Deters, Friedrich
Die englischen Angriffswaffen zur Zeit der Einführung der Feuerwaffen: (1300 - 1350) — Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1913

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Erster Teil: Nahwaffen. — A. Schwert.

Die frühesten Schwerter, die nur für den Angriff,
weniger für die Verteidigung bestimmt waren, besitzen
keine Parierstangen.
Eine solche ist jedoch schon auf den Waffen des
Teppichs von Bayeux zu erblicken. Hier ist sie meist
gerade gebildet, in einigen Beispielen zeigt sich aller-
dings auch schon die später übliche leise Biegung nach
unten; vergl. dazu das Schwert des Königs Wilhelm
Rufus in einer Miniatur der Bibel von Canterbury (Boe-
heim 239), ebenso das Schwert des Ranulph, Earl of
Chester a. 1155 (Meyrick I, 45) und andere nach Siegeln
bei Schultz II reproduzierte Waffen. Die Parierstange
zeigt oft ebenso wie auch der Schwertknauf reiche Orna-
mentierung, vergl. das Schwert König Johanns auf seinem
Monument in der Kathedrale von Worcester (hier sind
Knauf und Parierstange mit eingelegten Edelsteinen
geschmückt); vergl. weiterhin auch die zwei bei Schultz
(II, 16 und 17) wiedergegebenen Prunkschwerter.
Der Griff der Waffen des Teppichs von Bayeux ist
ebenso wie auf späteren Denkmälern kurz, nur für eine
Hand berechnet. Sternberg (9) gibt nach französischen
Quellen an, daß mit beiden Händen geführte Schwerter
erst im 14. Jahrhundert vorkommen. Für gewöhnlich
scheint der Griff aus Holz zu bestehen, das oft mit Draht-
bewicklung versehen ist; vergl. die Grabplatte des Sir
John d’Aubernoun (Hewitt I, 237, Schultz II, 36). Viel-
leicht wurde auch Horn oder Knochen für den Schwert-
griff verwendet, der in ältester Zeit wohl mehr den Schalen
eines Messers ähnlich war; beweisen können wir dies
jedoch nur für die prähistorischen Gräberfunde (Hewitt
I, 36 ff.).
Der Knauf des Schwertes erfüllt eine doppelte Auf-
gabe. Es soll damit ein Gegengewicht gegen die schwere
Klinge geboten und weiterhin ein Abrutschen der Hand
verhindert werden. Oft bestehen solche Knäufe aus kost-
barem Metall, Silber wird erwähnt, ebenso Gold, jedoch
wird im letzteren Falle wohl meist vergoldete Bronze
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