Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1869 — 1870

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ein Marmor-Bild jenes goldenen Widders angebracht war1, welclier auf das Geschick dièses Hé-
ros und seioer ganzen Familie einen so verhà'ngnissvollen Einfluss ausiibte2.

Erhalten ist uns ein attischer, aus rô'mischer Zeit stammender Grabstein, welcher fiir drei
verschiedene Glieder derselben Familie verwendet worden ist3. Das daran angebraehte Relief-Bild
stellt den Todten zugleich als Heerden - Besitzer und als Jà'ger dar. Denn wahrcnd er einem
Schà't'erhund die Bewachung seiner Ziegenheerde uberlasst, greifl er, von einem .lagdhund unter-
stiitzt, in feJsiger Gegend einen Eber mit seinem Jagdspiess an.

Denselben Gedanken spricht der reiche Relief-Scbmuck eines prachlvollen Sarkophags der
kaiserliclien Ermitage aus4. Wà'hrend uns die Vorderseite die Darstellung der Hocbzeit eines
vornehmen Rô'mers darbietet, sehen wir denselben Romer an der einen Nebenseite seine von einem
Hirten iiberwachten Ziegen- und Rinder -Heerden besuchen, an der anderen sich mit der Eber-
und Hirsch-Jagd beschiiftigen.

Eine noch andere Form ist der in Rede stehenden Vorstellung in den an einem Vaticani-
schen Sarkophag angebrachten Darstellungen gegeben5. Die beiden Ehegatten, vvelche sich zum .
Zeichen ,dcr Einigkeit und Treue als wichtigster Bedingung lià'uslichen Gedeihens die Redite dar-
reichen, sind da niclit nur von Scenen des Weinbaus'5, des Ackerbaus und wahrsdieinlich auch

1 Pau s. Il, 18, 1. év 81 Tfl 'A p-yet'a itposXSoù-
aiv oXfyov àizè toù ïjpwou toutou ©uea-ou tccoo^
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tï]v apva o ©usctt); iayt ty]v xpuaïjv, ^.otyvjaaç
-ci àSsXqjoô tt[V yuvarx'ï.

•2 Siehe Preller: Griech. Myth. Th. II. p. 390.
Atheu.: VI, 231 C. Varro: De re rust. II, 1, (ï.

3 Compte-rendu de la comm. arch. pour l'ann.
1867. p. 110. 123. Gegenwàïtig ist der Stein auch
hei Le Bas: Voy. en Grèce Pl. 76. abgebildet.

4 Mon. pubbl. dall' Iast. arch. To. IV. Tav. 9.
Guédéonoff: Sculpt. ant. de FErmit. Imp. N° 192.

5 Archaeol. Zeit. 1864. Taf. 148. Compte-
rendu de la comm. arch. pour l'ann. 1861. p. 104.
Nach der Analogie dièses Sarkophag-Reliefs kann man
die Verkniipfung einer Ziege mit zwei verschlungenen

Hà'nden auf einem Sardonyx der kais. Ermitage
(Compte-rendu de la comm. arch. pour l'ann. 1861.
p. 112.), wie schon Wieseler: Jahrb. der Alt.
in den Rheinl. Th. XXXVIII. p. 127. ausgespro-
clien bat, so verstefaen, dass der Kiinstler auf dièse
Weise das Gedeihen der Heerden als von der Einig-
keit und Treue der Ehegatten abhangig hezeichnen
wollte.

6 Schon oben p. 24. 28. kam nicht nur ein Glasge-
fà'ss zurSprache, welches die Darstellung einer Ziegen-
und Schaf-Ileerde mil Scenen des Weinbaus verbindet,
sondera auch ein Sarkophag, welcher Scenen des Hir-
ten-Lebens mit anderen vereinigt, die dem bakchischen
Kreise entnommen sind. Dièse Verkniipfung bat auch
die âlteste christliche Kunst bei der Ausschmiiekung
der Sarkophage festgehalten. ^Siehe Visconti: Mus.
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