Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1863 — 1864

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Theil der ihr verliehenen Attribute vielmehr als Aufseherin der Hafen und der Schiffl'ahrt Es
könnte also die Gans da auch nur als Wasservogel gewählt sein. Wenn dies aber schon an sich
nicht wahrscheinlich ist, so lehrt uns noch überdies die ihr auch auf diesen Münzen beigege-
bene Eule, dass die Göttin in Leukas gleichzeitig als Vorsteherin der Häfen und des häuslichen
Frauenlebens verehrt wurde. Es wird also ohne Zweifel auch die Gans wenigstens zugleich auf
diese zweite Eigenschaft der Göttin hinzuweisen bestimmt sein.

In ganz ähnlichem Sinne pflegt sich die Gans den Hesperiden zuzugesellen, die bekanntlich
als ein Muster süssen und seligen Mädchen-Lebens galten'. Auf einer berühmten Vase des Assteas
steht sie vor einer der schönen Jungfrauen '2, auf einer zweiten wird sie von Eros herbeige-
bracht3 und damit kann man ein drittes Gemälde vergleichen, wo Eros auf einem Schwan reitend
hinzugefügt ist4.

machen, dass sie als Symbol des häuslichen Fleisses
der Mädchen und Frauen nicht nur durch das oben
p. 21 angeführte Epigramm, so wie durch ein zwei-
tes in der Anth. Pal. VII, 424, 7. bezeugt ist, son-
dern dass auf dieser Anschauung offenbar auch die
ganze Sage von den Minyaden und ihrer Verwand-
lung in verschiedene Eulen-Arten (Antonin. Lib.:
Transf. 10. Ovid: Metam. IV, t—12. 389—4.15.)
beruht. Auch ist nicht zu verkennen, dass die Eule
dieselbe Bedeutung hat, wenn sie auf einer schon er-
wähnten Vase (Passeri: Pict. Etr. Tab. 17. Elite
céramogr. To. IV. PI. 8.) einer sitzenden Frau ausser
einem Ball, einem Alabastron und einer Gans beige-
geben ist, und weiter unten wird sich noch deutlicher
zeigen, dass dasselbe auch von der hier auf Taf. II.
unter Nu 3 7. abgebildeten Vase, und von einer ande-
ren der Kopenhagener Sammlung (De Witte: Cat.
Magnancour N° 50. Ann. dell' Inst. arch. To XI.
Tav. P. Overbeck: Heroen-Gall. Taf. 3, 4. Smith:
De malede Vaser i Kjöbenhavn p. 14.) gilt. Wie die
Kule zu dieser Bedeutung kommen konnte, ist leicht
einzusehen, wenn man sich erinnert, dass sie sich
"icht nur vorzugsweise in Gebäuden verbirgt, sondern

dass sie auch der Athena geweiht war, die bekannt-
lich als Ergane auch Vorsteherin und Lehrerin aller
weiblichen Arbeiten war. Siehe Preller: Griech.
Myth. Th. I. p. 165. 175.
Horn.: Hymn. in Ven. 14.

y) Sî' Ts Ka.çi'is.vixà.ç a^aXc'xpoaç iv [xsyapctCTtv
àyXaà epy' éSi'Ôaçev, stcî (posas ïstsa sxaarTj.
Ovid: Metam. IV, 34.

E qnibus una levi deduceniL pol/ice filum,
Dum cessant aliae eommenlaque sacra fréquentant.
Nos quoque, quas Pallas, melior dea, detinet, ïnquit,
Utile opus martunm varia sermone levemus.

î Preller: Griech. Myth. Th. I. p. 439.

2 Millin: Vases peints To. I. Pl. 3. Gai. myth.
Pl. 114. N° 444. Inghirami. Mon. Etr. To. V.
Tav. 16. Gerhard: Neapels ant. Bildw. p. 353.
N° 60. Gargiulo: Bec. des mon. To. II. Pl. 35
Guigniaut: Bel. de Tant. Pl. 181. N° 665.

3 Passeri: Pict. Etr. Tab. 40. Hancarville:
Ant. Etr To. III. Pl. 123.

4 Bull, dell' Inst. arch. 1842. p. 66. Ueber
die Gans und den Hund, welche an derselben Vase
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