige General, erweiterte mir mündlich diese
Versicherung dahin, daß seinem Vater überhaupt nationalökonomische und
sozialphilosophische Literatur fremd gewesen sei. Aber das schließt nicht
aus, daß Carlyles Ideen, die in England gewissermaßen in der Luft hängen,
den General beeinflußt haben. Tatsächlich sind die Grundsätze, welche
seinem ganzen, in dem Buche „The Darkest England“ entwickelten sozia-

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