Conze, Alexander [Hrsg.]
Die attischen Grabreliefs (Band II, Text) — Berlin, 1900

Seite: 256
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II. VON DEN PERSERKRIEGEN BIS ZU DEMETRIOS VON PHALERON.

1160. Grabmal eines Reiters. Taf. CCXLIX.

Berlin, k. Museen. — Aus Chaländri. — Rheinisches
Museum N. F. VIII, S. 125 (Ross — Archäol. Aufsätze II, S.
654). S. 625 {Ribbeck. Welcker). Archäol. Zeitung 1863, Taf.
CLXIX. Sp. 12 (Friederichs). Salinas, I monutnenti sepolcrali
scoperti presso la chiesa della S. Trinitä S. 26. Beschreibung
der antiken Skulpturen. Berlin 1891. n. 742. Brückner, Or-
nament und Form S. 62 f. Loch, De titulis graecis sepulcra-
libus. Königsberg 1890. S. 14 f. 23. Kumanudis 1265.
Kaibel 25. CIA II, 2646.

Pentelischer Marmor. — H. 0,86. Br. 0,61. — Links und
unten abgebrochen, ist nur das obere rechtsseitige Bruchstück,
auch noch am Kopfe der liegenden Figur beschädigt, er-
halten. — Wie bei 1158 muss die Reliefplatte annähernd
quadrater Form gewesen sein. Statt des Giebels hat sie oben
einen breiten wagerechten Streifen als Abschluss, der 0,05 m.
über den Reliefgrund vorkragt. Das Reliefbild stellte in we-
sentlich gleicher Komposition wie 1158 einen über den ge-
fallenen Gegner hinsprengenden Reiter dar. Von dem Reiter
ist nur ein geringer Rest des Kopfes und der 1. Fufs mit
Sandalen erhalten. Der Gefallene hält 1. den Schild und holt
mit dem Schwerte in seiner R. zu seiner Vertheidigung aus.
Auffallender Weise springt der Reliefgrund, so weit er die
Darstellung der Vorderbeine des Pferdes forderte, unregel-
mäfsig rechteckig vor. — Auf dem oberen Streifen der Rest der
metrischen und Namens-Inschrift, die auch Köhler nach
Kaibel's versuchsweiser Ergänzung so gibt:

[.....Ixapot 8s ts icdvrs? ijeraasv

xal Ttatplc (oq i:o).Xaüi; oAsaa 8oa|i.s[vs(üv]'
[ijistc 8', u> itapwvTSS, svl ^stvotot TfsVsja&s
ixdptupsc oao' äpzrrfi (a)t7jaa -pditewa jj.[dyjr(<;].
. . uloc $Xusuc.
An lebendiger Durchführung und zugleich strengerer
Stilisierung ist das Relief dem des Dexileos (1158) überlegen.

1161. Stele des Aristokles. Taf. CCL.

London, Britisches Museum. — Aus Athen, wo die
Stele früher in der Schule bei der Megäli Panagia (A. Mommsen,
Athenae christianae n. 138) aufbewahrt wurde, bis Lord Elgin
sie nach England brachte. — Als 1748 in Athen befindlich
verzeichnet von Askew n. 110 (Brit. Mus. Mss. Burn 402,
Fol. 37). Stuart und Revett, Antiquities of Athens III (1794),
,S. 56. (1827) Taf. 35, Fig. 15. Ancient marbles IX, Taf.
XXXIV, 3. S. 144 f. Ellis, Elgin and Phigaleian marbles II,
n. 384. A. H. Smith, Catalogue I. London 1892. n. 638.
Die Inschrift oft wiederholt, bei Chandler, Inscr. II, n. 78,
danach bei Brunck, Jacobs, Osann, im CIGr I, 749 und bei
Kumanudis 1002. Kaibel 75. Ancient Greek inscriptions in
the British Museum I, XCII (Hicks). CIA II, 2442. Epigr.
anthol. Palat. III ed. Cougny II, 603.

