Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1863 — 1864

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Dies hinderte allerdings nicht, dass sich auch schlüpfrigere Vorstellungen an die Gans
knüpften, wie ausser den schon erwähnten Erzählungen von Glauke und Ainphilochos namentlich
auch die Sitte beweist, nach welcher sie zwischen Jünglingen und ihren Liebhabern als Liebes-
gesebenk ausgetauscht wurde so wie der Glaube, dass der Traum einer schwangeren Frau, sie
habe eine Gans geboren, andeute, dass das wirklich geborene Kind, wenn es ein Mädchen sei,
eine Hetaere sein werde2.

Allein als Grundzug des aphrodisischen Charakters der Gans galt den Alton so entschieden
die Absicht, Nachkommenschaft zu erzielen, nicht wollüstiger Genuss, dass sie trotz der eben
erwähnten, unserem Geschmack widerstrebenden Züge doch gerade die Sittsamkeit der Gans
nachdrücklich betonen3, während sie in dem Schwan die höchste sinnliche Leidenschaft perso-
nificirt finden.

Dieser Gegensatz tritt besonders deutlich in der Wandelung hervor, welcher im Laufe der
Zeiten die Leda-Sage unterworfen gewesen ist. Wenngleich nämlich in der gewöhnlichen Form
derselben nicht eine Gans, sondern ein Schwan die Hauptrolle spielt und die Nachrichten, welche
von einer Gans sprechen, aus ziemlich später Zeit stammen7', so scheint es mir doch unzweifel-
haft, dass die Gans das ursprünglich genannte Thier war und der Schwan erst dann an deren
Stelle gesetzt worden ist, als die Phantasie der Alten begann, diese Sage zunächst in mehr

Vi veniam culpae non abnual ansere magno
Scilicet et tenui popano corruptus Osiris.

Vergleiche G. Wolff: Porphyr, de phil. ex orac. haur.
p. 19t.

1 Aristoph.: Av. 705.

•rcoXXoù; Ss xaXoù; àrccjj.u[j.cxôxa:; TCaîâaç upôç

oià tï|V iapv -nqv Tq^exspav foi.\xi\çiG(V) àvSps;

spaaxal,

o i»iv 09x070. 8où;, o <5s TüoocpuptW, o §s %f\v, h

§à Osoaixcv cpvcv.

2 Artemid.: Oneirocr. IV, 83. y]v §è cuxoç o

toxévai. c ntçttéov ■ si jxàv hçéoç, ilt\ y\ y^vï), xô
Ti/tàv ^Trjae'., Upél -ya? 0'. x^E; «al èv vaoîç

ivaurpecpo^evoi • si Sè jjlT), si jj.àv îs^Xu sfï), Çy]'-
<j£'.v t*-àv, êxaip'.xo hï xpifascr'îsat ßtw Stà xo tcs-

Ç'.Y.<Zh\lç xmv j(V)V(5v Et §£ (xoqsv, £flv, on

ëaxtv 0 [xèv yjqv crxs^avoTCOu;, 6 §è avtspw-o;

3 Aristot.: Hist. anim. 1, 1, 15. xà 8à aiffpv_
xy)Xà xal cpuXaxxocà, oiov p]v. PI in.: Hist. nat.
X, 44. auctorîbus non gloriosum tanlum ani-
«mal hoc (pavo) tradùnr sed et malevolum, sicut
«amer verecundum, quoniam lias quoque quidam
«addiderunt notas in his liaitd probatas mihi.»

4 Sie sind von Jahn: Arch. Beitr. p. 3. 443.
zusammengestellt. Nach Tzetzes zu Lykophr. 88.
nahm Nemesis die. Gestalt einer Gans an, während
Zeus die eines Schwans wählte.
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