Conze, Alexander [Hrsg.]
Die attischen Grabreliefs (Band II, Text) — Berlin, 1900

Seite: 221
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P. STEHENDER MANN, MIT EINER NEBENFIGl

derichs-Wolters Angeführten Furtwängler, Sammlung Sabou-
roff zu Taf. LXV und Saglio im Bull, de Tacad. des inscr. et
heiles lettres 1890, S. 305. Gardner möchte die Stele mit der
Katze für ein Grabmonument halten.

Das ganze Denkmal ist ein auserlesenes Werk noch des
5. Jahrhunderts v. Chr.; von Gardner wird es dem Parthenon-
friese sehr nahe gestellt. Seine besonders sorgfaltige Durch-
führung verleitete Stephani, es der Hadrianischen Zeit zuzu-
schreiben.

1033. Stele eines jungen Mannes. Taf. CCV.

Marathon, bei Georgios Lekkas. — Gefunden, dem
Vernehmen nach, unweit der Besitzung Bei' des Herrn Skuses.
— Uns nachgewiesen von Stengel und Kaupert, aufgenommen
von Dragendorff.

Pentelischer Marmor. — H. 1,455. Bf- °S7- ~ Dßr obere,
jetzt fehlende Teil mit dem Kopfe der Hauptfigur und der
Bekrönung war aus einem besonderen Blocke gearbeitet und
mit zwei Zapfen befestigt. Das Erhaltene ist vielfach bestofsen,
die r. Hand der Häuptfigur abgebrochen, sonst besonders der
Kopf des Knaben beschädigt. — In Hochrelief von sehr guter
Arbeit ist ein kräftiger junger Mann dargestellt. Er steht, nackt,
nach 1. gewandt, mit über das 1. geschlagenem r. Beine, im
Sitz gegen einen kurzen runden Pfeiler gelehnt, über den die
Chlamys geworfen ist, die weiter hinten herumgezogen über
dem 1. Vorderarm, zwischen den Knieen und mit einem Zipfel
unter dem r. Knie sichtbar wird. Am Boden hinter dem
Manne kommt sein Hund zum Vorschein, mit schmalem
Halsbande; er streckt den spitzen Kopf spürend zum Boden
vor. Links steht seinem Herrn zugewandt ein Knabe in der
Exomis. Er hält in der gesenkten r. Hand das Schabeisen
und reicht mit der 1. Hand einen Gegenstand empor, der
aber durch Zerstörung ganz unkenntlich geworden ist.

- Das Motiv der Hauptfigur des jungen . Palastriten geht
auf dieselbe Erfindung zurück, wie das auf 928, 1054 ff.

1034. Stele eines Jünglings. Taf. CCVT.

Kuldri auf Salamis, Demarchie. — Gefunden daselbst
an der Agia Kyriaki. — Nachgewiesen von Strzygovvski, auf-
genommen von Alfred Körte.

Pentelischer Marmor. — H. 1,00. Bf. 0,47. — Die Krönung
der Stele zerstört, ebenso Kopf, 1. Brust und Schulter der Haupt-
figur, sowie das Tier in deren r. Hand, beschädigt auch der
Oberkörper der kleineren Figur. — Über dem rauhen Fufs-
streifen und unter der abgebrochenen, giebelförmigen Krönung
füllt die Darstellung in Hochrelief die ohne Randeinfassung
eingetiefte Fläche. Ein Jüngling, dessen Mantel nur den Unter-
körper bedeckt, lehnt mit dem 1. Unterarm auf einem Pfeiler;
nach 1. gewandt, hält er in der r. Hand anscheinend ein totes
Häschen vor sich hin. Neben ihm kommt ein Hund hervor
und schnuppert am Boden. L. dem Herren zugekehrt steht
ein nackter kleiner Knabe, der ein Gewand über die 1. Schulter
geworfen trägt. — Im Felde Loben steht, von einer späteren
Wiederbenutzung der Stele herrührend, die Inschrift: ['A'.fpo3s?]
•aiö? | l'A'-pp'/ßc'.o'ou | [Agujxowsöc.