Pentelischer Marmor. — H. 0,80. Br. 0,44—0,42. — Ver-
wittert und bestofsen. — Die Stele schliefst oben mit einer
profilierten Leiste wagerecht ab. Die ganze Oberfläche über
der Leiste ist rauh behauen und zeigt inmitten ein Loch,
ist also für einen gesondert gearbeiteten Aufsatz her-
gerichtet. Auf der Vorderfläche des Schaftes ist eine Figuren-
gruppe in durchmodelliertem Flachrelief ausgeführt (Relief-
erhebung etwa 0,02 m.), der Grund bis an beide Ränder der

Stele und auch unter dem Fufsstreifen der Gruppe wegge-
nommen. Ein bärtiger Reiter (Aristokles) in kurzem Mantel
sprengt nach r. hin. Er hält in der 1. Faust den plastisch
nicht ausgeführten Zügel und streckt die r. Hand vor, wie
um das Pferd am Halse zu streicheln, falls nicht in der Hand
ein undeutlich gewordener Gegenstand vorauszusetzen ist.
Dem Pferde folgt, nach antiker Reisesitte und wie noch heute
die Agogiaten bei rascher Gangart dem Reiter folgen, ein
junger Diener in kurzem Gewände, der mit der 1. Hand einen
Stab geschultert hält. — Oben am Schafte, in einigem Abstände
von der Darstellung die Inschrift:

llülXä. lisö7 TjXuaac 6\>.oi~taxoQ r,8sa r.aioac,
ix faiac fö.eraTc»v yata itäXtv -jfsfova"

s'.jjü 8s 'AptaToxlTjc; IIs'.pcusüc, xaTQ 8s Msvmvoc.

1161A. Stele des Menes.

Bei der Agia Triada. — Ausgegraben 1870.—'EtpTjjxsplc
tü>v cptlop-afKüv 1870, S. 3103 (Rhusopulos). Bull. delV inst.
1870, S. 146 (Scholl). Bull, de l'Ecole francaise I, 1870,
S. 216, n. 7 (Rayet). Archäol. Zeitung 1872, S. 18, n. 29 (C.
Curtius). Athen. Mitth. des Inst. 1878, S. 291 (Furtwängler).
Sybel 3336. Milchhöfer, Museen Athens, S. 387, n. 16. Furt-
wängler, Sammlung Sabouroff Einl. in die Skulpt. S. 39.
Kumanudis 1601. CIA II, 2831. Beistehend skizziert.

Hymettischer Mar-
mor. — H. 0,90. —
An den Akroterien
und besonders links
oben beschädigt. —
Die Stele ist von einem
Giebel mit Akroterien
bekrönt. Im flach ein-
getieften Bildfeld, an
dem die Profile von
Kapitellen der Seiten-
einfassung angegeben
sind, ist in ganz flachem
Relief ein junger Reiter
dargestellt. Er sprengt
nach r. hin, bekleidet
mit Chiton und Chla-
mys und vielleicht mit
Stiefeln. Er hält in

der r. Hand einen Speer. — Ueber dem Bildfelde in nachlässiger
Schrift: M]sv?j<; KaXXSou | 'Äpfstoc. XaTps.

Titulus est saeculi tertii (Köhler). Sowohl die Arbeit, als
auch der Zusatz yatp; verweisen das Relief in späte Zeit
(C. Curtius), so auch Sybel, und zur Datierung in das 3. Jahr-
hundert neigen auch Milchhöfer und Furtwängler. Der Zusatz
ydips auf Grabsteinen von Fremden (Gutscher, Die attischen
Grabschriften I, S. 24), hier eines s;svoc bereue (Xenophon Hipp-
arch. 9). Wir haben die Datirung noch in das 4. Jahrhundert,
die Wilhelm nicht für ausgeschlossen hält, durch Einreihung
hier als möglich, wenn auch unsicher, offen halten wollen.

1162. Grabstein (?) eines Reiters.

Brocklesby-Park. — Sammlung Worsley (aus Athen). —
E. Q. Visconti, Mitseo Worsleyano Taf. II, 3. S. 16 (I, 5. S.

HHKAAAIOY

APTEIOt X/ViPr^


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