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ZWEITER TEIL
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA

W e v ö e n
DlESE Fortsetzung schreibe ich, da ich an mein 60. Jahr unheimlich
schnell heranrücke: Es kommt mir aber alles so gegenwärtig vor, als
ob ich die Zeit erst gestern und vorgestern durchlebt hätte.
Ich ging also aus der Sekunda B mit dem Zeugnis für das Einjäh-
rigen-Examen ab. Leider muß ich gestehen, daß ich und die Lehrer uns
sehr freuten, einander aus dem Gesichtsfeld zu kommen. Mein Vater
war vielleicht der einzige, dessen Ziel mißlungen war, aus mir einen
„Studierten” zu machen. So ging ich denn eiligst nach der Akademie
in der Königstraße, um mich dort als Schüler anzumelden. Es fiel ge-
rade Ostern mein Lebensberuf auf den Maler, denn fast jeden Monat
hatte ich eine andere Leidenschaft, mein Leben einzurichten: Soldat,
Matrose, vor allem Landwirt wechselten in buntem Reigen und heute
wollte es das Schicksal, daß ich Maler werden wollte. Bei diesem Berufe
verharrte ich nun treu und niemals wollte ich es bereuen. Es wäre denn
der Jammer, welcher über jeden Künstler fällt, wenn er Leben und Kunst
als verfehlt ansieht und über die Stärke seines Talentes Zweifel hegt.

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