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Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 1): Mitteldeutschland — Berlin, 1905

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https://doi.org/10.11588/diglit.11052#0128

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Gel

kannt hat, ist möglich, doch nicht notwendig; sicher gekannt hat
er u. a. Maulbronn. — Im Lhs. die flachen Decken bewahrt;
4 unterspitze Arkaden auf quadr. Pfl., schiffseits belebt durch
einen vorgesetzten schlanken Dienst mit Teilungsring und
Knospenkpt. Die hohen rundbg. Fenster außen und innen ein-
fach abgeschrägt. Die SSchiffe spgot. nach W. verlängert, so daß
sie den bis dahin frei gestandenen T. umklammerten. Bei diesem
Umbau die rom. Türen0 wiederverwendet. Eine einfach-originelle
am WEnde des s SSch. Eine ' zweite ebenfalls einfache
(über dem Sturz blinder Kleeblattbg. und umfassender Rundbg.),
aber meisterlich in den Verhältnissen und Profilen, an der s Lang-
seite. Reicher die dritte Tür im N, im Ornamentalen von größter
Vollendung, die Figuren des Tympanon» (Christus zwischen 4
Heiligen) um so auffallender durch altertümliche Starrheit; die
Engel an den Kapitellen viel frischer, offenbar von anderer Hand.
Dieselben Eigenschaften und Gegensätze kehren an den noch
reicher komponierten, sichtlich später hinzugefügten Türen0 der
QSch.Fronten wieder; man erkennt, daß Meister Vingerhut zwar
ausgezeichnete Ornamentsteinmetzen mitgebracht hatte, für das
Figürliche aber einen Bildhauer aus einer anderen, näher liegenden
Schule benutzen mußte. Im Innern zeigt sich der Stil Vinger-
huts zuerst an den Vierungsbögen; sie sind nach französisch frgot.
Mustern profiliert. Ober ihnen ein Sseitiges Rippengwb.; um den
großen ringförmigen mit Blattkranz geschmückten Schlußstein
stehen auf den Kappen die Namen von 8 Winden; in den Schild-
bögen der Diagonalseiten kleine Rosenfenster; größere desgl. (nach
dem Muster des QSch. der Kathedrale von Laon) an den Stirnen
der Kreuzflügel. — Die Nebenapsiden Va kr. geschlossen und in
den Formen der älteren Bauzeit. — An die Wände des Chorquadr.
wurden von Vingerhut eine Arkatur und darüber eine Schein-
empore vorgeblendet; die Apsis in 5/8 Schluß kam neu hinzu; sie
hat über der Arkatur schlanke spitzbg. Fenster und über diesen
kreisrunde mit Vierpaß ausgesetzte Öffnungen. Die Blendbg. klee-
blattförmig. Der Gurt, der den Vorchor von der Apsis trennt,
hat dasselbe Profil, wie die Vierungsbg., er wird von einem Bündel
von 7 Diensten getragen, die zweimal von Schaftringen durch-
brochen sind. Sind auch die Mauerreste tatsächlich erst wenig auf-
gelöst, so herrscht doch eine Bewegtheit in den Baulinien, die
einen dem Gotischen verwandten Eindruck hervorruft. Das Orna-
ment an Kapitellen und Konsolen zeigt rom. und frgot., konven-
tionell stilisierte und naturnachahmende, Motive nebeneinander,
immer in lebensvollster und technisch meisterhafter Behandlung.
Soweit war der Bau um 1232 vollendet. Nach M. 13. Jh. kam der
Lettner0 hinzu; er springt polyg. (3/s) in den Vierungsraum vor
 
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