1035. Stele des Aristion. Taf. CCVII.

Nationaimuseum, früher an der Agia Triäda. — Ar-
chäol. Zeitung XXIX, 1872, S. 23, n. 50 (C. Curtius). Compte-
rendu de la commissiott imp. archeol. 1870—71, S. 151, n. 63»
(Stephani). Sybel 3337. Friederichs - Wolters 1015. Milch-
höfer, Museen Athens S. 39", n. 17. Brückner, Ornament
und Form S. 29, n. 3. J. Harrison, Mythology and monumenis
of ancient Athens, S. 583. CIA II, 3498I

Pentelischer Marmor. — H. 1,50. Br. 0,49—0,47. — Ab-
gebrochen grofsenteils die beiden Eck-Akroterfiguren und die
Fufsplatte der Stele mit den Füfsen der Figuren. — Der
Schaft der schlanken Stele ist von Seitenpilastern eingefasst,
welche ein dünnes Epistyl tragen, darüber mit einem Kyma
vorkragend eine wagerechte, von fünf Stirnziegeln bekrönte
Leiste. Wieder darüber erhebt sich ein Akroterion aus einem
hohen Mittel- und niedrigeren Seitenteilen bestehend. Den
Mittelteil bildet eine aufrecht stehende, Kopf und Brust schla-
gende Sirene, die beiden Seitenteile waren von knieenden weib-
lichen Figuren, Klageweibern, gebildet. Über die Seiten-
pfeiler des Schaftes greift,beiderseits die Hauptreliefdarstellung
über. Ein Jüngling (Aristion), nach 1. leicht ausschreitend,
steht etwas gesenkten Kopfes, auf einen Vogel blickend,
den er mit der rechten Hand vor sich hält. Seine Chlamys
liegt auf der 1. Schulter, fallt von da herab und wird
von der 1. Hand vorgezogen; ihr Ende weht rückwärts,
ein bei jugendlichen Gestalten auf Grabreliefs beliebtes Motiv.
L. vor dem Jünglinge steht, zu ihm aufblickend, sein kleiner
Diener, nackt, die Hände vor dem Leibe übereinander ge-
schlagen, in der 1. Hand eine Stlengis. — Auf dem Epistyl
die Inschrift 'Aptatiwv und weiter absichtlich ausgemeilselte
Züge, die Köhler Epcpv]»; liest.

1036. Stele des Telesias. Taf. CCVIII.

Nationalmuseum, früher im Piräus. • Friederichs»
Wolters 1014. AsX-rfov 1888, S. 218, 98. Kavvadias 898. Kuma-
nudis 3362. CIA II, 4175.

Weifser Marmor. — H. 0,77. Br. 0,40-0,39. — Wohl-
erhalten, nur am Giebel beschädigt, — Aus dem Werkstücke,
von dem unten ein Streifen in ursprünglicher Dicke zum Ein-
lassen in eine Basis und als Boden Für die Relieffiguren rauh
stehen gelassen ist, ist als oberer Abschluss der Stele ein Giebel
mit Akroterien, zwischen Fufsstreifen und Giebel aber, die
Schaftfläche in ganzer Breite füllend, eine Reliefgruppe ge-
arbeitet; schliefslich sind in flacherem Relief, um dem Giebel
für das Auge eine Unterstützung zu geben und die Einrah-
mung der Stele zu vervollständigen, Seitenpfeiler hinzugefügt,
soweit sie nicht hinter der bildlichen Darstellung als der früher
vorhandenen Hauptsache verschwinden müssen. Ein Epistyl
ist unter dem Giebel nicht angegeben, dieser ruht vielmehr un-
mittelbar auf den nur in zwei Flächen geschnittenen Seiten-
pfeilerkapitellen und berührt sich mit dem Kopfumrisse der
Hauptfigur des Reliefbildes. — Ein Jüngling steht, leicht vor-
geneigt, als müsse er sich mit dem 1. Ellbogen aufstützen,
nach r. gewandt in lässiger Ruhe, das 1. Bein zurückgezogen
und mit der Fufsspitze den Boden berührend, die r. Hand
hinter die Hüfte gestützt. Es ist wahrscheinlich, dass ein
stutzender Pfeiler unter dem linken Arme unten im Bildfelde
nur in Malerei angegeben war, worauf auch der Faltenbausch
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