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Gast, Uwe; Rauch, Ivo
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen — Corpus vitrearum medii aevi - Deutschland, Band 3,1: Berlin: Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 2011

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.52850#0441

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WORMS ■ MUSEUM DER STADT

den sog. Majorshof in Worms eingerichtet hatte (1879/80). Da Gedon, wie es heißt, selbst an der »Herbeischaffung
der historischen Schätze« beteiligt war4, dürfte sein Bemühen um für seine Belange geeignete Sammlungsstücke auch
Glasgemälden gegolten haben. Der Erwerb eines Großteils der bayerischen und fränkischen Scheiben und Fragmente
könnte folglich auf die Initiative bzw. auf die Vermittlung Gedons zurückzuführen sein. Die genaueren Umstände
des Zustandekommens der Glasgemäldesammlung sind jedoch aufgrund fehlender Aufzeichnungen nicht mehr zu
klären5.
In der Kirche des ehemaligen Andreasstifts wurden die Glasgemälde an den Fenstern des Chors und der Westwand
angebracht6 - notgedrungen an mitunter hoher, ihrer Wahrnehmung kaum zuträglicher Stelle. Mit wenigen Ände-
rungen wurde diese Präsentation nach dem Zweiten Weltkrieg, während dem die Bestände der Wormser Kulturins-
titute ausgelagert waren7, übernommen, sodass der Großteil der Glasgemälde - Nr. 1 ausgenommen - auch heute nur
unter schlechten Bedingungen betrachtet werden kann.

Erhaltung: Abgesehen von Nr. 2-5 sind die Scheiben weitgehend in dem Zustand erhalten, in dem sie im 19. Jahr-
hundert erworben worden waren bzw. für ihre Präsentation im Paulusmuseum hergerichtet worden sind; Wieder-

herstellungsmaßnahmen aus den Jahren nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind nur an der Hl. Anna mit Kind


Fig. 407. Worms, ehern. Paulus-Museum.
Blick in den Kirchenraum nach Osten.

in einem Tabernakelturm nachzuweisen (Nr. 2-5). Der
Christus-Vierpass Nr. 1 ist in höchst labilem Zustand mit
Fehlstellen und ungesicherten Sprüngen ausgestellt, und
die während der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg zu
Bruch gegangene Architekturbekrönung Nr. 10 harrt als
Fragment im Depot ihrer Restaurierung. Bei der Wieder-
einrichtung der Sammlung in der Nachkriegszeit wurde
die Scheibe Nr. 2 seitenverkehrt und der Fensterflügel
mit den Scheiben und Fragmenten Nr. 6, 8 und 11 in ein
anderes Fenster eingesetzt, sodass die Glasgemälde trotz
»richtigen« Einbaues ebenfalls seitenverkehrt erscheinen.
Sofern die Scheiben den Fenstern nicht einfach vorge-
hängt sind, sind sie außenseitig durch eine zweite, viel
Licht absorbierende Verglasung geschützt.
Vorbemerkung zum Katalog: Die Glasgemäldesammlung
des Museums wurde in Teilen um 1959-1962 sowie 1991
fotografiert und im Frühjahr 2007 (Nr. 1, 6-12) bzw. im
Frühjahr 2008 (Nr. 2-5) untersucht, wobei letzteres En-
semble nur vorderseitig begutachtet werden konnte. Die
heute seitenverkehrt ausgestellten Scheiben und Frag-
mente werden in den Erhaltungsschemata und Abbil-
dungen seitenrichtig wiedergegeben. Von einer Ausnah-
me abgesehen (Nr. 10), sind die Scheiben und Fragmente
noch nicht inventarisiert.
4 So J. von Schmädel, Das Paulus-Museum in Worms, in: Zs. des
Kunst-Gewerbe-Vereins in München 1881, S. 73-75, hier S. 74. —
Zu Lorenz Gedon grundlegend: Doris Bachmeier, Lorenz Gedon
1844-1883. Leben und Werk, Phil. Diss. München 1988, zum Paulus-
museum S. 48L, 304-307, Nr. 3.24a.
5 August Weckerling, in: Korrespondenzblatt der Westdeutschen
Zs. für Geschichte und Kunst 1, 1882, S. 13, hebt die Bemühungen der
»hochverdienten [...] Bürger Herr Rittmeister Heyl und Herr Geh.
Kommerzienrat Heyl« hervor und spricht von »zahlreichen Alter-
tums- und Kunstgegenständen, die die beiden Herren der Sammlung
einverleibten«. Auch der Prälat Friedrich Schneider in Mainz soll bei
Ankäufen vermittelt haben; Grünewald 1992-1995 (wie Anm. 2),
 
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