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Gast, Uwe; Rauch, Ivo
Die mittelalterlichen Glasmalereien in Oppenheim, Rhein- und Südhessen — Corpus vitrearum medii aevi - Deutschland, Band 3,1: Berlin: Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 2011

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https://doi.org/10.11588/diglit.52850#0493

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492
EHEMALS BUTZBACH • PFARR- UND EHEMALIGE STIFTSKIRCHE ST MARKUS
Bibliografie: Adamy 1895, S. 29 (Erwähnung einer »kleine[n] beschädigte [n] Rundscheibe« im nördlichen Neben-
chor; Abbildung der einen noch erhaltenen Hausmarke); Becksmann 1968, S. 365, Anm. 41 (Einordnung in den Um-
kreis des Meisters der Genreszenen im Mittelalterlichen Hausbuch, Datierung »um oder nach 1500«); Beeh-Lus-
tenberger 1973, S. zozf., Nr. 261 und Taf. 16 (Beschreibung, Zusammenfassung des Forschungsstandes); Hess 1999,
S. 328 (hält eine Herkunft aus der Kirche »auf Grund des Hauswappens und des kleinen Formats [für] eher unwahr-
scheinlich«).
Geschichte des Baues und seiner Verglasung: Die bestehende ev. Pfarrkirche in Butzbach wurde vom 13. Jahr-
hundert an bis ins frühe 16. Jahrhundert errichtet und dabei von einer zunächst dreischiffigen, fünfwöchigen Basilika
in mehreren Schritten zu einer Halle mit ausgedehnter Chorpartie erweitert; der zweiwöchige Hauptchor mit 5/8-
Schluss entstammt noch der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und war 1341 unter Dach, die Nebenchöre entstanden
im späten 15. und im frühen 16. Jahrhundert, nachdem an der Kirche auf Initiative Graf Eberhards III. von Eppstein-
Königstein ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben eingerichtet worden war (1468-1550)4. Über die mittelalter-
liche Ausstattung des Baues mit Glasmalereien ist indessen nichts bekannt. Allein eine Rundscheibe mit einem Engel,
der zwei einander zugeneigte Wappenschilde hielt, war im Jahr 1895 noch vorhanden und wurde vermutlich im Zuge
der Wiederherstellungsarbeiten 1903/04 entfernt5; es besteht kein zwingender Grund, ihre Herkunft aus der Kirche
anzuzweifeln.
Vorbemerkung zum Katalog: Die Scheibe wurde im April 2005 zusammen mit Dr. Ivo Rauch, Koblenz, und Jürgen
Albert, Herselt (Belgien), untersucht und fotografiert.

DARMSTADT • HESSISCHES LANDESMUSEUM (Nr. 185)

Fig. 457, Abb. 307

185. ENGEL MIT UNBEKANNTEN WAPPEN
Fig- 457, Abb. 3°7
Durchmesser 33 cm. - Inv. Nr. Kg (Gl) 72:1; Beeh-Lustenber-
ger 1973, Nr. 261.
Der Zeitpunkt des Erwerbs ist nicht bekannt.
Erhaltung: Durch den Kopf des Engels verläuft ein entstel-
lender Sprung; oben links ist ein Stück des Glases mitsamt der
Verbleiung ausgebrochen. Ergänzt sind der heraldisch rechts
stehende Schild, ein großes Stück des Damastgrundes und ein
Stück der Engelsflügel (letzte Restaurierung); in der rechten
Hälfte der Scheibe ein großes Flickstück(?). Die von Suzanne
Beeh-Lustenberger erwähnten Übermalungen ließen sich
nicht feststellen6.


4 Zur Geschichte des zeitweiligen Stifts s. Georg W. J. Wagner, Die
vormaligen geistlichen Stifte im Großherzogthum Hessen, I: Pro-
vinzen Starkenburg und Oberhessen, Darmstadt 1873, S. 335-342;
zur Baugeschichte der Kirche s. zuletzt Dehio Hessen, II, 2008,
S.125-127.
5 Beeh-Lustenberger 1973, S. 203 (Nr. 261). Zu der Restaurierung s.
Heinrich Walbe, in: JberDpflGH 1, 1902-1907, S. 77-79, und Diehl
1931, S. 284-286 (wie Walbe 1902-1907). Die Kirche erhielt damals

Ikonografie, Komposition: In der Mittelachse in frontaler
Ausrichtung ein Engel mit geöffneten Flügeln, der mit leicht
erhobenen Armen in seinen Händen zwei an Bändern befes-
tigte, einander zugeneigte Wappen eines Ehepaares hält. Der
heraldisch rechte, höherrangige Schild des Mannes ist verloren,


Fig. 458. Engel mit den Wappen des Mainzer Domkapitels und
Erzbischof Diethers von Isenburg aus dem Missale Moguntinum.
Aschaffenburg, Hofbibliothek, Inc. 43, fol. iv. Würzburg 1482.
 
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