Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1874 — 1877

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derselben Vase damit verbundenes Bild belehrt, dass der durch eine entsprechende
Kopfbedeckung belohnte Jiingling den Sieg beim Werfen des Diskos davongetragen
hat; das andere wenigstens so viel ausser Zweifel setzt, dass es sich ebenfalls um
einen im gymnischen Agon errungenen Sieg handelt.

Wenngleich also das hier mitgetheilte Vasengemalde die Art des Kampfes, in
welchem der Jtingling gesiegt hat, ganz im Ungewissen lasst, so kann doch das
nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, dass auch dieser Sieg in einem gymni-
schen Agon errungen ist. Anderer Seits aber wird gewiss Niemand der dargestell-
ten Belohnung nur eine proleptische Bedeutung beimessen wollen, da zwar das
vollkommen gewiss ist, dass die alten Kûnstler das Ueberreichen einer' einzelnen
Taenie oder eines einzelnen Kranzes als Sièges -Zeichen oft genug in proleptischem
oder prophetischem Sinn dargestellt haben1, jedoch noch kein einziges Beispiel fur
eine proleptische Anwendung der Phyllobolie vorliegt.

Bisher waren, wie schon bemerkt, nur zwei andere im Wesentlichen entspre-
chende Vasengemalde bekannt, jedoch noch keineswegs genûgend verstanden. Das
eine verziert die Innenflache einer frtiher dem Duc de Luynes gehôrenden Kylix,
deren âussere Gemâlde leider fast giinzlich zerstort sind und daher nur noch das
erkennen lassen, dass sie gymnastische Uebungen darstellten2. Hieraus folgt natttr-
lich, dass auch der auf der Innenflache der Schale dargestellte Siéger seinen Sieg
in einem gymnischen Agon errungen hat, wenngleich sich die Art dièses Agons
nicht mehr naher bestimmen lasst. Gewiss aber ist, dass der Maler nicht, wie man
bisher angenommen hat, dje gesetzmassige Belohnung des Siegers durch den
Kampfrichter, sondern die ihm fur seinen Sieg von den Zuschauern zu Theil wer-
dende Phyllobolie darstellen wollte. Daher sehen wir den Jûngling nicht nur. wie
gewôhnlich in dieser Situation, mit beiden vorgestreckten Handen die ihm zuge-
worfenen Zweige und einen Kranz halten, sondern auch bereits mit drei grossen
Binden belohnt, von denen eine ihm eben von einem Mrtigen Mann um das Haupt
gewunden wird. Ausserdem aber ist ihm als Ehrenlohn auch die eben besprochene

1 Siehe oben p. 129. 142. 149. 153. 156. 2 Duc de Luynes: Choix de peint. Pl. 45.

162. 164 — 169. 172. Archaeol. Zeit. 1853. Taf. 52, 3.
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