Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Dehio, Georg
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler (Band 5): Nordwestdeutschland — Berlin, 1912

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.11108#0471

DWork-Logo
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Soe

— 458 —

Soe

fast Abwesenheit aller Details im Innern. Im Äußern Bruchsteinbau,
den man im 12. Jh. mit Quadern zu verblenden begonnen hat, ohne
damit zum Abschluß zu kommen (s. besonders das Hochschiff).
Mangels formaler Kriterien muß die Anlage im ganzen erwogen wer-
den. Sie ist einheitlichen Plans (ausgeschlossen immer den WBau).
Entweder also war die durch die Weihen 1090 und 1118 bezeichnete
Baufühvung bloße Restauration, oder sie war totaler Neubau. Da
eine Anlage von so großen Abmessungen für den Gründungsbau
wenig wahrscheinlich ist, werden wir auf die zweite Annahme hin-
gewiesen. Eine spezielle Frage ist dann noch, ob etwa die Gwbb.
der Sschiffe — Gratgwbb. ohne Gurten — auch aus dieser 2. Periode
stammen? Bestimmte Anzeichen für spätere Hinzufügung sind bei
ihnen nicht zu erkennen, es wäre also wohl möglich. Für die
Gwbb. des Hochschiffs (3. Periode) wurden Gurt- und Schildbgg.
nötig erachtet, und zwar in so massiver Form, daß ihre den alten
Pf 11. vorgelegten Träger über diese Pfll. hinausgreifen und die
Scheidbgg. rücksichtslos überschneiden. Die Aufteilung des Msch.
ergab 3 Doppeljoche plus einem einfachen Joch. Die große
40säulige, nach den Querflügeln als offene Halle geöffnete Krypta
wurde 1817 abgebrochen. Noch besteht ein kleiner kryptenähn-
licher Raum unter der Sakristei, einst wohl Durchgang zum Kreuz-
gang, ähnlich wie am Dom von Paderborn. — Nach Beendigung
des Lhs. (die Weihe 1166 nicht notwendig schon Arbeitsschluß)
ging man an den WBau, der das Eigentümlichste an der K. wurde.
Den Kern bildet ein großer breitschultriger T. Um ihn her ein
3 seit. Umgang in Breite der Sschiffe. Diese untere Masse in 2 Ge-
schosse zu 4 Schiffen geteilt — Vorhalle und Empore — davor
eine in 5 Arkk. nach außen geöffnete Laube mit Obergeschoß.
Uber den Pultdächern dieses Umgangs wird der T. frei. Eine
ruhige Masse, nur oben stärkere Fensterdurchbrechungen, 4 mäch-
tige Giebel mit Ecktürmchen, 8seit. Dachpyramide. Der T. ge-
hörte nicht der K., sondern der Stadtgemeinde und enthielt die
städtische Rüstkammer. Ein Meisterwerk architektonischer Cha-
rakteristik. Vielleicht mit einem Einschlag von Erinnerungen an
die Stadttürme der Niederlande, die den vielreisenden Soester
Handelsherren nicht fremd sein konnten.

Inneres. Wandgemälde, a) Im Hauptchor (Inschr. 1166). Stil
byzantinisierend, anscheinend aus süditalischer Vermittlung. Die
Gemälde bauen sich in 3 Zonen auf. In der Halbkuppel der Sal-
vator auf goldenem Throne in dreifarbiger Mandorla mit den Evan-
gelistensymbolen, zu seiner Rechten Maria, Petrus, Stephanus,
zu seiner Linken Johannes d. T., Paulus, Laurentius (Deesis). In
der zweiten Zone, zwischen den Fenstern, 4 mächtige Gestalten in
königlichem Ornat, Könige des alten Testaments (als Vorfahren des
 
Annotationen