Dittenberger, Wilhelm ; Purgold, Karl ; Curtius, Ernst [Editor]; Adler, Friedrich [Editor]
Olympia: die Ergebnisse der von dem Deutschen Reich veranstalteten Ausgrabung (Textband 5): Die Inschriften von Olympia — Berlin, 1896

Page: 417_418
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[No. 293 — 295]

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andeutet, gewiss irgend eine sophistische Spitzfindigkeit,
vielleicht die Meinung, dass dem Vater nach Zeit und
Rang der Vortritt vor dem Sohne gebühre. Zu der
Wendung des ersten Pentameters im zweiten Epigramm
(Z.7) vergleicht Kaibel passend Plat Gorg. 448t-: un> κιά
TogyucG εττιν οδε και μετέχει της καλλίστης των τε%νίαν. Die
beiden letzten Verse desselben Epigramms (Z. 8. 9) er-
wähnen die auch aus der Litteratur (Paus. X, 18, 7.
Hermippos bei Ath. XI, 505^. Philostratus vit. soph.
I, 9, 1. Cic. de or. III, 32, 129. Val. Max VIII, 15 ext. 2.
Plinius N. hist. XXXIII, 83) wohlbekannte Statue des
Gorgias in Delphi. Das Material derselben, das besonderes
Ausfehen erregte, wird hier nicht direkt genannt, aber
mit den Worten ου πλούτου παράδειγμα deutlich genug

auf das Gold angespielt. Ob die Statue wirklich massiv
golden oder nur vergoldet war, darüber gehen die Be-
richte auseinander. Eine andere Differenz derselben wird
durch unsere Urkunde endgiltig entschieden. Denn nur
wenn Gorgias selbst die Bildsaule hatte errichten lassen,
hat die Rechtfertigung, sie solle kein Denkmal seines
Reichtums, sondern seiner Frömmigkeit sein, irgend
einen Sinn. Das Epigramm giebt also dem Hermippos,
Plinius und Pausanias gegen Cicero, Valerius Maximus
und Philostratos Recht. Dass jemand sein eigenes Bild
als Weihgeschenk darbringt, ist, auch abgesehen von den
Olympioniken, bei denen das Verhältnis mehr nur miss-
bräuchlich so aufgefasst wird (s. Sp.240), durchaus nicht
unerhört (s. zu N0.278).

294. Basis aus schwarzem Kalkstein, 0,29 hoch,
0,57 breit und 0,52 tief. Der Stein ist an der Vorder-
seite und oben stark beschädigt, doch sind auf der Ober-
ssäche die Spuren einer ruhig ssehenden Bronzestatue
erhalten. Unten läuft ein Rand herum, der in den
Unterblock der Basis eingelassen war. — Inv. 838. Ge-
funden 10. April 1880 vor dem östlichen Ende der Nord-

sront des Leonidaion, in eines der byzantinischen Ge-
bäude vor der Westmauer der Altis verbaut. — Heraus-
gegeben nach eigener Abschrift von K. Purgold, Arch.
Zeitung XXXIX (1881) S. 90 No. 391. Vergl. die Be-
merkungen von H. Förster, die Sieger in den olympischen
Spielen I S. 30. — Facsimiliert von Purgold.



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Η [πο]λ[ι? Yj ψωφιδιων]
Αεωνι[ο\γΐυ Λεαιτο[υ Να£ίοι/|
Δη ΟΧυμπιω ανε\β•\γ\κεν\.

S. Paus. VI, 16, 5• μετά δε τούτον Βριμιας εστίν Ηλε7ος
κρατητας άνδρας πυγμγ^, Αεωνιδα τε εκ Ν«£ου της εν tui Alyaity,
Ψωψιδίων ανα&ήμα Ά οκάδων - - ε'ικων. Dass dieser Leonidas
mit dem Erbauer des Leonidaion, den Paus. V, 15, 2
irrtümlich sür einen Eleer hält, identisch ist, hat die
von Treu entdeckte Bauinschrift No. 651 gelehrt. Be-
stätigt wird das weiter durch den Fundort in der Nähe
des Leonidaion, der nicht weit vom ursprünglichen Auf-
stellungsort entfernt sein kann, weil Pausanias die Statue
des Leonides in unmittelbarer Nähe des Anathems des

Philonides (No. 276. 277) nennt. Auch der Schriftcha-
rakter ist an beiden Orten derselbe, und weist etwa auf
die zweite Hälfte des vierten vorchristlichen Jahrhunderts
hin, wozu auch die architektonischen Formen seines Baues
stimmen. Dass die Arkader von Psophis sich in der
Weihinschrift, und zwar wie die spärlichen Reste von
Ζ. 1 zeigen nicht nur in dem Personennamen, des ioni-
schen Dialekts bedienen, mag in einer Rücksicht auf die
Heimat des Geehrten seinen Grund haben, wie sie um
dieselbe Zeit ζ. B. Syll. I. G. 167 vorkommt.

295. Grosses Bathron aus dunklem Kon-
glomeratstein, 0,35 hoch, 1,32 —1,33 lang, 0,65 tief,
ohne alle Profilierung, jetzt am linken Ende quer
durchgebrochen. Auf der Oberfläche links nahe dem
Vorderrand eine 0,21 lange, 0,07 — 0,08 ties ausgearbei-
tete ovale Einlassung, etwas nach aussen gerichtet, da-
hinter runde Vertiefung. Ebenso nahe dem rechten Rande
zwei solche runde Löcher von 0,08 — 0,09 Durchmeffer
und etwa 0,08 Tiefe. Danach ist kaum anzunehmen,
Olympia V.

dass die Basis nur eine einzelne Statue trug, wozu auch
ihre AbmesTungen zu gross erscheinen. Auf der durch
Verwitterung der verschiedenen Gesteinsbestandteile stark
zerrissenen Vorderssäche ist in der Mitte eine ovale Ver-
satzbosse slehen geblieben, welche die Inschrift über-
springt. Diese ist in starken Zügen eingehauen, aber
durch den zerfressenen Zustand der Oberssäche schwer
erkennbar geworden. — Inv. 167. Gefunden 24. März
1877, 20 Meter nordwestlich von der Nordwestecke des
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