Hochschule für Industrielle Formgestaltung [Editor]
Designtheoretisches Kolloquium — 8.1984

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Günther K. Lehmann

Soziale Differenzierungen in den Bedürfnissen und ästhetischen
Wertorientierungen auf Konsumgüter

Nicht nur die Formgestalter empfinden die Dringlichkeit, ihren
Standort und ihre Wirkungsstrategie aufs neue gründlich zu
durchdenken und zu bestimmen. Anderen Berufsgruppen ergeht es
ähnlich, die mit der Gestaltung der ästhetischen Kultur befaßt
sind. Die Gründe sind mannigfach. Sie sind letztlich alle in
der zunehmenden Dynamik der Produktivkräfteentwicklung zu
suchen, in den neuartigen Erfordernissen der intensiv erweiter-
ten Reproduktion. Sie zwingen uns, in komplexen Zusammenhängen
unsere Tätigkeitsbereiche zu planen und zu gestalten. Sie
setzen neue Maßstäbe für den Umgang mit Energie und Natur-
stoffen. Der Kampf gegen Vermüllung und ökologischen Ballast
beginnt schon am Reißbrett. Er ist eine Komponente des
Effektivitätsdenkens und des Produktivitätsfortschritts.

Der geschlossene Kreislauf erscheint als eine mögliche Per-
spektive und als ein Prototyp für komplexe Prozeßbeherrschung,
darin die Integration und Mehrfachnutzung der produzierten
Werte einbegriffen.

Niemand kann bestreiten, daß die Formgestaltung von diesen
tiefgreifenden Wandlungen betroffen ist wie ebensowenig un-
strittig ist, daß weit vorauseilende Prognosen immer ihre
Tücken und Fragwürdigkeiten haben.

Die Vielzahl von Einfluß- und Wirkungsfaktoren, die zu strate-
gischen Zielvorstellungen verknüpft werden müssen, geben immer
auch dem konstruierenden und gestaltenden Suchen eine Richtung,
und sie finden in Gestaltungsqualitäten einen ästhetisch-
kulturellen Ausdruck, der später als "Stil“, "ästhetischer
Geschmack", "Schule" oder "ästhetisches Programm” und mitunter
ganz nebulos als "Zeitgeist" gedeutet und beschrieben wird.

Die Vorgaben der sozialistischen Wirtschafts- und Sozialpolitik
sind klar umrissen, sie wurden kürzlich auf dem 9. Plenum be-
kräftigt, und ebenso richtungsweisend ist der auf diesem Plenum

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